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2013-06-01

Erfahrungsbericht: Misshandlung in der Psychiatrie - Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE)


Rundbrief
Brief an Dieter Naber
Ausgabe 1/2013

Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.
Herr Prof. Dr. Dieter Naber
Universitäts Krankenhaus                                                                                                                         Ehrenvorsitzende
Eppendorf                                                                                                                                          Dorothea S. Buck-Zerchin
Martinistraße 52                                                                                                                                     Brummerskamp 4
20246 Hamburg                                                                                                                                      22457 Hamburg
                                                                                                                                                                       22.10.2012
Sehr geehrter Herr Professor Naber,
heute wende ich mich vertrauensvoll an Sie, weil mich die Zustände auf der geschlossenen Aufnahmestation unter Herrn Prof. Wiedemann schon lange beunruhigen. Dass dort sehr hoch zwangsmedikamentiert wird, ist bekannt. Im letzten und vorletzten Jahr traf es meine Freundin, Frau B. (73 Jahre alt). 1971 hatte sie zusammen mit ihrem Mann den „Aktionskreis 71“ (AK 71) - die wohl älteste Selbsthilfegruppe psychiatriebetroffener Menschen in der BRD - gegründet. Diese Gründung geschah damals noch zusammen mit Prof. Dörner und mit seinen Studentinnen der Tagesklinik.
Frau B. schrieb mir dazu:
„Ich bin Ende 2010 bis April 2011 in der geschlossenen Aufnahmestation im UKE gewesen. Ich bekam so hohe Dosierungen Fluanxol - die Höchstdosis - dass ich immer wieder hinfiel. Die Pfleger spotteten über mich, klagten über ihre kaputten Rücken und halfen mir nicht hoch, nur manchmal. Einmal rief ich laut um Hilfe. Da kam zufällig jemand aus einer anderen Abteilung und half mir auf.
Einmal knallte ich im Fall mit dem Kopf gegen die Heizung. Ich wurde ohnmächtig, wachte kurz auf und sah eine Menge Blut auf dem Boden. Dann verlor ich wieder mein Bewusstsein. Ich wachte in der Chirurgie des UKE wieder auf. Ein Pfleger sagte mir, dass ich eine schwere Rücken-Operation des im Fall zugezogenen Wirbelbruchs erlitt und mein Rücken total vernarbt sei. Danach konnte ich nur noch am Gehwagen gehen und schaffte es nicht, meine beiden Beine aufs Bett zu bekommen. Ein Pfleger dieser geschlossenen Station warf mich derart heftig aufs Bett, das ich mir nochmal einen Wirbelbruch zuzog und wieder operiert wurde.
Während meiner Zeit im UKE hatte ich keinen Ausgang, nicht einmal ins Café im Vorraum der Psychiatrie. Frische Kleidung konnte ich mir nicht holen und musste in meinem schmutzigen Zeug auch vor dem Richter erscheinen. Sodass der Richter in seine Beurteilung schrieb: „Ich sei verwahrlost“.
Die Pfleger und Schwestern waren meistens sehr unfreundlich. Psychotherapie und andere Gespräche bekam ich nicht. Man gab mir nur Medikamente oder Spritzen, durch die ich mein Gedächtnis vorübergehend verlor.
Zur Nachbehandlung der beiden Wirbelbrüche war ich im Elim-Krankenhaus in Eimsbüttel. Dort hat man die Narben auf dem Rücken behandelt.
Im September 2011 kam ich nach Hause mit der Auflage, eine ambulante Rehabilitation im Albertinen-Krankenhaus zu machen. Ich wurde vier Wochen lang hin- und wieder zurückgebracht. Es tat mir gut.
Ich ging am Gehwagen und kaufte selbst für mich ein. Einmal ging ich um den Block am Stock. Als ich vor der Haustür stand, bekam ich von hinten einen Stoß und fiel mit dem Gesicht auf die Steine. Nachbarn alarmierten den Notarztdienst, der mich auf die Notaufnahme des UKE brachte. Ich kam wieder nach Hause und machte die Musik ein bisschen laut, weil ich mich freute, wieder zu Hause zu sein. Nachbarn alarmierten die Polizei, und ich kam wieder in die geschlossene Aufnahme des UKE mit Beschluss und blieb dort bis April 2012. Danach kam ich nach Bargfeld-Stegen, ohne dass man mir die Begründung nannte.
Erst kam ich in ein Zweibett-Zimmer. Dann wurde ich in verschiedene Zimmer verlegt, zuletzt in ein Dreibett-Zimmer mit zwei Männern hinter Wandschirmen. Mit der Begründung, dass ich um 18.00 Uhr am Spätnachmittag mich noch nicht zur Nachtruhe ins Bett legen wollte, wurde ich mit Gewalt ausgezogen, aufs Bett geworfen und angeschnallt. Das dauerte etwa einen Monat lang. Als feststand dass ich verlegt werden sollte, wurden die Pfleger und Schwestern freundlicher. Ausgang hatte ich nicht, wie z.B. andere Patientinnen. Ich konnte nur im kleinen Garten mit dem Gehwagen spazieren gehen. Andere Gespräche, als die mit dem Arzt einmal wöchentlich, gab es nicht. Einmal war die Richterin mit meinem Betreuer da und sagte, der
Beschluß sei noch nicht aufgehoben. Dann hieß es, ich würde ins Herrenhaus „Eichenhof für 6 Wochen verlegt. Danach bin ich inzwischen wieder in meiner Wohnung. Da im Haus ein Aufzug ist, kann ich mit dem Gehwagen hinauffahren."

