2011-10-28

TeachersNews | Inklusion spielt in der Lehrerbildung noch eine zu geringe Rolle „Lehrerbildung auf dem Prüfstand

Inklusion spielt in der Lehrerbildung noch eine zu geringe Rolle „Lehrerbildung auf dem Prüfstand

Welche Fähigkeiten braucht die inklusive Schule?“
Mannheimer Fachtag zur Frage der gemeinsamen Beschulung aller Kinder Mannheim, 21.10.2011. Auf dem Fachtag am Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität in Mannheim haben Wissenschaftler, Lehrer, Eltern und andere Vertreter aus der heilpädagogischen Praxis zusammen mit Studierenden an der Fragestellung des gemeinsamen Unterrichts aller Kinder gearbeitet, um die Vorgaben der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung umzusetzen.
Seit 2008 ist es europäisches Recht, dass „Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderungen vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden…“ (Auszug aus der UN-Konvention, Artikel 24). „Was muss sich in der Lehrerbildung ändern, damit inklusive Schule möglich wird?“ lautete deshalb auch die Frage, mit der Dr. Götz Kaschubowski den Fachtag zum Thema Inklusion eröffnete. Die Schirmherrin Helen Heberer (MdL) betonte in ihrem Brief an die Teilnehmer die Bedeutung des Themas auf politischer Ebene und speziell für Mannheim als Modellstandort für Inklusion.

Der in der Integrationsdiskussion engagierte emeritierte Professor Georg Feuser von der Universität Zürich erläuterte in seinem Vortrag zur Interdisziplinarität in der Lehrerbildung „Wege aus der Segregation durch die Integration zur Inklusion“. „Wir sollten in dem aktuellen Bildungssystem nicht viel korrigieren, wir müssen es neu aufbauen“, so Feuser. In seinen sieben Thesen zeigte er die Bedeutung einer „Allgemeinen Pädagogik“ auf, die so allgemein sein müsse, dass niemand ausgeschlossen werde. Dabei hätte die Lehrerbildung die Verantwortung, nach außen aufzuklären und nach innen voranzutreiben. Feuser bezeichnete das aktuelle Unterrichtssystem (hierarchisch, komplett durchorganisiert, segregierend, voneinander unabhängige Fächer, defizitorientiertes Verständnis von Behinderung, inadäquates Menschenbild) als Haupthemmnis für die Umsetzung der Inklusion. In der Lehrerbildung forderte er, die Trennung zwischen Sonder- und Regelschul-Lehrer/innen in Zukunft aufzuheben und stattdessen zum Beispiel ein gemeinsames BA- und ein spezifizierendes MA-Studium einzuführen. Er betonte, dass in einem entsprechenden Bildungssystem auch mehrfach schwerbehinderte Menschen inkludierbar seien.
„Die Integrationsbewegung ist schon sehr alt, aber bundesweit besuchen nur vier Prozent behinderte Kinder eine Regelschule“, erinnerte Professor Theo Klauß von der PH Heidelberg in seinen Ausführungen über die aktuelle Situation in Baden-Württemberg. Nach der Verabschiedung der Behindertenrechtskonvention seien vor allem Bewusstseinsbildung, Qualifizierung der Fachkräfte, Entwicklung von Unterstützungsmöglichkeiten und der Abbau von Kommunikationsbarrieren nötig. Klauß beschrieb das Bildungssystem als einen „Schubladenturm“, in dessen Fächer die Kinder eingeschult würden; wenn eine Schublade nicht passe, suche man eben eine andere.
Zudem spiegele sich die Inklusionsbewegung noch viel zu wenig in der Lehrerbildung wider, so Klauß. In den neuen Studien- und Prüfungsordnungen für allgemeine Pädagogik seien keine Module für Inklusion enthalten und die zukünftigen Lehrer würden weder im Bereich der Sonderpädagogik noch im Umgang mit Hochbegabung geschult.
TeachersNews | Inklusion spielt in der Lehrerbildung noch eine zu geringe Rolle „Lehrerbildung auf dem Prüfstand

Kommentare:

