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2014-02-22

Landesmuseum Darmstadt: Gemälde zum Anfassen | Rhein-Main - Frankfurter Rundschau

Landesmuseum Darmstadt  

Gemälde zum Anfassen


 Von 




Im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt können Blinde Kunst an tastbaren Reliefs ertasten. Foto: dpa

Ein neues Projekt macht es möglich: Im Landesmuseum Darmstadt können
Blinde Kunst an tastbaren Reliefs erfühlen. Bedeutende Gemälde der
Sammlung wurden eigens ins Dreidimensionale übersetzt.
Darmstadt –  
Für Michael Müller vom Club der Behinderten und ihrer
Freunde ist das Projekt ein wichtiger Schritt zur Inklusion: Tastbare
Reliefs sollen Blinden im Landesmuseum Darmstadt einen individuellen
Besuch ermöglichen. Bisher hatten etwa Familien mit einem blinden und
einem sehenden Kind nur die Möglichkeit, an speziellen Führungen für
Sehbehinderte teilzunehmen, wie sie inzwischen schon in vielen
Kultureinrichtungen angeboten werden. Im neuen Landesmuseum, das im
Frühsommer eröffnen soll, werden fühlbare Exponate in die
Dauerausstellung integriert. "Damit wird endlich ein gemeinsames
Kulturerlebnis möglich", sagt Müller. "Man kann gemeinsam über das Werk
sprechen, das jeder mit seinen Fähigkeiten erfahren hat."


Landesmuseum Darmstadt: Gemälde zum Anfassen | Rhein-Main - Frankfurter Rundschau

2014-02-08

KrüppelStolz - Selbstbestimmtes Leben: Künstler erntet Applaus für Disney-Prinzessinnen mit Behinderung


Künstler erntet Applaus für Disney-Prinzessinnen mit Behinderung


Der italienische Künstler AleXsandro Palombo spricht mit seiner
neusten Serie, die Disney-Prinzessinnen in Rollstühlen oder mit
fehlenden Gliedmassen zeigt, den Mangel an behinderten Charakteren in
der Popkultur an. Behindertenvertreter sagen, Palombo's Botschaft sei
dringend notwendig.




Gruppenfoto behinderter Disney-Prinzessinnen mit der Überschrift "Do you still like us?" (Bild: AleXsandro Palombo)


Von Schneewittchen im Rollstuhl bis Pocahontas, die nur ein Bein hat und
an Krücken geht: Künstler und Modekritiker Palombo präsentiert
Disney-Prinzessinnen in einer Art und Weise, wie man sie noch nie zuvor
gesehen hat. "Ich wollte ein Problem sichtbar machen, das eine grosse
Zahl von Menschen in der Welt betrifft.", erklärt der 40 jährige
Palombo.
KrüppelStolz - Selbstbestimmtes Leben: Künstler erntet Applaus für Disney-Prinzessinnen mit Behinderung

2013-06-02

"Wertlos? - Alltagsdinge werden zur Kunst" - Neumarkt: Kunst wieder "daheim"


Kunst wieder "daheim"


Oberbürgermeister Thomas Thumann lässt sich das Kunstobjekt erläutern.
Foto: Zwick
NEUMARKT. Ein künstlerisches Röhren-Objekt ist wieder nach Neumarkt zurückgekehrt, nachdem es drei Jahre mit der Ausstellung "Zeige deine Wunde - Psychiatrieerfahrene stellen aus" durch Deutschland und die Schweiz gereist war.
Die Plexiglas-Röhren, gefüllt mit Alltagsdingen, die nicht mehr benutzt werden, waren im Jahr 2003 von Besuchern des Sozialpsychiatrischen Dienstes und des angegliederten Tageszentrums unter der Anleitung des Künstlers Wolfgang Weinmann entstanden.
Der Titel "Wertlos? - Alltagsdinge werden zur Kunst" soll darauf hinweisen, dass das scheinbar Nutzlose einen neuen Wert bekommt, wenn es in einen anderen Zusammenhang gestellt wird, hieß es.
weiterlesen:
.Neumarkt: Kunst wieder "daheim"

2013-02-15

Fotoprojekt anderStark - Stärke braucht keine Muskeln - Nordstarter-Hamburg

Fotoprojekt anderStark - Stärke braucht keine Muskeln

Fotoprojekt anderStark - Stärke braucht keine Muskeln 

anderStark ist ein Fotoprojekt, bei dem Frauen mit einer Muskelerkrankung außergewöhnlich fotografiert werden. Das Projekt besteht seit knapp zwei Jahren und nun sollen die Werke in Hamburg ausgestellt werden!
Die Bilder werden vom 12. - 21. Juli in Hamburg-Altona auf über 300qm präsentiert.
Das Ziel ist es, durch diese Ausstellung die Berührungsängste und Vorurteile gegenüber behinderten Menschen zu vermindern und neue Facetten aufzuzeigen.

Fotoprojekt anderStark - Stärke braucht keine Muskeln - Nordstarter-Hamburg

2012-11-22

Ausstellung: Sun Kims Ganzkörperspektakel | Kultur - Frankfurter Rundschau

Ausstellung  

Sun Kims Ganzkörperspektakel

 Von Irmgard Berner

Wenn der Körper spricht: Ming Wongs „The Love I Man“, 2012.  Foto: KUNSTRRAUM KEUZBERG BETHANIEN/Barbara Stauss
Wo die Sprache versagt, beginnt das Bild. „Gebärde Zeichen Kunst“, ein Ausstellungsprojekt „Gehörloser Kultur und Hörender Kultur“ im Kunstraum Kreuzberg Bethanien, bietet gelungene Irritation für Hörende wie Gehörlose.

