Wohnungssuche für psychisch Kranke oft problematisch - Experten wollen Runden Tisch
Vorurteile als größtes Hindernis
st Lüneburg. Die Strategie der Psychiater hat sich drastisch verändert: Die Kranken sollen nicht mehr wie früher Jahre und Jahrzehnte in Kliniken und Heimen verbringen, sondern in einer möglichst normalen Nachbarschaft leben. "Wenn der innere Halt verloren geht, ist der äußere Halt umso wichtiger", formuliert Dr. Sebastian Stierl einen Leitgedanken heutiger Behandlungsmethoden. Der Ärztliche Direktor der Psychiatrischen Klinik Lüneburg kennt aber den großen Haken: Auf dem Wohnungsmarkt stehen die Chancen seiner Patienten miserabel.
"Der Wohnraum ist ein zentrales Problem", sagt Stierl. Darüber waren sich auch die Experten bei der Fachtagung "Altwerden in der Psychiatrie" einig, die jetzt in der Psychiatrischen Klinik stattgefunden hat.
In Lüneburg verschärft der enge Markt die Situation: "Bei bezahlbarem Wohnraum sind die Studenten eine große Konkurrenz." Außerdem haben viele Patienten einen sozialen Abstieg erlebt. Schon zwei Kaltmieten Kaution zu überweisen, kann zur unüberwindbaren Hürde werden. Doch das größte Problem sind laut Stierl die Vorurteile: "Das Stigma ist da. Viele Experten bewerten das mittlerweile wie eine zweite Erkrankung."
Wenn die Kranken dann doch eine Wohnung finden, liegt diese oft in einem schwierigen sozialen Umfeld - für eine Besserung ist das eher kontraproduktiv. Gemeinsam mit dem Landkreis Lüneburg unternimmt die Psychiatrische Klinik Lüneburg deshalb jetzt etwas.
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Um dem Ziel der Inklusion von Menschen mit psychischen Erkrankungen näher zu kommen, denken die Partner darüber nach, einen Runden Tisch einzurichten. Neben der Klinik und dem Landkreis könnten daran Betroffene, Mietervereine und Vermieter teilnehmen. Bei der Lüneburger Wohnungsbaugesellschaft hat Stierl bereits die Bereitschaft erkundet: "Dabei geht es zuerst einmal darum, Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Und wir könnten gemeinsam darüber nachdenken, was der Wohnungssituation der Betroffenen förderlich sein könnte."
Eine ähnliche Initiative gibt es in Hamburg schon. Der große Nachbar geht sogar einen Schritt weiter: Ein Förderprogramm belohnt Bauherren mit Geld, wenn sie sich verpflichten, Wohnraum für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder seelischen Behinderungen zu schaffen. Im vergangenen Jahr standen dafür drei Millionen Euro zur Verfügung.
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