2011-11-09

Klaus Dörner: «Die Welt wird bunter dank 
den Dementen» - Beobachter

Klaus Dörner

«Die Welt wird bunter dank 
den Dementen»

Text:
  • Yvonne Staat
  • und Birthe Homann
Bild:
  • Holde Schneider/VISUM
Ausgabe:
23/11
Der renommierte deutsche Psychiater Klaus Dörner fordert, die Demenz anzunehmen als 
menschliche Seinsweise wie Kindheit, Jugend, Erwachsensein oder Alter. Demente müssten 
in die Gesellschaft integriert statt ausgeschlossen werden.

Klaus Dörner: «Die Welt wird bunter dank 
den Dementen»
«Demenz wird heute zu einem Massenphänomen»: Psychiater Klaus Dörner
Beobachter: Sie bezeichnen Heime als Auslaufmodell. Warum wollen Sie sie abschaffen?
Klaus Dörner: Weil sie niemand mehr will.
Beobachter: Ist das so?
Dörner: Ja. Laut zahlreichen Umfragen lehnen 92 Prozent der Bevölkerung Heime ab.
Beobachter: Aber die Realität sieht ganz anders aus. In der Schweiz beispielsweise leben 40 Prozent der Menschen mit Demenz im Heim.
Dörner: Das tun sie, aber gegen ihren Willen.
Beobachter: Sicher?
Dörner: Ja. Menschen in grossen Mengen in Heimen unterzubringen, sei es wegen Behinderung, psychischer Erkrankung oder auch Alterspflegebedürftigkeit, ist ein lupen­reines Produkt der Industriegesellschaft. Davor wäre das undenkbar gewesen, die ­Leute hätten sich kaputt­gelacht. Mit der Industrialisierung wurde es üblich, dass man Menschen aus betriebswirtschaft­lichen Gründen zu Hunderten in einem Gebäude zusammenpfercht – das wurde lange Zeit als Fortschritt empfunden. Jetzt geht das dem Ende zu.
Beobachter: Worunter leiden denn Menschen im Heim ­besonders?
Klaus Dörner: «Die Welt wird bunter dank 
den Dementen» - Beobachter

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