Berlin –   Der Körper hört, und er spricht. Wenn nötig in eigenen Sprachgefügen. Für niemanden trifft das so zu wie für Gehörlose. Gebärdensprache, Gesten- und Lautsprache, Lippenlesen, Fingerzeichen. „Ich bin seit meiner Geburt gehörlos“, schreibt die Künstlerin Christine Sun Kim mit schnellem Zeigefinger auf ihren iPad-Bildschirm. „Technisch habe ich kein Konzept, wie Sie Klang empfinden“, kritzelt sie in weiter, und strahlt in charmantestem Lächeln, „aber ich habe eine gute Idee davon.“
Die junge koreanisch-amerikanische Künstlerin ist so etwas wie der Inbegriff eines multimedial-indisziplinär arbeitenden Ausdruckskörpers, der die Mittel der Gebärdensprache, des wandelbaren Gesichtsausdruckes, aber auch der technischen Sprache von Akustik- und Elektronikgeräten leichthändig zu beherrschen weiß. Und in Kunst umsetzt, in Zeichnungen, Installationen – mit Klang – und in Performances. Sun Kim zu beobachten ist ein Spektakel.

Ausstellung: Sun Kims Ganzkörperspektakel | Kultur - Frankfurter Rundschau

2012-06-03

Aktion Mensch: Doppelt ausgeschlossen: Migranten mit Behinderung: Blog

Doppelt ausgeschlossen: Migranten mit Behinderung

Autor: Stefanie Wulff, am 03.06.2012 um 08:17 Uhr
Zwei Mädchen, eines davon im Rollstuhl, sitzen an einem Tisch.
Foto: Verein zur Unterstützung behinderter Migranten Umut e.V.
Letztens las ich einen Bericht über "Stix", einen Akrobaten auf Krücken. Das hat mich beeindruckt. Ein cooler Typ, Kind türkischer Einwanderer, dessen Beine durch Kinderlähmung gehandicapt sind und der es "trotzdem" geschafft hat, sich als Tänzer und Künstler einen Namen zu machen. Unter meinen Kollegen und Mitbloggern auf dieser Seite sind weitere Persönlichkeiten mit Migrationshintergrund und Behinderung, bei deren inspirierenden Leistungen und Kreativität ich nur sagen kann: Hut ab! Solche Geschichten von besonderen Ideen, Begabungen, Lebenswegen höre ich gerne, sie machen Mut und wirken inspirierend.
Was mich nur manchmal nachdenklich stimmt, ist dieses "Trotzdem".(...)
Aktion Mensch: Doppelt ausgeschlossen: Migranten mit Behinderung: Blog

2012-04-05

Inklusion - Illusion - barefaces Jimdo-Page!

Inklusion - Illusion

Am Montag beginnt meine Ausstellung The Art of Inklusion im Neuen Rathaus in Leipzig.
Die Kunst der Inklusion -  ein schwieriges Thema. Überall und jederman redet von Inklusion, ja manch einer schreit es förmlich in die Welt. Aber wie steht es denn wirklich mit der Inklusion autistischer Menschen? Ist die Gesellschaft wirklich bereit zum Mitmensch-Sein mit autistischen Menschen und wie zeigt man uns autistischen Menschen diese Bereitschaft. Indem immer wieder autistische Kinder aufgrund ihrer Behinderung von Schulen fliegen, auch von speziellen Schulen für Autisten? Indem 95% aller Autisten in Deutschland arbeitslos sind? Indem die Eltern autistischer Kinder mit den Ämtern um Frühförderung kämpfen müssen? Indem sie sich von den Krankenkassen Pflegestufen und Hilfsmittel wie Sprachcomputer erstreiten müssen? Indem sie von Ärzten auf oft monatelange Odyseen geschickt werden? Indem man sie warten läßt und durch die oft sehr späte Diagnose viel wertvolle Zeit verloren geht? Inklusion ist ein schönes großes Wort, was im Moment aber eher nach Illusion klingt. Heute haben wir keine Inklusion, aber das heißt nur, dass wir weiterhin darum kämpfen müssen. Aus diesem Grund gibt es The Art of Inclusion. In der Kunst ist es schon heute möglich Inklusion auf allen Ebenen zu erreichen und zu zeigen. Über 80 Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik haben zum Stift oder zum Pinsel gegriffen und das "halbe" Gesicht vervollständigt, welches ich Ihnen zugeschickt habe. Vom 2.4.-13.4.2012 sind 39 dieser tollen Kunstwerke im Neuen Rathaus in Leipzig zu sehen. Die Ausstellung findet unter der Schirmherrschaft von Leipzig OBM und AoI-Co-Zeichner Burkhard Jung statt. Ich freue mich, zum 5. Weltautismustag den 1. Geburtstag von The Art of Inclusion feiern zu können und freue mich auf ein interessantes Jahr im Sinne der Inklusion.
Inklusion - Illusion - barefaces Jimdo-Page!

2012-01-14

Wut und Weiblichkeit - Kölner Stadt-Anzeiger

Retrospektive

Wut und Weiblichkeit

Von Alexandra Wach, 14.01.12, 13:19h

Bunte Nanas gegen das winterliche Grau: Das Max Ernst Museum Brühl gewährt seltene Einblicke in das Frühwerk von Niki de Saint Phalle. Die Ausstellung „Spiel mit mir“ ist vom 15. Januar bis 3. Juni zu sehen.

Nana
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Niki de Saint Phalle, Nana Upside Down, 1969 (Bild: NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION)
BRÜHL - Der Kontrast könnte nicht größer sein. Draußen das winterliche Grau, drinnen ein glühendes Farbinferno. Anders hat man es auch nicht erwartet. Schließlich handelt es sich bei Niki de Saint Phalles Markenzeichen um die stets bunten Nanas, mit denen sie längst ein Massenpublikum erobert hat. Die Wirkung der üppigen Damen hält trotz der inzwischen fatalen Kommerzialisierung an. Sie ziehen in den hinteren Räumen die Blicke sogleich auf sich. Und das, obwohl ihnen in der fünf Jahrzehnte umfassenden Retrospektive im Brühler Max Ernst Museum nur eine Nebenrolle zugedacht ist. (...)
Kaum zu glauben, dass diese süßsauren Etüden die Frucht eines Nervenzusammenbruchs sind. Mit 23 Jahren gerät Catherine Marie-Agnès Comtesse Fal de Saint Phalle in die Fänge der Psychiatrie. Da hatte sie bereits ihre Modell-Karriere abgebrochen und war mit Ehemann und Tochter aus den USA zurück in ihre Heimat gezogen, wo sie als Kind nicht nur unter dem streng reglementierten Leben eines adligen Sprösslings litt. Das Trauma des Missbrauchs durch den eigenen Vater und die Erziehung in einem katholischen Internat holen sie in Paris wieder ein. Wenn schon nicht die Elektroschocks, so gibt ihr die Maltherapie immerhin den Anstoß, ihren Weg in der Kunst zu suchen. (...)
Wut und Weiblichkeit - Kölner Stadt-Anzeiger

