2011-11-16

Reportage: Mit Absicht blind | RP ONLINE

Reportage

Mit Absicht blind

VON ANJA STREICHAN - zuletzt aktualisiert: 14.11.2011 - 17:32
Duisburg (RPO). Nach vier Stunden bekomme ich Panik. Einen halben Tag wollte ich mit zugeklebten Augen verbringen, aber nach einem Drittel der Zeit halte ich es einfach nicht mehr aus. Ich stoße an, kann mich nicht orientieren, im Auto wird mir übel. Ich reiße mir die Pflaster vom Gesicht.
Heinz Schwarz kann sich nicht einfach die Pflaster von den Augen reißen. Der 63-jährige Duisburger ist vor acht Jahren erblindet – grüner Star. Er musste lernen, ohne Augenlicht zurecht zu kommen, wurde im Blindensport aktiv, machte Ausflüge mit dem Tandem und begann für die Werbeagentur AS Design & Promotion zu arbeiten. Gerne erzählt er von seinen Kabarettbesuchen oder dass er abends gemeinsam mit seiner Frau Hörbücher oder Filme genießt.
Das fehlende Augenlicht ist für ihn vor allem lästig. „Ärgerlich ist es, wenn man im Stress ist und weniger Konzentration aufbringen kann“, erzählt er mir. „Da passiert es schon einmal, dass ich meine Tasse falsch herum auf den Kaffeeautomaten stelle und es erst merke, wenn der Kaffee schon längst übergelaufen ist.“
Blindheit entschleunigt das Leben
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