2011-11-13

Assistenz statt Pflege - Alternativen in der Behindertenhilfe | Hintergrund | Deutschlandfunk

12.11.2011 · 18:40 Uhr
Behinderte Menschen brauchen eine andere Unterstützung im Alltag.  (Bild: Stock.XCHNG / elizabeth flores) Behinderte Menschen brauchen eine andere Unterstützung im Alltag. (Bild: Stock.XCHNG / elizabeth flores)

Assistenz statt Pflege

Alternativen in der Behindertenhilfe

Von Eva Hillebrand

Selbstbestimmtes Wohnen, das ist für die meisten Menschen mit schweren Behinderungen in Deutschland noch eine Utopie. Die Mehrheit lebt in stationären Einrichtungen. Doch mit persönlichen Budgets und Menschen, die sie begleiten und Hilfe leisten, ist ein Paradigmenwechsel möglich.
"Ich wollte immer schon 'ne eigene Wohnung haben."

Peter Budroni wollte nie im Wohnheim sein. Für ihn war das Leben dort eine Übergangslösung, die sechs Jahre lang dauerte. Heute teilt er sich mit seinen Geschwistern Irene und Silvio eine 150 Quadratmeter große Wohnung. Sie liegt fast ebenerdig und ein eigener barrierefreier Eingang führt unmittelbar in einen großen zentralen Raum. Ursprünglich geplant als Empfangsraum für eine physiotherapeutische Praxis, dient er nun als Ess- und Wohnzimmer und bietet direkten Zugang in alle übrigen Räume. Ein Garten hinter dem Haus steht allen Bewohnern zur Verfügung.

Die drei Geschwister Budroni sind zwischen 45 und 50 Jahre alt. Sie alle erblindeten im Kleinkindalter. Die Geschwister leiden unter Ataxie, einer neurologischen Erkrankung, die begleitet ist vom langsamen Abbau der Muskulatur. Irene musste sich im Alter von acht Jahren an einen Rollstuhl gewöhnen, ihre Brüder mit 12. Inzwischen kämpfen sie mit dem Verlust ihrer Sprachfähigkeit. Als die Geschwister 2005 aus ihrem Elternhaus ins Wohnheim umzogen, war das keine selbstbestimmte Entscheidung. Den Eltern war bewusst, dass sie auf Dauer der Belastung, die Geschwister zu betreuen, nicht gewachsen sein würden. Also hatten sie selbst an der Errichtung des Wohnheims mitgewirkt und glaubten ihre Kinder dort gut versorgt.

Während Peter Budroni schon vor dem Umzug ins Heim nicht nur an Fürsorge, sondern ebenso an Selbstbestimmung interessiert war, dauerte es bei seinen Geschwistern einige Zeit, bis auch sie sich nach mehr Selbstständigkeit sehnten.

Silvio erzählt, dass sie im Heim normalerweise um 20 Uhr im Bett sein sollten und um 22.00 Uhr war Bettruhe. Regeln wie im Kinderferienlager.

"Warum mussten normal Erwachsene um 20.00 Uhr im Bett sein oder so und um 22. Uhr muss Bettruhe sein. Obwohl die manchmal älter als die Betreuer sind."

Selbstbestimmtes Wohnen, das ist für die meisten Menschen mit schweren Behinderungen in Deutschland noch eine Utopie. Die Mehrheit lebt in stationären Einrichtungen. Gemäß einer gesellschaftspolitischen Übereinkunft, die nur langsam bröckelt.
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