2012-01-12

Vom Rundfunksprecher zum weltweit gefeierten Bassbariton

Vom Rundfunksprecher zum weltweit gefeierten Bassbariton

11.01.2012 - 15:16 Uhr
Thomas Quasthoff beendet Karriere aus gesundheitlichen Gründen
Essen (dapd). Thomas Quasthoff ist sicher jemand, den man Kämpfer nennen kann. Die große Karriere des deutschen Bassbaritons, der mit einer Contergan-Schädigung geboren wurde, lief auch über Umwege. Heute gilt der 52-Jährige international als einer der renommiertesten Lied- und Konzertsänger, doch dem Glanz der großen Bühnen voraus gingen ganz unglamourös ein Jura-Studium und ein Radiosprecher-Job. Am Mittwoch nun beendete Quasthoff aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere, wie die Philharmonie Essen mitteilte.

Vom Rundfunksprecher zum weltweit gefeierten Bassbariton

2011-12-30

Kunsttherapie Wehnen: Werke aus Psychiatrie fürs Ministerium - NWZonline.de

WEHNEN, 28. Dezember 2011


Wehnen: Kunstwerke aus Psychiatrie fürs Ministerium

Kunsttherapie Atelier der Karl-Jaspers-Klinik bereitet Ausstellung in Landeshauptstadt Hannover vor


Bild
Bereiten die Malereien der KJK-Patienten für den Transport zur Ausstellung in Hannover vor: die Kunsttherapeuten Thomas Hark (links) und Frank Hinrichs BILD: Sebastian Kelm Bild vergr��ern
Sozialministerin Aygül Özkan fand Gefallen an den Bildern. 50 Zeichnungen und Malereien von Patienten werden bis Sommer gezeigt.

von Sebastian Kelm

Wehnen - „Wir haben schon den ein oder anderen van Gogh dabei“, findet Frank Hinrichs. Das Lob des Kunsttherapeuten für die Teilnehmer des Ateliers für freies Malen und Gestalten der Karl-Jaspers-Klinik (KJK) in Wehnen mag ein wenig überzogen erscheinen, passend ist der Vergleich mit dem niederländischen Maler-Genie dennoch. „Vincent van Gogh hat seine letzten Jahre auch in einer Psychiatrie verbracht, und ohne seinen Aufenthalt dort wären einige seiner bedeutendsten Werke wohl nie entstanden“, weiß er. Und auch wenn die Patienten nicht ganz an den großen Meister heranreichen würden, großes Talent hätten viele. „Wir sind immer wieder erstaunt.“ (...)

Wichtig sei es, fügt Hark hinzu, bei den Patienten nach Stärken zu suchen, nicht nach Problemen. „Niemand lässt sich gern das Röntgenbild des eigenen gebrochenen Beines vor Augen führen“, sagt er. Zwar wolle man erreichen, dass innere Bilder nach außen gebracht werden, diese müssten aber nicht zwangsläufig negative sein.

„Die gesunden Teile der Psyche sollen angesprochen werden. Die Leute müssen einmal für wenige Stunden den Kopf frei bekommen von schlechten Gedanken“, führt Hinrichs dazu aus. Nur auf diese Weise kämen dann so erstaunliche Ergebnisse zustande, wie sie schon Ministerin Özkan beeindruckt haben.
Kunsttherapie Wehnen: Werke aus Psychiatrie fürs Ministerium - NWZonline.de

2011-12-10

Ich bin mittendrin -- kobinet

09.12.2011 - 07:09

Ich bin mittendrin.

Mainz (kobinet) Alexandra Thielmann hat den 1. Platz beim Bilderwettbewerb zur Inklusion des Mainzer Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) mit ihrem Bild "Ich bin mittendrin" gewonnen. Gestern wurden die Bilder vorgestellt und die Preise verliehen. Die Ausstellung der Bilder, die für den Wettbewerb eingereicht wurden, können noch bis Ende Februar im ZsL, Rheinstraße 43-45 in Mainz besichtigt werden.

"Ich habe es wirklich geschafft mittendrin in der Gesellschaft zu leben", erklärte Alexandra Thielmann bei der Vorstellung des Bildes, "und dafür danke ich dem ZsL für die vielen Hilfen sehr." Dass das nicht immer so war, macht das Bild von Alexandra Thielmann auch deutlich, denn dort wird auch beschrieben, was sie nicht möchte. Mit dem Bilderwettbewerb zur Inklusion hat das ZsL Mainz behinderte und nichtbehinderte Künstlerinnen und Künstler aufgefordert, sich Gedanken zum Thema Inklusion zu machen und diese in Bilder zu fassen. "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", machte der Landesbehindertenbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Ottmar Miles-Paul in seiner Rede deutlich. "Deshalb ist der Bilderwettbewerb auch eine solch gute Idee."

