2014-02-07

Deutsches Ärzteblatt: Ausgrenzung Behinderter: Gedenken und Handeln (07.02.2014)

Ausgrenzung Behinderter: Gedenken und Handeln

Dtsch Arztebl 2014; 111(6): A-197 / B-171 / C-167

Jachertz, Norbert


Norbert Jachertz, gesundheits- und sozialpolitischer Journalist
Ein lange verschwiegenes Thema, die Zwangssterilisation und die sogenannte
Euthanasie in der Nazizeit, scheint nunmehr „ganz oben“ angekommen zu
sein: Dieser Tage besuchte Bundespräsident Joachim Gauck ex officio eine
Ausstellung, die sich mit diesen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
auseinandersetzt. Einer der früheren Vizepräsidenten des Bundestages,
Wolfgang Thierse, hatte die Ausstellung in den Bundestag eingeladen, und
seine Nachfolgerin im Amt, Ulla Schmidt, eröffnete sie am Tag der Opfer
des Nationalsozialismus, dem 27. Januar.
Über Täter und Opfer wurde nach dem Ende der Naziherrschaft nicht gerne gesprochen.
Die Opfer der Zwangssterilisationen schwiegen, weil sie sich schämten.
Die Angehörigen der „Euthanasie“-Opfer glaubten, ihre Familiengeheimnisse hüten zu
müssen. Die Ärzteschaft schwieg lange, um nicht einzugestehen, dass so
viele aus ihren Reihen ihre Schutzbefohlenen und Patienten im Stich
gelassen hatten. Ein Schweigekartell, hin und wieder aufgebrochen durch
einen Gerichtsprozess mit zumeist seltsam milden Richtersprüchen.
Eine neue Ärztegeneration macht sich inzwischen an die Aufarbeitung.

Deutsches Ärzteblatt: Ausgrenzung Behinderter: Gedenken und Handeln (07.02.2014)

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