2012-08-26

London 2012: Wie ein deutscher Neurologe die Paralympics erfand | FTD.de

21.08.2012, 19:23  

London 2012  

Wie ein deutscher Neurologe die Paralympics erfand

Die Paralympics starten in der kommenden Woche in London - und kehren damit an ihren Ursprungsort zurück: Der geistige Vater der Behindertenspiele war vor den Nazis nach England geflohen.
  von Ronny Blaschke, London
 
Als in London alle über Olympia sprachen, war Rickie Burman schon einen Schritt weiter. Sie macht sich nicht viel aus Sport, die Medaillen, die Show, die Sondersendungen, das alles ist für sie verzichtbare Unterhaltung. "Wir haben uns vor langer Zeit auf die Paralympics konzentriert", sagt die Direktorin des Jüdischen Museum in London. "Es gibt kaum ein Sportereignis, das so viel in der Gesellschaft angestoßen hat." In einer Woche beginnen die Weltspiele der Sportler mit Behinderung, mit 4200 Athleten aus 166 Ländern. Es wird ein großes, buntes Sportfest, doch die Briten wollen sich auch Zeit zur Erinnerung nehmen - denn nach mehr als 60 Jahren kehren die Paralympics zu ihren Wurzeln zurück.
Rickie Burman geht durch das Foyer des Jüdischen Museums und zeigt auf vergilbte Fotografien einer Sonderausstellung. Sie will an ein britisches Idol erinnern: Sir Ludwig Guttmann. "Er ist der Vater der Paralympics. Endlich haben wir einen Anlass, seine Geschichte zu erzählen, die viele in Europa noch nicht kennen."
Der deutsche Neurologe Ludwig Guttmann, Sohn eines jüdischen Gastwirts, gewährte während der Reichskristallnacht 60 Juden Zuflucht in einer Klinik in Breslau. 1939 flüchtete er nach England - mit seiner Frau, zwei Kindern, 40 Mark in der Tasche. In der Kleinstadt Stoke Mandeville, nordwestlich von London, revolutionierte er die Behandlung für Querschnittsgelähmte. Sie wurden nicht mehr in Hinterzimmern versteckt, sondern erhielten eine Rundumversorgung. Ihre Lebenserwartung stieg.
Rickie Burman hat viel über Guttmann geforscht und unveröffentlichte Fotos gefunden. "Guttmann hat schnell erkannt, dass körperliche Herausforderungen für Menschen mit Behinderung wichtig sind. Das wollten ihm viele nicht glauben, doch er beharrte auf seinem Standpunkt." (...)

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