Medizin Dramatische Hygienemängel in Krankenhäusern
Susanne Kutter 11.07.2011
Zigtausende Deutsche sterben jedes Jahr, weil sie sich in Krankenhaus mit hochaggressiven Krankheitserregern angesteckt haben. Jetzt verschärft Deutschland sein Infektionsschutzgesetz, um zusammen mit neuen Medikamenten und Keim-Schnelltests die Plage zu stoppen. Kann das gelingen?
Bild vergrößern Hände waschen! Schlechte Handhygiene ist eine der Hauptursachen für Krankenhausinfekte LAIF/Stephan Wieland Lennart Wolters* war ein gesunder, sportlicher 14-Jähriger. Dann verletzte er sich vor drei Jahren beim Schulsport am rechten Knie, die Außenbänder waren gerissen. An sich keine große Sache, dachten die Eltern – und brachten den Jungen zu einem Orthopäden und dann ins örtliche Krankenhaus ihres Wohnorts Haan, einem 30.000-Einwohner-Städtchen bei Düsseldorf.
Doch Lennarts Geschichte endete tragisch: Mangelnde Hygiene im Krankenhaus hatte dazu geführt, dass er sechs Tage nach der Operation mit einem ballonartig angeschwollenen Knie aufwachte. Aggressive Keime waren in die Wunde eingedrungen und hatten zu einer Blutvergiftung, der gefürchteten Sepsis, geführt. Lennart schwebte zwischen Leben und Tod, wurde von Klinik zu Klinik verlegt. In Duisburg waren die Ärzte kurz davor, Lennarts Bein zu amputieren, um sein Leben zu retten. Erst nach 15 Folgeoperationen war das Knie wieder frei von tödlichen Erregern. Seither ist es aber steif, er wird es nie wieder beugen können.
Was Lennart in dem jahrzehntealten Ortskrankenhaus widerfahren ist, hätte ihm auch in nahezu jeder anderen deutschen Klinik passieren können. Überall entwickeln sich Krankenhäuser von einem Ort des Heilens zu einem Paradies für Keime. Die Situation ist so dramatisch, dass Hygieneforscher strikt von Klinikbesuchen abraten.
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