2011-11-02

Siegen - Psychiatrie-Opfer muss weiter für Entschädigung kämpfen - Siegener-Zeitung

Neuer Prozess

Psychiatrie-Opfer muss weiter für Entschädigung kämpfen

Seit 2004 wurden mehrere Prozesse geführt, verschiedene Gutachter gehört. "Man versucht, mich als hirnamputierten Racheengel darzustellen", beklagt die Siegerländerin das Verhalten ihrer Prozessgegner.

mir - Was hat ein simpler Unfall mit Psychiatrie und Gericht zu tun? Für die 42-jährige Tanja aus dem nördlichen Siegerland sehr viel. Am Donnerstag verhandelt die 5. Zivilkammer des Landgerichts Siegen abermals ihren Fall, der schon 2007 und 2009 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Sie strebt nach Wiedergutmachung für Fehldiagnose und Behandlungsfehler, die chronische Schmerzen und eine ausgefallene Kunstlehrerlaufbahn zur Folge hatten.

699 Tage Psychiatrie

Die Vorgeschichte: 1991 hatten Tanja und ihr damaliger Freund in Allenbach einen zunächst unkompliziert anmutenden Autounfall. Mit Folgen: Körperliche Symptome wurden bei der Studentin als beginnende Psychose gedeutet. 699 Tage Psychiatrieaufenthalt, davon 412 im Kreisklinikum Weidenau, folgten.

Hohe Medikamentendosen

Die Ärzte vermuteten Schizophrenie, verordneten Neuroleptika in hohen und höchsten Dosen. Zum Beispiel täglich 300 bis 600 mg Leponex. 50 mg wären niedrig gewesen, attestierte 2009 Prof. Dr. Wolfgang Maier (Bonn) als Gutachter: "1996 hätte man merken müssen, dass man auf dem falschen Dampfer ist. Das war weder Wahn noch Schizophrenie, was sich bei der Patientin zeigte", schrieb die SZ am 5. November 2009 über Maiers Aussage im Prozess.

Gutachter widersprechen sich

Die Krankenhausseite bot damals mit Prof. Klimke einen eigenen Gutachter auf. Mit konträren Ansichten: 300 mg Leponex seien nicht hoch, in den USA würden auch 900 mg verabreicht - allerdings nur an therapieresistente Patienten mit chronischer Schizophrenie. Bei Tanja sei das nicht der Fall, entgegnete damals Prof. Maier.

Etikett "psychisch krank"

Bereits 2007 hatte das Landgericht Siegen im Fall Tanja getagt. Damals schon hatte Prof. Maier eine Psychose bei Tanja als Folge des Unfalls ausgeschlossen. Tanjas "eigener" Gutachter Dr. Piet Westdijk (Basel) sah das auch so. Eine Einigung schien in greifbarer Nähe: Das Gericht skizzierte einen Gesamtrahmen von 400 000 Euro als Wiedergutmachung. Der Anwalt der Klinik-Versicherung stellte vage eine Haftungsquote von 25 Prozent in Aussicht, Tanjas Anwältin Katharina Batz forderte "minimal 50 Prozent". Eine Einigung kam nicht zustande. Im Gegenteil: Der Endlos-Prozess zieht sich weiter in die Länge.
Siegen - Psychiatrie-Opfer muss weiter für Entschädigung kämpfen - Siegener-Zeitung

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...