2012-11-01

Aug'-in-Aug'-Betroffenheit - mehr als Heuchelei? -- kobinet

31.10.2012 - 08:28

Aug'-in-Aug'-Betroffenheit - mehr als Heuchelei?.

Eine Betrachtung von kobinet-Redakteur Gerhard Bartz

Hollenbach (kobinet) Eine junge Frau ist im Verkehr verunglückt. Sie hatte keine Schuld, sie war nur zum verkehrten Zeitpunkt am verkehrten Platz. Um ihre Persönlichkeitsrechte zu schützen und nicht in ein laufendes Verfahren einzugreifen, bleibe ich hier im Fiktiven. Die Frau wird schwer verletzt und musste mehrfach operiert werden. Zu der akuten gesundheitlichen Sorge kommt nun auch die über ihr zukünftiges Leben hinzu. Die Klinik will sie möglichst bald loshaben, denn bis zu einem gewissen Zeitpunkt macht sie Gewinn, der aber mit jedem Tag kleiner wird. Nach diesem Tag macht die Klinik Verlust und das mit jedem Tag mehr. So ist das Drängen der Klinik als Wirtschaftsbetrieb erklärbar. Der soziale Dienst der Klinik reagiert nach eingespielten Reflexen und fragt nach, in welches Heim die Frau denn will. Da die Frau gerade dies nicht will, fällt sie angesichts der Alternativlosigkeit des Angebotes in ein tiefes Loch, das ihrem Heilungsprozess gar nicht zuträglich ist. 


Nun könnte der Sozialhilfeträger seine Sternstunde gekommen sehen. Dieser ist laut Gesetz auch ohne Antrag nur aufgrund der Kenntnis der Notlage verpflichtet, initiativ zu werden. Er bleibt jedoch in sicherer Deckung und lässt diese Bürgerin unseres Landes hilflos in der Klinik schmoren. Wenn man die schönen Gesetzestexte liest und die hehren Worte aus den Parlamenten glaubt, versteht man das nicht. Tatsache ist, dass Kostenträger ungestraft Gesetze brechen können, indem sie solchen Opfern die für sie passenden Hilfen vorenthalten. Die Parlamentarier wissen dies und machen nichts. Bei der Veranstaltung im Deutschen Bundestag traf eine Phalanx behinderter Menschen auf ein kleines Häuflein von Abgeordneten. Die Politprominenz hatte sich nach einer fernsehgerechten Visite sehr rasch wieder aus dem Staub gemacht. In den folgenden Gesprächen durften sich die behinderten Menschen dann anhören, dass man ja gar nicht gewusst hatte, wie feindlich Kostenträger mit den hilfesuchenden Bürgerinnen und Bürgern umgehen. Zur Wochenmitte dagegen konnte man in der Anhörung im Gesundheitsausschuss einen gegenteiligen Eindruck gewinnen. Dort konnten Vertreter von öffentlich-rechtlichen Organisationen noch kundtun, dass bestehende Gesetze aus Kostengründen ignoriert werden müssen. Es ist einfach die Betroffenheit, die uns in persönlichen Gesprächen gezeigt wird, wenig glaubwürdig, wenn man die Reaktionen vor- und nachher betrachtet...
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