Ich bin mittendrin -- kobinet

2011-11-22

Im Weltraum gibt es keine Gefühle - film-dienst - Kritiken

Im Weltraum gibt es keine Gefühle
Wenn schon „Krüppel im Film“, dann „Superkrüppel“! Solche wie etwa der blinde Anwalt in der Comic-Adaption „Daredevil“ (fd 35 858): Der tritt trotz seiner Blindheit und dank außergewöhnlicher Kräfte als mutiger Rächer auf. Auch der von Dustin Hoffman gespielte Autist aus „Rain Man“ (fd 27 420) ist zwar in Alltagsdingen vollkommen hilflos, erweist sich aber als verblüffender Gedächtniskünstler. Mit seinem Begriff des „Supercrip“ hat der englische Kulturkritiker Paul Darke darauf hingewiesen, dass Behinderte in den Medien meist mit exorbitanten Fähigkeiten punkten müssen, um der Aufmerksamkeit des Zuschauers würdig zu sein: Steht deine Leinwandtauglichkeit in Frage, brauchst du eine Geheimwaffe, ein Alleinstellungsmerkmal – sonst wirst du aussortiert. Andreas Öhmans Coming-of-Age-Film ist die wohltuende Ausnahme von der weithin immer noch vorherrschenden „Supercrip“-Regel. Sein Protagonist Simon leidet am Asperger-Syndrom, einer leichten Form von Autismus. Ein hübscher Junge, etwas über 20, intelligent, aber kein Überflieger in irgendeiner Kategorie, in der andere Normalwerte erreichen.
film-dienst - Kritiken


Bildhauerin bis zum Wahnsinn: Camille Claudel

Das tragisches Schicksal der französischen Bildhauerin und Schülerin Rodins in szenischer Lesung beim Kunstverein Gundelfingen.
  1. Schauspielerin Lore Seichter-Muráth Foto: Andrea Steinhart 


GUNDELFINGEN. "Klappern der Hufeisen auf Kopfsteinpflaster. Pferde wiehern. Räder quietschen. Der Kutscher spuckt und flucht und lässt die Peitsche knallen"– Mehr Szene als Lesung heißt das Motto von Lore Seichter-Muráth, die bei der szenischen Lesung am Sonntagabend im Gundelfinger Rathausfoyer gekonnt in die Rolle der Camille Claudel schlüpfte.

"Das Ziel des kastenförmigen Einspänners ist die Irrenanstalt in Ville-Evrard. Dort lebte Camille Claudel 30 Jahre in Einsamkeit, bis sie starb und in einem Massengrab verscharrt wurde." Fast glaubte man, das gerade Gehörte real zu erleben. Wie kaum eine andere versteht es die Schauspielerin Seichter-Muráth, geschriebene Szenen lebendig werden zu lassen.

Auf Einladung des Kunstvereins Gundelfingen kam die in Berlin lebende Schauspielerin nun bereits zum zweiten Mal, um dieses Mal von den tragischen Verhältnissen der Bildhauerin Camille Claudel, die von 1864 bis 1943 lebte, zu erzählen. Mit ihren selbstverfassten Texten, ihrer Stimme und Mimik schaffte sie es, das Leben der französischen Bildhauerin derart lebendig werden zu lassen, dass die Zuhörer mitfühlten und mitlitten.

"Erst ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod wurde die Bildhauerin Camille Claudel als das entdeckt, was sie war : eine herausragende Künstlerin."
www.badische-zeitung.de

2011-10-20

Was seht ihr Schwestern .......

Autor: Leider Unbekannt

Was seht ihr Schwestern .......

Was seht ihr Schwestern, was seht ihr? Denkt ihr, wenn ihr mich anschaut: Eine mürrische, alte Frau, nicht besonders schnell, verunsichert in ihren Gewohnheiten, mit abwesendem Blick, die ständig beim Essen kleckert, die nicht antwortet wenn ihr mit ihr meckert, weil sie wieder nicht pünktlich fertig wird. Die nicht so aussieht als würde sie merken, was ihr mit ihr macht. Die willenlos alles mit sich machen läßt: „ Füttern, waschen und alles was dazu gehört“.
Denkt Ihr denn so von mit, Schwestern, wenn Ihr mich seht, sagt?
Öffnet die Augen, Schwestern, schaut mich genauer an! Ich will Euch erzählen, wer ich bin, die hier so still sitzt, die macht, was ihr möchtet und ißt und trinkt, wann es Euch paßt! (...)
Dieses Gedicht wurde von einer Sozialstation bei einer Verstorbenen Patientin gefunden.
Was seht ihr Schwestern .......

2011-10-12

Ausstellung: Kunst trifft auf Demenz - Linden Dahlhausen - DerWesten

Ausstellung Kunst trifft auf Demenz

Linden Dahlhausen, 12.10.2011, Eberhard Franken
Dieses Bild der Rialto-Brücke malte Carolus Horn ein paar Jahre vor seinem Tod im Jahr 1988.
Dieses Bild der Rialto-Brücke malte Carolus Horn ein paar Jahre vor seinem Tod im Jahr 1988.
Linden. Die Augusta-Klinik in Linden zeigt eine bemerkenswerte Ausstellung des Künstlers Carolus Horn, der an Alzheimer litt und bis zu seinem Tod stets dasselbe Motiv malte: die Rialto-Brücke in Venedig.
„Gesunder Körper – Gesunder Geist“ lautet das Motto des fünften Geriatrischen Gesundheitstages in der Augusta Klinik in Linden. Am Samstag, 15. Oktober, 10 bis 16 Uhr, zeigen die Mediziner der Geriatrischen Klinik auf, wie man sich bereits jetzt auf ein möglichst gesundes und aktives Alter vorbereiten kann. Und sie präsentieren eine äußerst sehenswerte Ausstellung von Carolus Horn: Kunst trifft auf Demenz – und die Bilder des Künstlers zeigen präzise auf, was diese tückische Krankheit mit den Menschen macht.

