2012-08-26

Hitler und das "lebensunwerte Leben" | NDR.de - Geschichte - Chronologie - NS-Zeit und 2. Weltkrieg

Hitler und das "lebensunwerte Leben"

von Andreas Schlebach
Als Adolf Hitler Ende Oktober 1939 die Anordnung zur Ausrottung "lebensunwerten Lebens" offiziell erlässt, ist die systematische Massentötung behinderter Kinder schon in vollem Gange. Vom "Gnadentod" ist zynisch die Rede, tatsächlich werden mehrere Tausend Menschen ermordet - durch Medikamente, Nahrungsentzug oder quälende medizinische Tests. Auch in Norddeutschland fallen etliche Kinder und später Erwachsene der "Euthanasie" zum Opfer.

Systematische Ausrottung von Kranken und Behinderten

Gedenktafel für die Opfer des NS-Terrors an einer Bushaltestelle in Berlin. © picture-alliance/ dpa Detailansicht des Bildes An einer Bushaltestelle in Berlin erinnert eine Gedenktafel an die Opfer der "Aktion T4".

"Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankenzustandes der Gnadentod gewährt werden kann." Mit diesem einzigen von Hitler je persönlich unterzeichneten Auftrag zur Menschenvernichtung wird die seit Sommer 1939 unter dem beschönigenden Etikett "Euthanasieprogramm" betriebene systematische Ausrottung von behinderten und geisteskranken Kindern in Nazi-Deutschland auch auf erwachsene Patienten ausgeweitet. Der Erlass wird auf den 1. September 1939 zurückdatiert, wohl um den Zusammenhang zum Kriegsbeginn herzustellen, den in der Nazi-Diktion das "internationale Finanzjudentum" zu verantworten habe. Über die in der Berliner Tiergartenstraße 4 ("T4") eingerichtete Zentralverwaltung wird die Selektion der Opfer per Meldebogen und ihr Abtransport in eine der berüchtigten Vernichtungsanstalten Hadamar, Grafeneck, Sonnenstein, Brandenburg, Bernburg und Hartheim koordiniert.
Zwar widerruft Hitler im August 1941 nach massiven Protesten insbesondere des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen seinen Euthanasiebefehl, doch geht der systematische Krankenmord dezentral mit unverminderter Heftigkeit weiter ("wilde Euthanasie"). Bis Kriegsende fallen dem später unter dem Namen "Aktion T4" bekannt gewordenen Morden rund 200.000 Menschen zum Opfer.

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