  1. Die Integration von Lernbehinderten in Klassen von Oberschulen ist pädagogisch-psychologischer und bildungspolitischer Rückschritt!
    Wie Bildungsminister Günter Baaske (SPD) aus seiner Zeit als Mathelehrer, wohl an einer Förderschule (zu DDR-Zeiten Hilfs- und Sonderschule), berichtete, schlugen manche Schüler über die Stränge und es ging dann über Tische und Bänke (sinngemäß entsprechend Artikel). Herr Baaske müsste doch damit über einen großen Wissensfundus und eine hohe Qualifikation zur Problematik und Thematik der Lernbehinderung bzw. der Lernbehinderten besitzen! Nur ein oder zwei verhaltensauffällige oder lernbehinderte Schüler können somit den gesamten Unterricht nicht nur schlechtweg stören, sondern sogar zunichtemachen. Und so ungefähr wird sich dies in den Inklusionsklassen abspielen. Die Lernbehinderten und die Schüler mit Konzentrationsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten sind mit dem regulären Stoff der Klassenstufe überfordert und die regulären Schüler können sich beispielsweise durch die ständigen Störungen des Unterrichtes oder aufgrund des erhöhten Lärmpegels nicht konzentrieren und erfahren somit auch keinen wesentlichen Lernzuwachs. So „profitieren“ alle Schüler in und von den Inklusionsklassen – der Lernprozess wird nicht forciert, sondern er stagniert bestenfalls oder nimmt sogar eine Abwärtsentwicklung. Man kann sich einmal die ganz einfache Frage stellen, warum bei Lernschwierigkeiten von Schülern in einzelnen Fächern eine individuelle Förderung durch Einzelunterricht oder in kleinen Lerngruppen erfolgt. Ganz einfach: Es werden optimale Lernbedingungen für die Schüler damit konstituiert. Die Konstituierung von Förder- und Sonderschulen mit kleinen Klassenstärken war Anfang des vergangenen Jahrhunderts ein riesiger Fortschritt, weil damit für Schüler mit einer Intelligenzminderung, mit Konzentrationsschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten optimale Lernbedingungen geschaffen wurden. Dieses Konzept geht ursprünglich auf die beiden französischen Psychologen Albert Binet und Theodore Simon zurück. Die beiden Psychologen wurden durch das französische Unterrichtministerium 1904 damit beauftragt, einen Schuleignungstest zu entwickeln, um Schüler mit fundiertem Förderbedarf zu diagnostizieren und für die Integration auf Förderschulen herauszufinden. Dieser, 1905 entwickelte Schuleignungstest war der erste fundierte und qualifizierte Intelligenztest, der in der Folgezeit weiterentwickelt wurde. Was man momentan unter dem Motto „Inklusion“ zur Eingliederung von lernbehinderten und konzentrationsgestörten Förderschülern in die Klassen der regulären Grund-, Ober- und Gesamtschulen veranstaltet, ist neben kaum nachvollziehbaren politischen Absichtserklärungen in jedem Falle pädagogisch-psychologisch betrachtet ein riesiger Rückschritt! Rückschritt daher, weil die Förderschüler unter den angestrebten Bedingungen kaum individuell und zielgerichtet gefördert werden können und Rückschritt auch daher, weil die regulären Schüler in jedem Falle im Lernprozess nachhaltig gestört werden. Und wie soll dies mit den beiden Klassenstufen 9 für die Förderschüler überhaupt funktionieren? Besuchen dann die Förderschüler gemeinsam mit den anderen Schülern die Klassenstufe 10 oder werden die Förderschüler dann in die nachfolgende 8./9.Klassee integriert. Beides ist nicht zu empfehlen, weil dann das Durcheinander noch größer wird. Denn Förderschüler benötigen immer feste Strukturen! Das vormalige Konzept der Allgemeinen Zehntklassigen Förderschule zur Erlangung der Einfachen Berufsbildungsreife war schon genial. Anschließend erlangten die Förderschüler eventuell die Erweiterte Berufsbildungsreife in einem Berufsvorbereitungsjahr unter REHA-Bedingungen und konnten dann wiederum unter REHA-Bedingungen einen Ausbildungsberuf erlernen. Bei manchen Förderschülern „platze dann irgendwann der Knoten“ und sie absolvierten dann beispielsweise sogar als Tischer, Maler und Lackierer oder als Gärtner eine Vollausbildung.
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

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  2. Mit dem „gemeinsamen Lernen“ wird das pädagogische Chaos organisiert!
    Mit der neuen, modifizierten bildungspolitischen Strategie „gemeinsames Lernen“ wird zweifelsohne das pädagogische Chos organisiert. Es ist absolut nicht nachvollziehbar, dass an diesem pädagogischen Konzept festgehalten wird, obwohl empirisch zweifelsfrei belegt, bereits die „Inklusionsstrategie“ kläglich gescheitert ist. Es ist hingegen trivial, dass in den Klassen der regulären Oberschulen körperbehinderte Schüler, wie beispielsweise querschnittsgelähmte Schüler und Schüler mit anderen körperlichen Handicaps gut integrierbar sind – hier bestehen absolut keine Probleme! Bei Sehbehinderten mit der Installation von computergestützten Arbeitsplätzen (vergrößerte Schrift) und leicht hörbehinderten Schülern könnte das gemeinsame Lernen ebenfalls gut funktionieren. Bei Blinden und extrem Hörbehinderten Schülern sind unbedingt sonderpädagogische Lehrkräfte und Spezialschulen erforderlich, die sich in einem Zeitraum von über 100 Jahren weltweit etabliert haben und gut bewährten. Die Integration von lernbehinderten Schülern, also Schülern der Förderschulen in Klassen von Oberschulen ist pädagogisch-psychologischer und bildungspolitischer Rückschritt, ja Schwachsinn! Zum Beispiel können nur ein oder zwei verhaltensauffällige oder lernbehinderte Schüler den gesamten Unterricht nicht nur schlechtweg stören, sondern sogar zunichtemachen. Und so ungefähr wird sich dies in den Inklusionsklassen abgespielt haben und wird sich dies auch künftig in Klassen mit dem „gemeinsamen Lernen“ so abspielen. Die Lernbehinderten mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche und Rechenschwäche und Schüler mit Konzentrationsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten sind mit dem regulären Stoff der entsprechenden Klassenstufe überfordert und die regulären Schüler können sich beispielsweise durch die ständigen Störungen des Unterrichtes oder aufgrund des erhöhten Lärmpegels nicht konzentrieren und erfahren somit ebenfalls keinen wesentlichen Lernzuwachs.
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

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