Ausstellung: Kunst trifft auf Demenz - Linden Dahlhausen - DerWesten

2011-09-21

Landeswohlfahrtsverband Hessen - Neue kreative Impulse durch Persönliches Budget

Neue kreative Impulse durch Persönliches Budget

Sprudelnde Kreativität: Der Künstler Selbermann arbeit im Atelier Goldstein  Foto: Rolf K. Wegst
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Das Atelier Goldstein ist eine freie und sehr erfolgreiche Künstlergruppe aus Frankfurt am Main. Trotzdem war es bislang nicht selbstverständlich, dass die Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung mehr als ein paar Stunden nach Feierabend im Atelier verbringen konnten.
Seit wenigen Monaten ist das anders: Durch ein Persönliches Budget für jeden Einzelnen der Gruppe bestimmen sie nun weitgehend selbst, wie viel Zeit sie in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und wie viel Zeit sie im Atelier verbringen wollen. Die Künstler kaufen sich ihre Unterstützungsleistungen frei ein. Der LWV Hessen und Atelierleiterin Christiane Cuticchio haben das Konzept gemeinsam entwickelt.

„Die Veränderung ist beeindruckend“, sagt Christiane Cuticchio. „Die Künstlerinnen und Künstler sind sehr viel selbstbewusster geworden. Das wirkt sich auch positiv auf ihre Arbeit aus.“
Landeswohlfahrtsverband Hessen - Neue kreative Impulse durch Persönliches Budget

2011-09-04

unser Lübeck - Kultur-Magazin - Art Brut – „Kunst jenseits der Kunst“

Art Brut – „Kunst jenseits der Kunst“ Melde Dich an, um diesen Artikel auf deinem Merkzettel zu speichern. Artikel drucken Artikel als E-Mail versenden
Von Silke Rehbein
Sonntag, 4. September 2011


August Natterer: Hexenkopf
„…Wir sind der Ansicht, dass die Wirkung der Kunst in allen Fällen die gleiche ist und dass es ebenso wenig eine Kunst der Geisteskranken gibt wie eine Kunst der Magenkranken oder der Kniekranken…“ (aus einem Manifest Jean Dubuffets)

Der Begriff „Art Brut“ (französisch für rohe, edelherbe, unverbildete Kunst) geht auf den Künstler, Entdecker, Sammler und Kunsttheoretiker Jean Dubuffet zurück. Er gründete 1947 mit Künstlerkollegen wie z. B. dem Surrealisten André Breton die Compagnie de l`Art Brut und stellte die Sammlung Collection de l`Art Brut zusammen. 1949 wurden 200 Werke von 63 Art-Brut-Künstlern unter dem Titel „Vorzüge gegenüber der kulturellen Kunst“ präsentiert. Weltberühmt ist die Prinzhorn-Sammlung in Heidelberg, eine Zusammenstellung von Werken psychisch Kranker durch den Psychiater Hans Prinzhorn, die im Dritten Reich von den Nazis missbraucht wurden, um in der Naziausstellung "Entartete Kunst" psychisch Kranke und KünstlerInnen zu diffamieren.

Die Auseinandersetzung mit der Kunstform „Art Brut“ ist immer auch eine Auseinandersetzung mit unserer Geschichte und mit den vielen Definitionen, mit denen versucht wird, die autodidaktische Kunst von Laien, Kindern und Menschen mit geistigen und seelischen Behinderungen jenseits etablierter kultureller akademischer Kunst zu erfassen. So wie die Nazis diese Kunst als „Schmierereien von Irren“ hingestellt und behinderte KünstlerInnen in Konzentrationslagern ermordet haben, so ging nach dem Zweiten Weltkrieg die Bedeutung der „Art Brut“ in sein nächstes Extrem. Die Werke der Kranken wurden als „Ausflüge in die seelische Unterwelt“ bestaunt, seelisch Behinderte wurden wie exotische Wesen vorgeführt und die Werke als „bizarre Psychokunst“ abgefeiert.


Paul Salvator Goldengruen: Die Urgottheit
Im 21. Jahrhundert wird bei der unüberschaubaren Vielfalt von Kunstrichtungen und im Rahmen von Inklusionsbestrebungen völlig anders mit dem umgegangen, was behinderte KünstlerInnen an Werken erschaffen. Viele Künstler – ob „offiziell“ krank oder nicht – verarbeiten seelische Einschnitte in der eigenen Biographie im künstlerischen Prozess - was auch den tieferen Sinn von Ergotherapien ausmacht. Man wird heute keinem Kunstwerk mehr „ansehen“, dass es von einem psychisch kranken Menschen stammt, wenn es nicht explizit betont wird. Kunst im psychiatrischen Kontext – die der Psychiater Leo Navratil in seinen Art-Brut-Theorien als „Brücke zwischen Normalität und Psychose“ bezeichnet hat – wird immer mehr zum Mittel der Inklusion.

unser Lübeck - Kultur-Magazin - Art Brut – „Kunst jenseits der Kunst“

2011-08-10

Behinderte Frau als Modell für die „Krönung Mariens“ - Schwabach - nordbayern.de

Behinderte Frau als Modell für die „Krönung Mariens“

Andrea Halder leidet unter dem Down-Syndrom — Ihre Mutter kämpft für Integration — Ortung-Werk von Doris Baum - 10.08. 08:31 Uhr

SCHWABACH - Der menschliche Aspekt in den christlichen Marienbildern fehlt ihr. Deshalb hat Doris Baum ihn für „Ortung“ verstärkt und herausgearbeitet. Die „Krönung Mariens“ hat sie ihr Bild in der Synagoge genannt, für das eine junge Frau mit Down-Syndrom Modell gestanden hat. Neben dem menschlichen Inhalt hat Doris Baum mit dieser Wahl zufällig und unabsichtlich auch eine politische Aussage getroffen.


Die Ortung-Station 12 in der Alten Synagoge (von links): Andrea Halder, Doris Baum und Cora Halder.
Die Ortung-Station 12 in der Alten Synagoge (von links): Andrea Halder, Doris Baum und Cora Halder.
Foto: Schmitt
Andrea Halder ist 26 Jahre alt und stammt aus Lauf. Mutter Cora Halder ist seit der Geburt ihrer Tochter hartnäckige Vorkämpferin einer besseren Integration von Menschen mit Behinderung. Insbesondere setzt sie sich seit über 20 Jahren dafür ein, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam in der Regelschule unterrichtet werden.

Bei ihrer eigenen Tochter hat das funktioniert. Andrea Halder absolvierte die Montessori-Schule und arbeitet heute bei einer Werbeagentur in Erlangen.

