2011-11-11

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HANNOVER
Karrierekiller Pflegezeit
Experten beurteilen Gesetz zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege skeptisch

VON JOACHIM GÖRES


Helfende Hand | FOTO: DPA

Hannover. 2,4 Millionen Menschen sind in Deutschland auf Pflege angewiesen. Knapp die Hälfte von ihnen wird von Angehörigen betreut. Fast immer sind es Frauen, die ihre (Schwieger-)Eltern zu Hause pflegen und dafür oft ihren Beruf aufgeben müssen – aus Angst der Vorgesetzten vor erhöhten Fehlzeiten und schlechteren Leistungen.

"Es ist einfach nicht wahr, dass wir grundsätzlich weniger leistungsfähig sind als unsere Kollegen", sagt Regina Seibel-Erdt, die im bundesweit tätigen Verein "Wir pflegen" die Interessen von pflegenden Berufstätigen vertritt. Die Sozialarbeiterin Seibel-Erdt kümmert sich in Hamburg mit einer vollen Stelle um Hartz-IV-Empfänger und betreut zudem seit sieben Jahren ihren Mann, der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt.

Seibel-Erdt berichtete auf einer Tagung in Hannover zur Vereinbarkeit von Beruf und häuslicher Pflege von ihren Erfahrungen. Beides soll nach dem Willen der Bundesregierung künftig leichter unter einen Hut gebracht werden können. Ab kommendem Jahr gilt ein neues Gesetz, wonach pflegende Angehörige zwei Jahre lang ihre wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden reduzieren können. Dabei werden die Lohneinbußen begrenzt. Wer seine Tätigkeit um 50 Prozent reduziert, erhält trotzdem 75 Prozent seines Gehalts. Nach Beendigung der Pflege wird diese Zeit nachgearbeitet. Bei einer vollen Stelle erhält man weiter 75 Prozent des Lohns, bis das Zeitkonto ausgeglichen ist. Derzeit kann man sich ein halbes Jahr unbezahlt beurlauben lassen.

"Das Gesetz hat viele Pferdefüße" 

"Das Gesetz ist ein Fortschritt, aber es hat viele Pferdefüße. Die Arbeitgeber haben durch Lobbyarbeit verhindert, dass Pflegende einen Rechtsanspruch auf diese Regelung haben. Und das Ganze gilt nur zwei Jahre – im Schnitt dauert die häusliche Pflege eines Angehörigen aber acht Jahre", (...)

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