2012-05-31

Diskriminierung durch die Kasse - Der im Rollstuhl sitzende Jörg Haid muss um ständig um Hilfen kämpfen - Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg

30.05.2012

    Diskriminierung durch die Kasse

    Der im Rollstuhl sitzende Jörg Haid muss um ständig um Hilfen kämpfen


    ORANIENBURG - Conny Haid wacht jeden Morgen mit Rückenschmerzen auf. Ihr erster Gedanke ist bei ihrem Mann Jörg. Der sitzt im Rollstuhl und ist rund um die Uhr auf die Hilfe seiner Frau angewiesen. Sie hilft ihm aus dem Bett, setzt ihn auf die Toilette, wäscht ihn, zieht ihn an. „Beim Duschen brauche ich eigentlich vier Hände“, sagt die 45-Jährige. Auf dem nassen Stuhl hat ihr Mann keinen Halt und muss festgehalten werden.
    Am beschwerlichsten ist es aber, den Mann aus dem nur kniehohen Bett zu hieven. „Das schmerzt im Rücken“, sagt Conny Haid und man kann sich die Belastung gut vorstellen. Ein neues, höheres Bett kann sich das Ehepaar nicht leisten. Es hat aber jährlich Anspruch auf notwendige Umbauten in der Wohnung. Doch einen Bettumbau will die Krankenkasse AOK nicht bezahlen.
    „Die haben uns ein Pflegebett empfohlen. Aber wo soll ich dann schlafen?“, fragt Conny Haid. „Wir sind ein Ehepaar.“ Doch die Frau im AOK-Call-Center habe das nicht interessiert. Auch wenn das Pflegebett viel teurer ist als ein Bettumbau.
    Conny Haid pflegt ihren Mann ohne Unterstützung. Einem Beruf nachgehen kann sie deshalb nicht. Sie bekommt Harzt IV, aber nicht den vollen Satz. Denn ihr Mann bezieht noch eine schmale Rente. Hinzu kommen 700 Euro Pflegegeld. Allein die Miete verschlingt fast 600 Euro, dabei lebt das Ehepaar bescheiden in einer Zwei-Zimmer-Wohnung auf 67 Quadratmetern. Das Bad ist behindertengerecht, die Wohnung aber nicht barrierefrei. Zum Balkon muss eine 30 Zentimeter hohe Stufe überwunden werden. Jedes Mal, wenn Jörg auf den Balkon will, muss Conny zwei schwere Schienen als Rampe aufbauen und dann den Rolli mit viel Kraft hochschieben.
    Die häusliche Pflege ist ein Vollzeitjob, Tag und Nacht, sieben Tage die Woche. Alle zwei Stunden muss ein Katheter gelegt werden. Selbst beim Rasieren braucht Jörg Haid Hilfe. Urlaub haben die beiden noch nie gemacht. Einmal ist Conny allein weggefahren und hat eine Freundin an der Ostsee besucht, eine Woche lang. Danach wurde das Pflegegeld für einen ganzen Monat eingezogen, außerdem sollten 200 Euro für den Pflegedienst gezahlt werden.
    Der Ärger, vor allem mit der Krankenkasse AOK, kostet die Haids viel Zeit und Nerven. Diskriminierung durch die Kasse - Der im Rollstuhl sitzende Jörg Haid muss um ständig um Hilfen kämpfen - Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg

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