2011-10-26

"Inklusive Bildung" ist ein Menschenrecht - Lokalgeschehen - Torgauer Zeitung

LokalgeschehenMittwoch, 26. Oktober 2011

"Inklusive Bildung" ist ein Menschenrecht

Dr. Irene Demmer-Dieckmann arbeitet an der technischen Universität Berlin unter anderem zum Thema Inklusion.
Foto: TU Berlin


von unserem Redakteur Christian Wendt

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Arzberg/Berlin (TZ). Die Arzberger Grundschule ist drauf und dran, neue Wege zu beschreiten: Die Einrichtung will künftig auch jenen Schülern das Lernen ermöglichen, die einen erhöhten Förderbedarf haben. Fachleute sprechen hierbei von Inklusion. TZ kam darüber mit Dr. Irene Demmer-Dieckmann vom Institut für Erziehungswissenschaft der Technischen Universität Berlin ins Gespräch.

TZ: Viele dürften speziell aus dem Bereich der Kindertagesstätten den Begriff des integrativen Konzepts kennen. Was ist am inklusiven Konzept anders?
Dr. Irene Demmer-Diekmann:
Inklusion wird oft als neues, modernes, internationales Wort für Integration gebraucht. Aber Inklusion geht über die Integration von Schülern mit Förderbedarf hinaus. In einem inklusiven Bildungssystem geht es um den vorbehaltlosen Einbezug aller Kinder in einer Schule für ALLE. In der inklusiven Schule sind alle verschieden, nicht nur die behinderten Kinder. Inklusion umfasst alle Dimensionen der Verschiedenheit, nämlich Migrationshintergrund, Geschlecht, Religion, besonders begabte Schüler und solche mit Behinderung. Eine inklusive Schule fordert und fördert alle Kinder.
Welche Bedeutung messen Sie der Inklusion bei?
Seit März 2009 gilt in Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Alle Kinder haben unabhängig von einer Behinderung das Recht, gemeinsam dieselbe wohnortnahe Schule zu besuchen, in die Geschwister- oder Nachbarkinder gehen. Es ist auf keinen Fall mit der Behindertenrechtskonvention vereinbar, wenn Kinder gegen den Wunsch der Eltern in eine Förderschule gezwungen werden. Inklusive Bildung ist ein Menschenrecht geworden. Sie ist keine bildungspolitische Modeerscheinung. Die Bildungsverwaltungen aller Bundesländer müssen unter anderem Schulgesetze verändern, Aktionspläne entwickeln und das Thema systematisch in die Lehrerbildung aufnehmen.
Wie weit ist man in Deutschland bei der Umsetzung von Inklusionskonzepten?
Europaweit haben wir eine Integrationsquote von etwa 80 Prozent, in Deutschland liegt sie bei 20 Prozent. Das ist europaweit der drittletzte Platz. Deutschland ist diesbezüglich ein Entwicklungsland.

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