Integrative Schule

Nach langjährigen Enttäuschungen und vergeblichem Anrennen hat Cora Halder aber auch darüber hinaus kürzlich den Erfolg ihres Einsatzes erlebt: Der Bayerische Landtag hat im Frühjahr 2011 einstimmig ein Gesetz beschlossen, das die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung zum Regelfall macht. Zuvor war die Bundesrepublik Deutschland einer UN-Konvention beigetreten, die eine Änderung der nationalen Politik in diese Richtung vorgegeben hat. Bayern ist hier Schlusslicht unter den Bundesländern. Cora Halder hat zu Beginn der 1990er-Jahre den bayernweiten Verein „Menschen mit Down-Syndrom und ihr Freunde“ gegründet, dem auch Mütter mit Down-Syndrom-Kindern aus Schwabach und dem Landkreis Roth angehören. Er unterstützt Familien, ist Träger eines eigenen Informationszentrums und gibt eine landesweite Fachzeitschrift heraus.

Doris Baum stellt drei Bilder in der Synagoge aus, die eine Botschaft verbindet. Sie stellen Menschen dar, die nicht den ihnen gebührenden Platz in der Gesellschaft einnehmen können.
Behinderte Frau als Modell für die „Krönung Mariens“ - Schwabach - nordbayern.de

2011-07-30

Kunstprojekt "Atelier Goldstein": Haus der bezaubernden Talente - Kultur | STERN.DE

Haus der bezaubernden Talente

Sie malen Kreise, bauen Flugzeuge aus Pappe oder konstruieren irrwitzige Hochhaus-Modelle - die Künstler im Frankfurter "Atelier Goldstein" sind gefragt, ihre Arbeiten in renommierten Galerien und Museen zu sehen. Eines haben sie, bei aller Unterschiedlichkeit, gemein: Sie sind geistig behindert. Von Almut F. Kasper
Zoom

Herausragende künstlerische Talente arbeiten im Atelier Goldstein - so auch Birgit Ziegert. Ihre Werke haben eine unmissverständliche Formensprache© Plamen Bontchev/ Coleman+Schmitt/ Jovis Verlag
Lang und öde zieht sich die stark befahrene Hanauer Landstraße in Frankfurt/Main über sieben Kilometer in Richtung Offenbach. Wo die Ostendstraße einmündet, steht, zwischen Autocentern, Möbelhäusern und Outlet-Stores, ein trister grauer Büroblock aus den achtziger Jahren. Hinter dessen Mauern versteckt sich für 15 außergewöhnliche Menschen das Paradies.
Im ersten Geschoss des ehemaligen "Baumann-Hauses" passiert Unglaubliches. Hier entsteht Kunst, und zwar eine ganz besondere: 15 geistig behinderte Maler, Zeichner und Plastiker arbeiten im "Atelier Goldstein", Männer und Frauen mit Down-Syndrom, Autismus oder anderen Störungen. Doch das ist völlig uninteressant, nebensächlich. Wirklich interessant ist nur die Tatsache, dass die hier schaffenden Menschen alle etwas gemeinsam haben: herausragende künstlerische Talente. So absurde Schubkasten-Begriffe wie "Behinderten-Kunst" oder "Outsider Art" sind hier - noch mehr als anderswo - völlig deplatziert und unangebracht. Im "Atelier Goldstein" geht es nur um eines: um qualitativ hochwertige Kunst. Wer kein Talent hat, hat hier nichts zu suchen.
Dafür sorgt Christiane Cuticchio. Sie hat langjährige Erfahrung und nutzt ihren "Kennerblick", um versteckte Begabungen zu entdecken. Die ehemalige Bühnenbildnerin ist Initiatorin und künstlerische Leiterin des "Atelier Goldstein". Ihr und ihrem Team ist es zu verdanken, dass Menschen, die sonst gesellschaftlich am Rande stehen, einen Ort gefunden haben, an dem sie die Chance erhalten, ihr gesamtes künstlerisches Potenzial zu entfalten. Deren Bilder und Objekte werden immer wieder mit großem Erfolg in der Öffentlichkeit gezeigt. Nicht auf Weihnachtsmärkten oder Stadtteilfesten, sondern in renommierten Galerien und Museen. Die Kunstszene ist längst hellhörig geworden. Inzwischen reißen sich Sammler um die Werke, die hier entstehen.
Viermal in der Woche, immer gegen 13 Uhr, macht sich der hauseigene Zivildienstleistende auf den Weg und holt die Männer und Frauen aus ihren sozialen Einrichtungen ab, in denen sie leben und leichter Arbeit nachgehen müssen. Bringt sie in den ersten Stock des Hauses Hanauer Landstraße 220, wo sie auf 250 Quadratmetern eine Oase der Schaffenskraft gefunden haben.

Es riecht nach Farbe, Klebstoff und Schweiß

Ein langer Büroflur, von dem rechts und links die Ateliers der Künstler abgehen. Überall liegt und steht Material herum, Farbtöpfe, Pinsel. Schnell griffbereit, wenn etwas dringend gebraucht wird. Fertige Leinwände sind an die Wand gelehnt. Es riecht nach Farbe, Klebstoff und Schweiß. In den schlichten Büroräumen hat jeder Künstler seinen Arbeitsplatz. Lange Tische, bequeme Stühle. Es herrscht eine lebendige Atmosphäre, in der es vor Energie nur so sprüht. Aus dem einen Zimmer dröhnt Costa Cordalis, aus dem anderen plärrt Scooter. Zwischendurch raschelt und knistert es, wenn Material bearbeitet wird. In anderen Räumen wird gemurmelt, gebrummelt oder einfach nur konzentriert geschwiegen.
Das Buch
Das Buch "Atelier Goldstein Künstler", herausgegeben von Gabi Schirrmacher und Christian Sälzer. Deutsch/englisch, 240 Seiten mit 450 farbigen und 20 Schwarz-weiß-Abbildungen, Format: 21,5 x 27 cm, 35 Euro. Jovis Verlag, Berlin.
Die Idee wurde schon vor Jahren geboren. Als der Künstler und bekannte Ausstellungsmacher Harald Szeemann 1972 zur "documenta 5" die Psychiatriezelle des "geisteskranken" Malers Adolf Wölfli nachbauen ließ, waren viele junge Künstler wie elektrisiert. Und setzten sich mit der Begrifflichkeit und Einordnung der Kunst behinderter Menschen auseinander. Auch die Gründer des "Atelier Goldstein" - allen voran Christiane Cuticchio. Das Ergebnis ihrer Überlegungen war ernüchternd. Die Unfähigkeit der Öffentlichkeit, mit solchem "Anderssein" umzugehen, war - und ist immer noch - erschreckend. Man wollte Abhilfe schaffen und ausgewählten Künstlern mit ihren naturgegebenen Defiziten Unterstützung und Hilfe bieten. 2001 war es endlich soweit.

