2012-04-12

«Schliesslich sind wir punk» | WOZ Die Wochenzeitung

«Schliesslich sind wir punk»

Vier Punkrocker mit geistiger Behinderung: Das ist die finnische Band Pertti Kurikan Nimipäivät. Eine Dokumentation über sie hat am Festival Visions du Réel, das am 20. April in Nyon beginnt, ihre internationale Premiere.


«Ich will etwas Respekt und Gleichheit in meinem Leben», fordert Gitarrist Pertti Kurikka (links) in einem seiner Lieder. Kurikka hat der Band den Namen gegeben; zur Band gehören auch Schlagzeuger Toni Välitalo und Bassist Sami Helle. Foto: Marianne Heikkinen
Der Manager mahnt zur Eile. «Toni, es ist Zeit, auf die Bühne zu gehen!» In der offenen Toilettentür erscheint das grinsende Gesicht des Drummers. «Wasch dir die Hände und zieh ab», ermahnt ihn der Betreuer. Toni Väli­talo lacht noch immer und drückt die Spülung. Nichts wird ihm heute die Laune verderben, und das Hände­waschen schenkt er sich zur Feier des Tages. Mit erhobenen Armen tritt er wieder in den Backstage­raum. «Ich war auf Toilette! Und jetzt werden Pertti Kurikan Nimipäivät spielen!» Er zeigt auf das Logo auf seiner Brust. «Auf meinem Shirt steht ‹Perkele› (Gottverdammt)!»
Selbstverständlich ­haben Pertti Kurikan Nimipäivät (Pertti Kurikkas Namenstag) den Mittelfinger im Gepäck! Die Adressaten: «Politiker, die betrügen», das langweilig-bürgerliche Viertel Helsinkis, in dem Sänger Kari Aalto aufwuchs, und nicht zuletzt: das Behindertenwohnheim! «Ich will etwas Respekt und Gleichheit in meinem Leben», heisst es in einem ihrer Lieder. «Ich will nicht in einer Einrichtung wohnen!» Warum sollten sie auch? Nur weil sie mit einer geistigen Behinderung geboren wurden? Das sehen Schlagzeuger Välitalo, Sänger Kari Aalto, Bassist Sami Helle und Gitarrist Pertti Kurikka, zwischen Ende zwanzig und Mitte fünfzig, ganz anders.
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