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2014-02-27

Interessen der helfenden Berufe ins Visier genommen - Klaus Dörner im Gespräch (SB): Irren ist menschlich - Kritikbewegt, reformbeflügelt, konstruktiv... SCHATTENBLICK - INTERVIEW/006


INTERVIEW/006: Irren ist menschlich - Kritikbewegt, reformbeflügelt, konstruktiv... Klaus Dörner im Gespräch (SB)



Interessen der helfenden Berufe ins Visier genommen


Interview am 16. Januar 2014 in Hamburg-Eppendorf (Teil 2)


Nachdem im ersten Teil des Interviews mit Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner
wesentliche Stationen seiner Lebensgeschichte zwischen den späten
1960er Jahren und seiner Tätigkeit in Gütersloh zur Sprache kamen, ist
nun im zweiten Teil insbesondere die Psychiatriekritik Gegenstand der
Erörterung.


Portrait im Gespräch - Foto: © 2013 by Schattenblick
Klaus Dörner nimmt kein Blatt vor den Mund

Foto: © 2013 by Schattenblick



Schattenblick: Sie haben berufsständische Interessen genannt, den
eigenen Broterwerb und die gesamte Zunft der in der Psychiatrie
versammelten professionellen Akteure zu sichern. Sehen Sie darüber
hinaus andere gesellschaftliche Interessen, die Psychiatrie in ihrer
herkömmlichen Form aufrechtzuerhalten, etwa als Zwangsoption der
Ausgrenzung oder Drohpotential?

Klaus Dörner: Ich habe mich inzwischen darauf verschärft, daß es
einzig und allein die berufsständischen Interessen sind, die ja in der
Wirtschaft nicht ehrenrührig und dort völlig in Ordnung sind.
Unterwirft man jedoch die Sphäre des Helfens, in der der Markt nichts
zu suchen hat, gleichermaßen den Gesetzen der Güterproduktion, ist das
nicht hinzunehmen. Man muß meines Erachtens davon ausgehen, daß in
keinem Bereich der Gesellschaft die berufsständischen Interessen so
massiv und rücksichtslos über den eigentlichen Betriebszweck gestellt
werden wie im Bereich der helfenden Berufe.

Wie mir der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie,
Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), Frank Schneider, erzählt
hat, fragte er sich damals nach seinem Amtsantritt, was in aller Welt
man in dieser Funktion zu tun habe. Er hörte sich in den
Berufsverbänden der Internisten, Chirurgen, Gynäkologen um und kriegte
dabei mit, daß es gerade angesagt sei, eine Entschuldigungsrede für
die Verbrechen zu halten, in die man während der Nazizeit verwickelt
war. Nun hatte er sich aber noch nie mit der Geschichte der
Psychiatrie beschäftigt und mit der Nazizeit schon dreimal nicht. Also
las er sich eben ein kleines bißchen an und hielt dann im Jahr 2010
seine berühmt gewordene Entschuldigungsrede in Berlin. (...)

Seine Rede gipfelte in dem Satz: Man müsse sich sogar überlegen, ob
die Euthanasie, also die Ermordung der psychisch Kranken, mehr ein
Naziprogramm oder eher ein Psychiatrieprogramm gewesen sei. Als ich
das las, habe ich einen totalen Schrecken gekriegt: Das ist ja der
Gedanke, den ich seit Jahrzehnten mit mir herumschleppe, ohne mich je
getraut zu haben, ihn auszusprechen! (...)

Würde man es genau untersuchen, ließe sich wohl nachweisen, daß es keine Branche gibt, die so systematisch mit krimineller Energie ihr Geschäft betreibt wie die helfenden Berufe im allgemeinen und die Psychiater im besonderen. (...)

SCHATTENBLICK - INTERVIEW/006: Irren ist menschlich - Kritikbewegt, reformbeflügelt, konstruktiv... Klaus Dörner im Gespräch (SB)

“Psychiatrie ohne Zwang – Was ist das?”

