2012-01-29

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Nach Unfall im Rollstuhl! „So Stefan, jetzt musst du damit klarkommen.“

Freienohl. Stefan Rölleke ärgert sich. Bei der Rückschau auf das „Kyrill“-Jubiläum würden nur die wirtschaftlichen Schäden damals durch den Orkan beklagt. Die Opfer aber würden vergessen. Dabei hat „Kyrill“ auch sein Leben einschneidend verändert. Stefan Rölleke ist seitdem gelähmt.

In der offiziellen Orkan-Bilanz taucht der Freienohler nicht auf. Denn „Kyrill“ hat ihn nicht in der Sturmnacht im Januar 2007, sondern mit dem Abstand eines Jahres getroffen. Der damals 38-jährige Forstwirt war am 11. Februar 2008 mit Aufräumarbeiten im Arnsberger Stadtwald bei Wennigloh beschäftigt. Als Motorsägenführer beim Forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen Feldmann aus Freienohl war Rölleke damit beschäftigt, umgestürzte Bäume von den Wurzeln zu trennen.

„Abstocken“ nennen das die Experten. Die Bäume lagen kreuz und quer. Auch nach einem Jahr standen sie noch unter Spannung. Was genau passierte, weiß man nicht. Auch Stefan Rölleke nicht. Das Amt für Arbeitsschutz hat es später versucht, nachzustellen. Ohne Erfolg. Beim Sägen muss ein Baum hochgeschnellt sein. Er begrub den Freienohler auf einmal unter sich.

Sein Kollege, der Maschinenführer im Vollernter, sah ihn plötzlich nicht mehr. Noch im Hinlaufen zu dem Verunglückten setzte er die Rettungskette in Gang. Ein Hubschrauber landete noch im Wald. „Ich fiel im Wald um und dann wachte ich in Bochum auf“, erinnert sich Rölleke. 17 Tage war er in einer Dortmunder Unfallklinik und 26 Wochen im Bochumer Bergmannsheil.

Die gebrochenen Rippen waren das eine, die wirklich niederschmetternde Diagnose aber waren die vier gebrochenen Wirbel am Rücken. Stefan Rölleke war von der Brust an abwärts gelähmt. Er würde im Rollstuhl sitzen. Irgendwann kam in Bochum der Stationsarzt angerollt mit der brutalen Wahrheit: „So Stefan, jetzt musst du damit klarkommen.“ Der Arzt saß, Folge eines Skiunfalls, selbst im Rollstuhl.

Frührentner

Mit 38 Jahren wurde Stefan Rölleke Unfallrentner, Frührentner. Eine Umschulung für einen Beruf im Büro wäre nichts für ihn: „Ich und schreiben? Das sind zwei Welten.“ 20 Jahre arbeitete er im Forst. Das Schlimmste war bis dahin ein gequetschter Finger gewesen. Waldarbeit ist umgemein gefährlich. Im Windwurf werden ausschließlich erfahrene Leute eingesetzt. Vorwürfe kann er niemandem machen. „Das ist Schicksal. Ich war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.“

Sein Unglück ist als Arbeitsunfall anerkannt. Für ihn begann ein ganz neuer Alltag. Um Details seiner Versorgung musste vor dem Sozialgericht gestritten werden. (...)
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