"Hier kann nicht mehr einfach von Behinderung gesprochen werden"

Nach vielen mühsamen Gesprächen war es gelungen, den Geschäftsführer der Frankfurter Lebenshilfe e. V., Günter Bausewein, von der einmaligen Idee zu überzeugen, sich finanziell am "Atelier Goldstein" zu beteiligen. "Das, was im Atelier Goldstein als Kunstprojekt begann, ist durch die Beobachtung der Arbeitsweisen der Künstler zu einer Infragestellung des Begriffs Behinderung geworden", sagt Christiane Cuticchio. "Mit guten Gewissen kann hier nicht mehr einfach von Behinderung gesprochen werden."

Wer lernt hier von wem?

Das "Atelier Goldstein" ist definitiv keine therapeutische Einrichtung, in der Menschen mit Behinderung "beschäftigt" werden. Wer das glaubt, hat nichts verstanden.

Kunstprojekt "Atelier Goldstein": Haus der bezaubernden Talente - Kultur | STERN.DE

2011-07-25

Zur Situation von Künstlern und Künstlerinnen mit Behinderungen in Deutschland

Der Künstler mit Handicap – das unbekannte und unsichtbare Wesen

Unseren bisherigen Erfahrungsschatz der letzten fünf Jahre betrachten wir als ein großes Geschenk, das auch unseren Horizont ständig erweiterte, immer wieder neue Perspektiven eröffnete, Strukturen und Probleme näherbrachte, Notwendigkeiten zeigte und auch Demut und Dankbarkeit lehrte. Wer sich nicht allein für das Produkt „Kunst“ interessiert, sondern auch für die Verbesserung der Rahmenbedingungen wie Chancengerechtigkeit und Teilhabe von Künstlern mit Handicaps, kommt nicht umhin, sich politisch zu agieren.

Deshalb haben wir vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen, unserem Wissen und in Zusammenarbeit mit unseren Künstlern eine Stellungnahme zur Situation von Künstlern und Künstlerinnen mit Behinderung in Deutschland abgegeben, damit diese Anregungen und Forderungen in den Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen einfließen.
 
„Die Haltung muss sein: Wir als Gesellschaft sagen, es ist selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung mittendrin und gemeinsam in der Gesellschaft sind“, sagte Bundessozialministerin Ursula von der Leyen heute im ZDF-Morgenmagazin. Es solle keine Barrieren mehr geben, keine Sonderprogramme oder Sondereinrichtungen, stattdessen solle der Alltag selbstverständlich gestaltet werden.

Doch das erfordert eine Erfassung der individuellen Bedürfnisse, genaue Kenntnisse der Lebensrealität, der Barrieren und Benachteiligungen und die Konkretisierung des Vorgehens.

Stellungnahme der Online-Galerie für Insider Art:

Inklusion, Zugänglichkeit und Unabhängigkeit dürfen keine neuen Begrifflichkeiten und Worthülsen bleiben, die nicht dem bundesdeutschen Alltag für Menschen mit Behinderungen entsprechen, sondern müssen eingefordert und umgesetzt werden.

Die Bundesregierung steht seit dem 26. März 2009 in der Pflicht, die UN-Behindertenrechts-konvention mit dem Nationalen Aktionsplan umfassend und für alle Lebensbereiche behinderter Menschen umzusetzen.

Der Künstler mit Handicap – das unbekannte und unsichtbare Wesen

Konkrete Kenntnisse von der prekären Situation und Ungleichbehandlung von Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderung im Land sind kaum bekannt und werden in keinen Studien bisher erhoben bzw. einbezogen.

Der Weg zu einer unabhängigen Berufsausübung als Künstlerin und Künstler ist weder inklusiv, Barrieren nach wie vor vorhanden und größtenteils unüberwindbar, besonders hinsichtlich der Möglichkeiten einer beruflichen (Teil)Selbstständigkeit als Künstler.
Selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung

Da keine finanziellen Mittel eingeplant sind, sollten zumindest die vorhandenen entsprechend angepasst werden. Beispielsweise, dass die Grundsicherung oder EU-Rente ohne Statusverlust fünf Jahre als Stipendium deklariert werden kann und eine realistische Chance für einen Markteintritt unter den erschwerten Bedingungen eines Künstlers mit Handicaps ermöglicht und einen realistischen Weg in die Unabhängigkeit einer Vollselbstständigkeit aufzeigt. Einige Künstler könnten sich so langfristig aus der Abhängigkeit der Sozialkassen lösen. Das muss menschlich und politisch gewollt sein.

In dem Programm „Initiative Inklusion“ (100 Mio. Euro) zur Eingliederung in ein Erwerbsleben bzw. zur Teilhabe am Leben der Gemeinschaft, sollten für Künstlerinnen und Künstler mit Behinderungen Stipendien ermöglicht werden.

