2012-01-27

Ansprache des Bundesvorsitzenden der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung, Robert Antretter zur Verabschiedung von Herrn Klaus Lachwitz am Freitag, den 20. Januar 2012 im Kleisthaus zu Berlin



"Sehr geehrte Damen und Herren,
Wenn wir am heutigen 20. Januar hier im Kleisthaus zu Berlin unseren langjährigen Justiziar und Bundesgeschäftsführer Klaus Lachwitz offiziell verabschieden, so fällt daran zweierlei auf:
   Zum einen macht die Tatsache, dass wir uns erst heute und damit ein halbes Jahr nach Vollendung seines 65. Lebensjahres zu einer Verabschiedung treffen, deutlich, dass bei ihm von „Ruhestand“ nicht die Rede sein kann: Zu einem früheren Zeitpunkt war es einfach nicht möglich, den umtriebigen Präsidenten unseres weltweit
tätigen Dachverbandes Inclusion International zu fassen zu bekommen. Er hat im vergangenen Jahr alle Kontinente bereist und viele Mitgliedsverbände besucht. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen!

   Zum anderen zeigt der Blick auf das heutige Programm, dass er es auch an diesem Tag nicht bei der Entgegennahme von Dankes-, Lobes- und Abschiedsworten belassen, sondern die Gelegenheit nutzen will, die Diskussion zu dem Projekt, das ihn jetzt ganz in Anspruch nimmt, voranzubringen: Die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, den seit März 2009 auch für Deutschland verbindlichen völkerrechtlichen Vertrag, mit dem wir alle so große Hoffnungen und Erwartungen für die Verwirklichung der gleichberechtigten Teilnahme von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben verbinden.  (...)

Fragt man nun nach besonderen „Highlights“ während seiner mehr als dreißig Jahren währenden Tätigkeit für die Lebenshilfe, so kann man einige herausragende Aktivitäten benennen:  

   Mitte der 80er Jahre nahm die Diskussion über die Reform des Entmündigungs- und Vormundschaftsrechts Fahrt auf – ein zentrales Anliegen für die Lebenshilfe; denn viele Eltern waren nicht mehr bereit, ihre volljährigen Kinder entmündigen und rechtlich auf die Stufe von Kleinkindern unter 6 Jahren setzen zu lassen. Die Lebenshilfe gab hierbei den Reformbemühungen wichtige Impulse.  Vor 3 Wochen, am 1.Januar jährte sich das Inkrafttreten des Betreuungsgesetzes zum 20. Mal – und ich bin mir sicher, dass Klaus Lachwitz in seinem Schlusswort heute Nachmittag nicht unerwähnt lassen wird, welch großes Anliegen es ihm ist, die Praxis und eine Reihe von Bestimmungen des Betreuungsrechts im Lichte von Art. 12 der Behindertenrechtskonvention (BRK) einer genauen Überprüfung zu unterziehen. (...)

Ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Höhepunkt in der Karriere von Klaus Lachwitz war die Beteiligung an den Verhandlungen über die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Dank der
Berufung von Karl-Hermann Haack, dem damaligen Bundesbehindertenbeauftragten, in eine Delegation nach New York und später als Assistent von Robert Martin, einem Selbstvertreter mit geistiger Behinderung aus Neuseeland, konnte er auch auf die Gestaltung dieses wegweisenden Völkerrechtsvertrages Einfluss nehmen und wichtige Eindrücke und Erkenntnisse gewinnen für seinen weiteren Weg, der ihn 2010 in das Amt des Präsidenten von Inclusion International getragen hat.  (...)

Der Kreis dieses gerafften Überblicks über beeindruckende Stationen seiner Lebenshilfe-Laufbahn  möchte ich damit abschließen, dass sich das Wirken von Klaus Lachwitz – geprägt von seinem Grundsatz, „über
den Tellerrand hinaus zu blicken“ – schon frühzeitig auch in das Feld der internationalen Arbeit ausgedehnt hat.. So kam es nicht überraschend, dass er für mehrere Jahre zum ehrenamtlichen Generalsekretär von
„Inclusion International“ gewählt wurde. Heute ist er Präsident dieses angesehenen Weltverbandes, der über 200 Behindertenverbände aus 115 Ländern in der UNO, der Weltgesundheitsorganisation, der
UNESCO, UNICEF usw. vertritt und pflegt als Mitglied des „Europäischen Behindertenforums“ (EDF) auch enge Verbindungen zur europäischen Behindertenpolitik.  (...)
Heute, Herr Lachwitz
sind Sie unser Botschafter in einer Welt, die auch im Bereich der Behindertenhilfe immer enger vernetzt ist und mit der Behindertenrechtskonvention menschenrechtliche Leitlinien hervorgebracht hat, von denen vor
20 Jahren noch niemand zu träumen wagte. (..)"

Ansprache des Bundesvorsitzenden der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung, Robert Antretter zur Verabschiedung von Herrn Klaus Lachwitz am Freitag, den 20. Februar 2012 im Kleisthaus zu Berlin (pdf)

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