Kolumne
Opfer ohne Namen
Von Götz Aly
Deutschland gedenkt der Opfer. Doch nicht alle Namen werden genannt.
Foto: dpa
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Die Massenmorde an den chronisch kranken Deutschen lehrten die NS-Regierung bis 1941 vor allem eines: Wer zulässt, dass die eigene an Schizophrenie leidende Tante in der Gaskammer ermordet wird oder der fünfjährige spastisch gelähmte Sohn die Todesspritze erhält, der wird sich nicht um das Schicksal der als Weltfeinde, Verräter und Kriegsschuldige verfemten Juden scheren, der wird gleichgültig bleiben, wenn zwei Millionen sowjetische Gefangene binnen sechs Monaten verhungern, damit deutsche Soldaten und deren Familien mehr zu essen haben.
Anders als die Öffentlichkeit gedenken sehr wenige deutsche Familien ihrer Verwandten, die seinerzeit als „Erbkranke“ oder „nutzlose Esser“ ermordet wurden.(...)