2011-12-04

Ein Leben in Altersarmut - "Ich steh' schon wieder auf" - München & Region - sueddeutsche.de

Ein Leben in Altersarmut "Ich steh' schon wieder auf"

04.12.2011, 13:29
Von Sven Loerzer
Seit dem Schlaganfall ist alles anders: Irmtraud H. pflegt ihren Lebensgefährten seit 2007. Doch das Geld reicht hinten und vorne nicht. Sie sind auf die Grundsicherung vom Sozialamt angewiesen. Und auch die kleine Zwei-Zimmer-Wohnung ist alles andere als geeignet für die Pflege.
Es ist ein guter Tag für Irmtraud H., "auch wenn ich seit sechs Uhr am Rennen bin". Denn damit die 71-Jährige ihren Arzttermin wahrnehmen kann, muss alles klappen wie am Schnürchen. Der Pflegedienst, der ihr bei der Betreuung ihres schwer kranken Lebensgefährten Wolfgang Z. hilft, war schon da, inzwischen ist eine Hospizhelferin von "Dasein" gekommen, damit der 61-Jährige, der an den Folgen eines Schlaganfalls und unter Blasenkrebs leidet, nicht alleine bleiben muss. Gut an diesem Tag ist, dass der Arzt Irmtraud H. den Gips an der linken Hand wieder abnimmt, der ihr das Leben noch schwerer gemacht hat. Schon seit längerem plagt sie eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte.
Altersarmut, Grundsicherung, Hartz IV, SZ-Adventskalender Bild vergrößern
Irmtraud H. und ihr Lebensgefährte Wolfgang Z.: Weder schwere Krankheit noch ein Leben in Armut hat das Paar auseinander gebracht.
Anfang Oktober, als sie an der Ampel die Straße überqueren wollte, "versagte mein Bein, ich bin volle Pulle gelegen". Mit der Hand krachte sie gegen die Bordsteinkante, das tat ganz gemein weh. "Ich dachte, das ist eine Prellung und bin erst nicht zum Arzt." Sie ist hart im Nehmen, "das muss ich auch sein, ich kann doch nicht wegen jedem bisschen jaulen". Aber 14 Tage später hatte sich das immer noch nicht gebessert - ein Bruch des Mittelhandknochens. Sechs Wochen Gips, das machte alles noch schwieriger. Aber Irmtraud H. hielt durch. "Ich habe trotzdem gekocht und abgespült", viel isst Wolfgang Z. ohnehin nicht. "Er lebt nur noch von Schmerzmitteln."
Die kleine Zwei-Zimmer-Wohnung ist alles andere geeignet für die Pflege. Das Bad ist viel zu eng, um dort einen Menschen zu waschen, der selbst nicht mehr aufstehen kann. Im Haus gibt es zwar einen Lift, aber ein paar Stufen machen es unmöglich, Wolfgang Z. im Rollstuhl an die frische Luft zu bringen. So bleibt er in seinem Pflegebett, Irmtraud H. schläft im Bett daneben.
Ein Leben in Altersarmut - "Ich steh' schon wieder auf" - München & Region - sueddeutsche.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...