2012-07-26

Wie das Urheberrecht das Studium für Behinderte erschwert | Blind-Text

Wie das Urheberrecht das Studium für Behinderte erschwert

Vorlesen mit webReader Vor allem für Geisteswissenschaftler bedeutet das Studium drei Dinge: Lesen, Lesen, Lesen. Vor allem für Blinde und Sehbehinderte ist das ein Riesenproblem.
Aufgeschlagene Bücher
Als ich Politikwissenschaft studiert habe, das war von 2000 bis 2005, gab es so gut wie nichts. Es gab keine günstigen Computer mit günstigen Screenreadern, es gab so gut wie keine eBooks. Die Literaturversorgung für Sehgeschädigte war schlicht katastrophal. Die Uni hatte zwar einige Bücher auf Kassette – ja auf Audio-Kassette – auflesen lassen. Aber selbst einige hundert aufgelesene Bücher sind praktisch nichts im Vergleich zu den mehrere Millionen Bände umfassenden Bestand der Universitätsbibliothek. Dazu muss man wissen, dass es in einigen Fachbereichen praktisch jedes Jahr Neuauflagen von Büchern gibt und es verpönt ist, aus einer älteren Auflage zu zitieren. In der Politikwissenschaft spielt das weniger eine Rolle als etwa bei den Juristen oder Psychologen. Dafür muss ein Politikwissenschaftler aber auch auf einen wesentlich größeren Bereich von Büchern zugreifen können: für einen Politikwissenschaftler kann abhängig von seinem Thema praktisch jedes Buch wichtig sein.
An der generell schlechten Versorgungslage hat sich bis heute nichts gravierendes verändert. Das restriktive Verwertungsrecht hindert Bibliotheken daran, digitale Bücher in vernünftiger Weise bereit zu stellen. Oft genug darf nur eine begrenzte Zahl von digitalen Büchern ausgeliehen werden. Oder die eBooks müssen an den Terminals der UB gelesen werden, die natürlich nicht mit Screenreadern oder Vergrößerungssoftware ausgestattet sind.

Ich fühle mich immer an den Bibliothekar aus Umberto Ecos “Der Name der Rose” erinnert, der eifersüchtig darüber wacht, dass die Mönche nur das zu sehen bekommen, was er für sie als relevant einschätzt.
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