2012-02-06

Pflegeheime: Ans Bett gefesselt - Gesellschaft - FAZ

Pflegeheime Ans Bett gefesselt

06.02.2012 · Alte Menschen werden in Heimen oft fixiert - zum eigenen Schutz, aber bisweilen mit tödlichen Folgen. Eine Initiative will diese Fesseln nun sprengen.
Von Karin Truscheit, Garmisch-Partenkirchen
Garmisch-Partenkirchen, im Februar. Innerhalb von fünf bis zwölf Sekunden kann ein Mensch, der im Rollstuhl mit einem Bauchgurt festgebunden ist, sich so herauswinden, dass er sich im schlimmsten Falle stranguliert. Wenn der Gurt nicht sachgemäß befestigt ist, wenn die Seitenriemen nicht zusätzlich angebracht sind und wenn das Bettgitter nicht hochgeklappt ist, dann kann man sich sogar auch in seinem Bett mit normalen Bewegungen aus einem Bauchgurt herauswinden und mit dem Hals so in den Gurt geraten, dass man sich erhängt, wenn man seitlich aus dem Bett herausfällt.
Die meisten alten Menschen wollen aus ihren Fixierungen heraus. In lebensbedrohliche Situationen können sie bei nicht fachgerechter Fixierung leicht geraten. Oft drehen und winden sie sich solange in ihrem Bett, bis der Oberkörper zur Seite aus dem Bett fällt. Wenn dann die Hüfte noch im Gurt verwickelt ist, gerät der Kopf in eine Tieflage, und die Sauerstoffversorgung des Gehirns wird massiv beeinträchtigt. Kräftige und mental gesunde Menschen können sich meist alleine wieder aufrichten - doch auch beim Bungee-Jumping ist es so schon zu lebensbedrohlichen Situationen gekommen, wenn die Springer nicht schnell genug hochgezogen wurden. Alte und demente Menschen hingegen bleiben, wenn es keiner bemerkt, so hängen. Im schlimmsten Fall, bis sie tot sind.

Jeden Tag etwa 400.000 Fixierungen

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