2012-01-14

Wut und Weiblichkeit - Kölner Stadt-Anzeiger

Retrospektive

Wut und Weiblichkeit

Von Alexandra Wach, 14.01.12, 13:19h

Bunte Nanas gegen das winterliche Grau: Das Max Ernst Museum Brühl gewährt seltene Einblicke in das Frühwerk von Niki de Saint Phalle. Die Ausstellung „Spiel mit mir“ ist vom 15. Januar bis 3. Juni zu sehen.

Nana
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Niki de Saint Phalle, Nana Upside Down, 1969 (Bild: NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION)
BRÜHL - Der Kontrast könnte nicht größer sein. Draußen das winterliche Grau, drinnen ein glühendes Farbinferno. Anders hat man es auch nicht erwartet. Schließlich handelt es sich bei Niki de Saint Phalles Markenzeichen um die stets bunten Nanas, mit denen sie längst ein Massenpublikum erobert hat. Die Wirkung der üppigen Damen hält trotz der inzwischen fatalen Kommerzialisierung an. Sie ziehen in den hinteren Räumen die Blicke sogleich auf sich. Und das, obwohl ihnen in der fünf Jahrzehnte umfassenden Retrospektive im Brühler Max Ernst Museum nur eine Nebenrolle zugedacht ist. (...)
Kaum zu glauben, dass diese süßsauren Etüden die Frucht eines Nervenzusammenbruchs sind. Mit 23 Jahren gerät Catherine Marie-Agnès Comtesse Fal de Saint Phalle in die Fänge der Psychiatrie. Da hatte sie bereits ihre Modell-Karriere abgebrochen und war mit Ehemann und Tochter aus den USA zurück in ihre Heimat gezogen, wo sie als Kind nicht nur unter dem streng reglementierten Leben eines adligen Sprösslings litt. Das Trauma des Missbrauchs durch den eigenen Vater und die Erziehung in einem katholischen Internat holen sie in Paris wieder ein. Wenn schon nicht die Elektroschocks, so gibt ihr die Maltherapie immerhin den Anstoß, ihren Weg in der Kunst zu suchen. (...)
Wut und Weiblichkeit - Kölner Stadt-Anzeiger

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