Es geht letztendlich nicht nur um die Arbeitsleistung und Selbstverwirklichung des Künstlers, sondern auch um seine künstlerischen Beiträge für die Gesellschaft und dass dieser diese wichtigen Beiträge von Menschen mit einer anderen Perspektive auf unsere Welt nicht vorenthalten werden. (BRK 30/2)
Persönliche Entwicklung ist ein Grundrecht

Persönliche Entwicklung ist ein Grundrecht und muss vor allem bei behinderten Menschen bedarfsgerecht und vermögensunabhängig unterstützt werden. Die Wünsche der Leistungsberechtigten werden nicht einbezogen oder in Endlosschleifen immer an angeblich andere zuständige Stellen verwiesen und weitergeschickt. Meistens scheitert es an den eigenen finanziellen Mitteln, der Mobilität oder anderen behinderungsspezifischen Einschränkungen wie Mangel an Sprach-, Formulierungs- und Verständnisfähigkeiten, dass die Wege nicht weiterverfolgt werden/können. Die Probleme sind deshalb aber nicht gelöst.

Gerade bei Künstlern werden beispielsweise Präsentationsmappen, eigene Kataloge, Vorstellungsreisen, Texte, aber auch Kommunikationsmittel wie Telefon, Computer mit entsprechenden Softwareprogrammen und Internet als selbstverständlich vorausgesetzt. Ohne finanzielle Mittel scheitert Teilhabe schon an den ersten Hürden.
Trügerische Stille

Im Öffentlichen Bewusstsein wächst die Vorstellung, die Situation sei zufriedenstellend und es gäbe keinen Bedarf. Währenddessen haben behinderte „Einzelkämpfer“ nur den Mut und die Kraft verloren, überall in einer Bettlerhaltung vorzusprechen. So empfinden sie es zumindest auf Grund der häufigen Zurückweisung und ihrer extrem angespannten wirtschaftlichen Situation, die sie in die Unbeweglichkeit zwingt.

Schnittstellenprobleme sind an der Tagesordnung: wie Zuständigkeitsverweise, Verzögerung bei Zugang oder Einstellungen von Leistungen (wie im Falle vom Aufbau einer Selbstständigkeit), bei der Gewährleistung und Sicherstellung von Assistenzleistungen oder der Mobilitätsförderung. Aber auch permanente Verletzung ihrer Würde und Privatsphäre müssen Menschen mit Behinderung bei der Befragung zur Lebenssituation erfahren (z.B. wann welche Entleerungen wie lange stattfinden), der sie sich nicht trauen zu entziehen und sich aus Scham und Peinlichkeit nicht wehren und diese Praktiken öffentlich machen.
Direkt und indirekte Diskriminierung

Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz sollen Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben und im Zivilleben vor Ungleichbehandlung geschützt werden.

Bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die Menschen vor der Benachteiligung auf Grund einer Behinderung schützen soll, werden Künstler abgewiesen wegen Nichtzuständigkeit und lediglich an den Rententräger verwiesen, der aber sich auch nicht für solche Benachteiligungsfragen einsetzt oder engagiert, sondern wiederum sich „mit Bedauern“ auf die Gesetzeslage zur Versorgung beruft. Ähnlich äußert sich auch der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung.

Um Barrierefreiheit im öffentlichen Raum konsequent umzusetzen und zu realisieren, sollte in den nächsten fünf bis maximal zehn Jahren Barrierefreiheit Pflicht für alle stattlichen Museen sein, damit diese Orte inklusiv sind und kulturelle Teilhabe für jeden Menschen mit Behinderung möglich ist. Das heißt zum Beispiel in der Konsequenz: keine Förderung von nicht barrierefreien Museen und Ausstellungsorten, nachweisliche Einbeziehung von behinderten Künstlern wie bei Ankäufen, Projekten und Ausstellungsvorhaben.
Sport- und Kulturförderung

Der Sport von Menschen mit Behinderungen wird erfreulicherweise stark gefördert, aber nicht die Kultur, die ihre behinderungsspezifischen Nachteile berücksichtigt und ausgleicht, wie beispielsweise höhere Aufwendungen und erschwerte Beteiligungsbedingungen. Siehe Paragraph 3.9.3. im Nationalen Aktionsplan, in dem die aktive künstlerische Teilhabe und Mitwirkung von Kunstschaffenden mit Behinderungen nicht einmal erwähnt werden!

Die gesetzlichen Grundlagen reichen nicht aus für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, vor allem derer, die besondere Talente und Begabungen haben. Sie sind Leuchttürme und Hoffnungsträger für andere Menschen mit Behinderungen, nicht ausschließlich über Beeinträchtigungen, Einschränkungen und Defizite wahrgenommen zu werden.

Deshalb muss die Förderung und Unterstützung der Künstler mit Behinderungen ein besonderes Anliegen und eine Pflicht sein, um diese Leistungen und Begabungen sichtbar zu machen und ins öffentliche Leben einzubeziehen.

Berlin, Juni 2011

Zur Situation von Künstlern und Künstlerinnen mit Behinderungen in Deutschland

2011-04-12

Kunst kennt keine Behinderung

Kunst kennt keine Behinderung

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Holroyd
Tauberbischofsheim. Bunt ist es geworden im Hotel St. Michael. Weiße Wände waren gestern. Jetzt regiert Farbe. Zum dritten Geburtstag hatte das Haus einen Wunsch: Bilder. Genau genommen 49. Der Wunsch wurde zur Auftragsarbeit, ausgeführt von 15 Mitgliedern der Malgruppe "Kunterbunt" der Caritas-Werkstätte Alois Eckert in Gerlachsheim.
"Kunst kennt keine Behinderung - Farben für die Seele" heißt die sehenswerte Dauer-Ausstellung, die am Sonntag im Hotel St. Michael eröffnet wurde. "Eine Behinderung hat keinen Einfluss auf das, was ein Mensch leistet", sagte der Geschäftsführer des Caritasverbandes im Tauberkreis, Eberhard Gröh, und weiter: "Es geht nicht um Defizite, sondern um Talente". Behinderte Menschen, so stellte er klar, "wollen keine Almosen, sie wollen Bestätigung". Die Werkstätte sei heute keine Endstation mehr.

Kunst kennt keine Behinderung
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