2012-09-21

"Inklusion": Wenn das Kind auf die Förderschule gehen muss - Nachrichten Politik - Deutschland - DIE WELT

02.09.12

"Inklusion"

Wenn das Kind auf die Förderschule gehen muss

Wer ADHS oder emotionale Probleme hat, muss gehen: Lehrer werden schwierige Kinder los, indem sie diese auf dem Papier als behindert darstellen. Eigentlich hatte die Politik das Gegenteil angestrebt.
ADHS Kind
© Theo Barth "Ich bin ja sowieso doof, Mama": Lisa Bahlhaus leidet an ADHS. Ihre Lehrerin attestierte der Neunjährigen aber gleich "sonderpäda-gogischen Förderungsbedarf"

Es waren nur noch wenige Tage bis zu den Sommerferien, als Lisa Bahlhaus (Name geändert, d. Red.) tränenüberströmt von der Schule nach Hause kam. Die Lehrerin hatte angekündigt, nach den Ferien werde die ganze Klasse ein Theaterstück aufführen, und jetzt verteilte sie schon einmal die Rollen. Nur Lisa bekam keine.
Schließlich, sagte die Lehrerin vor der Klasse, werde die Neunjährige nach den Ferien nicht mehr da sein, sondern auf die Förderschule wechseln. Was das heißt, davon hatten Lisa und ihre Klassenkameraden eine ziemlich genaue Vorstellung. "Ich bin ja sowieso doof, Mama, ich muss auf die Doofenschule", sagte sie zu Hause.
Die Klassenlehrerin hatte in den Wochen zuvor beim Gelsenkirchener Schulamt erwirkt, dass Lisa einen Vermerk in ihre Schulakte bekam: "Sonderpädagogischer Förderbedarf mit dem Förderschwerpunkt Lernen" stand da. Mit anderen Worten heißt das: Lisa ist behindert. Zumindest auf dem Papier. Denn die Eltern, die an diesem Sommervormittag auf der Terrasse ihres Gelsenkirchener Einfamilienhauses sitzen und vor Nervosität Kette rauchen, haben den Beweis, dass dies nicht stimmt – in Form eines ärztlichen Gutachtens.
Es bescheinigt, dass Lisa in Wahrheit unter ADHS leidet, dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. "Die Lehrerin wollte Lisa ganz offensichtlich loswerden", sagt der Vater.

Seit mehr als drei Jahren gibt es die Inklusion

Der Fall von Lisa Bahlhaus könnte ein Einzelschicksal sein, ein bedauerlicher Irrtum von Pädagogen und Schulbeamten. Schließlich gibt es in Deutschland seit mehr als drei Jahren die Inklusion.
Seit März 2009 gilt eine entsprechende UN-Konvention, die der Bundestag zuvor beschlossen hatte. Sie besagt, dass alle Menschen, mit Behinderung oder ohne, an allen Lebensbereichen gemeinsam teilhaben sollen. In deutschen Schulen wird demnach schon bald eine halbe Million behinderter Schüler in den Regelschulunterricht integriert, die dafür umgebaut werden.
Doch tatsächlich passiert in der Bundesrepublik momentan vielerorts genau das Gegenteil:
 

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