2011-10-28

Frankenpost | Ein Arbeitsleben als Tortur

Ein Arbeitsleben als Tortur

Gabi und Roland Hoppe sehen sich als Opfer jahrelangen Mobbings. Den Druck am Arbeitsplatz empfinden sie als unmenschlich.

Von Matthias Bäumler
Stemmas - Als Gabi Hoppe in einer Schublade nach einem Brief kramt, wird ihr Mann Roland unruhig. "Mensch, lass das doch sein", sagt er und ist im nächsten Moment tief traurig, dass er seine Frau so angefahren hat. Das Leben der Hoppes ist nicht mehr einfach. Gabi und Roland waren früher begeisterte Wohnmobilisten, sie werkelten gerne im Garten und feierten Grillpartys.
Heute bestimmen an die zwei Dutzend Tablettenschachteln und mehrere Fläschchen mit Tropfen ihr Leben. Mehrere Minuten ist Gabi Hoppe jeden Tag damit beschäftigt, die Tagesration für sich und ihren Mann herzurichten. "Wir benötigen beide Psychopharmaka. Ohne die Chemie können wir die Tage nicht mehr durchstehen."
Nervenärzte haben Gabi Hoppe attestiert, dass sie manisch-depressiv ist, während ihr Mann an einer Depression leidet. Beide führen ihre psychischen Krankheiten auf jahrelanges Mobbing an ihren Arbeitsstellen zurück. Während die Hoppes von ihrem Leid berichten, brechen sie immer wieder in Tränen aus. "Eigentlich ist es uns peinlich, an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber irgendjemand muss doch mal schildern, wie es auch uns Arbeitern gehen kann", sagt Roland Hoppe.

Seine Frau Gabi hat das Schicksal in den vergangenen Jahren hart geprüft. 2003 musste sie zwei Unterleibs- und 2005 eine Brust-Operation über sich ergehen lassen. Zwei Jahre später erhielt sie ein künstliches Hüftgelenk. "Seit der letzten OP bin ich 60 Prozent schwerbehindert. Aber genau deshalb war ich im Betrieb für meine Kollegen und Vorgesetzten ein gefundenes Fressen."
Mit Angst zur Arbeit
Als Arbeiterin in einer großen Porzellanfabrik im Landkreis war Gabi Hoppe an zwei wohnzimmerschrankgroßen Maschinen für die Qualitätskontrolle tätig. "Da ist man den ganzen Tag über am Rennen und auf Leitern Steigen. Dazu muss man schwer heben." Immer wieder fragte die Frau nach einer körperlich einfacheren Tätigkeit - ohne Erfolg. Frankenpost | Ein Arbeitsleben als Tortur

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