Wolf-Dieter Narrs Panorama auf eine gewaltfreie Psychiatrie

2014-02-06

Euthanasieprofessor Werner Heyde: NS-Arzt jahrelang von Schweigekartell gedeckt - N24.de

Euthanasieprofessor Werner Heyde

NS-Arzt jahrelang von Schweigekartell gedeckt


Es ist einer der größten Skandale der Nachkriegszeit. Der NS-Arzt Werner
Heyde soll 100.000 Menschen getötet haben. Nach dem Krieg wurde er von
höchsten Kreisen gedeckt – und praktizierte weiter.
Euthanasieprofessor Werner Heyde: NS-Arzt jahrelang von Schweigekartell gedeckt - N24.de

2012-09-11

Braune Vorgeschichte - Der Contergan-Erfinder - SPIEGEL ONLINE

Braune Vorgeschichte  

Der Contergan-Erfinder



dpa














Spiel auf Zeit: Die Angeklagten Dr. Mückter (v.r.) und Dr. Sievers mit ihren Rechtsanwälten Schmitz, Waldowski und Damassiotis vor dem Hauptsitz der Grünenthal Chemie in Stolberg. Am 283. Verhandlungstag, am 18. Dezember 1970, wurde der Prozess ohne Urteil durch Gerichtsbeschluss beendet - wegen geringfügiger Schuld der Angeklagten und mangelnden öffentlichen Interesses.


Als Forschungsleiter der Firma Grünenthal Chemie entwickelte Dr. Heinrich Mückter das verhängnisvolle Medikament Contergan. Hinweise auf Missbildungen ignorierte er - ein Verhalten, dass er so ähnlich schon Jahre zuvor an den Tag gelegt hatte. Doch im größten Arzneimittelskandal der Nachkriegsgeschichte interessierte sich offenbar niemand für seine Vergangenheit. Von Armin D. Steuer
Braune Vorgeschichte - Der Contergan-Erfinder - SPIEGEL ONLINE


Heinrich Mückter


Heinrich Mückter (* 14. Juni 1914 in Körrenzig; † 1987) war ein deutscher Mediziner, Pharmakologe und Chemiker. Von der polnischen Justiz wurden ihm medizinische Experimente an KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern während der Zeit des Nationalsozialismus vorgeworfen. Einer Verhaftung entzog er sich durch Flucht in die westlichen Besatzungszonen.Öffentlich bekannt wurde er in seiner Funktion als wissenschaftlicher Direktor bei dem Stolberger Pharmaunternehmen Grünenthal, wo unter seiner Leitung das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan entwickelt wurde.
Heinrich Mückter – Wikipedia



The Nazis and Thalidomide: The Worst Drug Scandal of All Time - Newsweek and The Daily Beast

2011-11-15

Wiener Heimskandal: Ehemalige NS-Pädagogen machten nach 1945 in der Jugendwohlfahrt Karriere

Erziehungslagerdenken

  • Wiener Heimskandal: Ehemalige NS-Pädagogen machten nach 1945 in der Jugendwohlfahrt Karriere
In Wiener Heimen wurden Kinder mit Nazi-Methoden gequält. Ehemalige NS-Pädagogen machten auch nach 1945 in der Jugendwohlfahrt Karriere.
Von Christa Zöchling
Die Berichte ehemaliger Heimkinder gleichen sich so sehr, dass man von einem allgemein akzeptierten Ungeist in der Jugendwohlfahrt, selbst im Roten Wien, ausgehen muss: Lagermentalität, körperliche Gewalt, Kollektivstrafen, Kapo-System, Demütigungsrituale und sadistischer Sexualmissbrauch. Immer wieder hört der Zeithistoriker Reinhard Sieder, der im Auftrag der Stadt Wien das Geschehen in Wiener Erziehungsheimen wissenschaftlich dokumentiert, von Erziehern, die in militärischer Adjustierung und Kommandosprache die Kinder quälten, von Erzieherinnen, die sich barbarische Gemeinheiten einfielen ließen, von psychologischen Gutachtern, die sich der NS-Erbtheorie und der Sprache des so genannten Dritten Reichs bedienten. Nicht in allen Wiener Heimen gab es Anklänge an das NS-Regime, doch in den großen Anstalten für schwer Erziehbare oder "Verwahrloste“, wie es im Amtsjargon hieß, in denen ein Gutteil der Erzieher nur in einem Schnellkurs ausgebildet worden war, herrschte offenbar dieser Geist. Ehemalige Heiminsassen am Wilhelminenberg erinnern sich, dass man ihnen drohte, wenn sie nicht gehorchten, kämen sie auf den "Spiegelgrund“.
Das Erziehungsheim und die Euthanasiestation für behinderte und "asoziale“ Kinder "Am Spiegelgrund“, in der 772 Kinder ermordet wurden, war 1945 geschlossen worden. Doch der ehemalige Leiter der Jugendfürsorgeanstalt "Am Spiegelgrund“, Hans Krenek, setzte seine Karriere fort:
• Erziehungslagerdenken • Chronik • profil online
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