2011-11-13

Der Deutsche Olympische Sportbund : Integration trifft Inklusion

Integration trifft Inklusion

10.11.2011

Migranten mit Behinderung: Diese Zielgruppe gibt es im Sport noch kaum. Ihre Präsenz in den Vereinen zu steigern, könnte den Weg zur geeinten Gesellschaft entscheidend verkürzen.


Zuwanderungsgeschichte und Behinderung: ein Hindernis für den Sport? (Foto: LSB NRW | Ninja Putzmann)
Melek ist 13, hat eine Körperbehinderung und das Glück, eine Förderschule im Rheinland zu besuchen. Ansonsten, darf man mutmaßen, spielte sie nun nicht Rollstuhlbasketball. Denn diese Schule kooperiert mit Behindertensport Oberhausen (BSO), und die Übungsleiter des Vereins nahmen Meleks Mutter die Überzeugung, ihre Tochter könne unmöglich am gemeinsamen Sportangebot teilhaben. „Wir haben sie beim Training zuschauen lassen und sie hat gesehen, wie Melek strahlte. Da war sie einverstanden“, sagt Jörn Derißen, Vorsitzender des BSO.
Derißen hat mehr solche Geschichten auf Lager, die beinah süßlich erscheinen. Beinah, weil er sie in eine rheinländisch-flotte, glasklare Rede einbettet, die eben nicht jeden Geschmack treffen soll. Er sagt zum Beispiel: „Wir sind offen für alle. Aber wer extreme Ansichten hat und sich nicht an unsere Regeln hält, dem sag ich: ,Du kannst gehen.' Da ist es mir egal, ob das ein Deutscher ist, eine Türkin, ein Amerikaner oder eine Russin.“
Der Mann weiß, was er will: Inklusion. Und Integration. Beziehungsweise, dass all die Begriffsdebatten überflüssig werden, weil es nicht interessiert, ob einer eine Behinderung hat oder eine aus einem anderen Land stammt. Der Name von BSO – das Wort „Behindertensport“ - ist reine Tradition. Natürlich gehören dem Verein auch Nichtbehinderte an.
Solch kompromissloses Verständnis von Miteinander ist selten in Deutschland, auch im Sport: Die Ansprache von Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderung funktioniert normalerweise separat. Niemand weiß, wie viele organisierte Behindertensportler zugewandert sind respektive nichtdeutsche Eltern haben. Klar, einige Namen sind bekannt, gerade in der Leichtathletik. Heinrich Popow, Woitek Czyz, mit Abstrichen Alhassane Baldé und Diskuswerfer Ali Ghardooni. Aber Zahlen oder einen scharfen Gesamteindruck, sagt Jörg Frischmann als Geschäftsführer Behindertensport des Großvereins Bayer Leverkusen, „hat meines Wissens nach niemand“.
Der kleinere Unterschied
Das hat mindestens zwei gute Gründe. Genau ist die Herkunft der Mitglieder für Vereine sowieso nicht feststellbar; sie könnten nur schätzen. Und zweitens: Der Drang ist wohl schon deshalb gering, weil die Frage kultureller Herkunft in diesem Umfeld nachrangig ist - höchstens. Frischmann, einst paralympischer Spitzenathlet, sagt: „Als Mensch mit Behinderung ist man es gewohnt, anders betrachtet zu werden. Man achtet selbst weniger auf äußere Unterschiede.“ Derißen führt das weiter: „Die Kraft des Behindertensports in der Integration ist: Wir hatten von Beginn an einen sozialen Auftrag. Bei uns ist es vollkommen egal, ob Dir ein Bein fehlt, Du eine geistige Behinderung hast, woher Du kommst oder welche Sprache Du sprichst. Wenn Du gemeinschaftlich Sport treiben willst, bist Du herzlich willkommen.“
Freilich: Um diese Kraft zu entfalten, muss man die Betreffenden erstmal erreichen. (...)

Der Deutsche Olympische Sportbund : Integration trifft Inklusion

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