Auf meine Frage am Telefon: „Ob sie nach den beiden Wirbelbrüchen noch Schmerzen hätte?“ sagte sie: „Oft schwere Schmerzen. Und sie könne auch nur schwer gehen.“ Im Jahr zuvor war sie als Malerin noch nach Paris gefahren.
Sie erzählte, dass eine Ärztin im UKE ihr gesagt hätte: „Sie sind unheilbar krank und müssen Ihr Leben lang in der Psychiatrie bleiben.“ Ich frage: „Woher wissen Sie das?“ Sie antwortet: „Das habe ich in einem Buch gelesen.“
Da sie nach den beiden Wirbelbrüchen nicht mehr in die Öffentlichen Verkehrsmittel einsteigen kann, sondern mit dem Taxi fahren muss und auch sonst mehr Hilfe braucht, ist eine Entschädigung notwendig.
Sehr geehrter Herr Professor Naber, eine solche Behandlung ist gewiss auch nach Ihrer Einschätzung nicht nur keine Hilfe, sondern auch mit der UN-Behindertenrechtskonvention von 2009 unvereinbar
weiterlesen:
Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE). Homepage www.bpe-online.de

2011-04-09

ARD-Film zeigt Adenauer Pflege-Oase (09.04.2011) | Region | Lokales | General-Anzeiger Bonn

ARD-Film zeigt Adenauer "Pflege-Oase"

Von Andrea Simons
Adenau. Und es gibt sie doch: Altenpflege, die nichts mit Vernachlässigung, Misshandlung und Missachtung der Menschenwürde zu tun hat oder mit erschreckenden Meldungen über Zwangsernährung, Pflegekräfte ohne Zeit für menschliche Hinwendung und Senioren, die mit Psychopharmaka ruhig gestellt und sogar gefesselt werden.(...)
Das Geheimnis der guten Pflege im Haus sei, dass der Träger als eingetragener Verein nicht gewinnorientiert arbeitet, sondern alle Überschüsse wieder in die Pflege investiert, urteilt der Autor im Film.

ARD-Film zeigt Adenauer Pflege-Oase (09.04.2011) | Region | Lokales | General-Anzeiger Bonn

2011-03-26

Schicksal Psychiatrie: Wie Psychiater das Leben der Vera Stein zerstörten | rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg

Schicksal Psychiatrie: Wie Psychiater das Leben der Vera Stein zerstörten | rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg

Arme Irre, 11:05: WDR 5

Sendung vom 20.03.2011, 11:05 bis 12:00 Uhr

Nervenklinik-Schild; Rechte: dpa/Rumpenhorst
In den 1970er-Jahren bedeutete Nervenklinik "Wegsperren"

Arme Irre

Zurück zur Nachkriegspsychiatrie?
Dreißig Mann in einem Schlafsaal, ohne eigene Zahnbürste oder Intimsphäre, ans Bett gefesselt oder vollgepumpt mit Psychopharmaka; ausgeliefert der Willkür von Pflegern und nicht selten auch der von ehemaligen Euthanasieärzten aus der Nazizeit. So vegetierten viele Patienten psychiatrischer Kliniken bis in die 1970er-Jahre vor sich hin.

Das Feature dokumentiert den weithin vergessenen Skandal des "Ruhigstellens und Wegsperrens" sowie den Kampf der rheinischen Antipsychiatriebewegung für die Rechte seelisch Kranker. Die Autorin fragt auch, inwiefern heutige Personalnot, Kostendruck und Lobbyarbeit von Pharmafirmen die Errungenschaften der Psychiatriereform zunichte machen.
Arme Irre, 11:05: WDR 5

2011-03-05

Misshandlung im Altenheim? - www.krankenschwester.de

Misshandlung im Altenheim?

Hi!

Haben jetzt innerhalb kürzester Zeit drei Pat. (Pflegefälle) aus einem Heim bekommen, die übersäht mit Hämatomen kamen. Auf den Einweisungen des Hausarzt stand dann zwar auch rez. Stürze, doch irgendwie erklärt das für mich nicht alles. Die eine Pat. hat beispielsweise viele winzig kleine Hämatome an der Innenseiten der Oberschenkel - was soll das für ein Sturz gewesen sein. Zudem kann ich mir auch nicht vorstellen (bei uns bestand die Gefahr eines Sturzes aus dem Bett auch nicht), das sie die Kraft haben über die Bettbegrenzungen zu steigen.Die Gerinnug bei allen Frauen waren o. B.. Außerdem sind nicht nur sie, sondern auch die anderen Pat., die Bewohner in diesem Altenheim sind, sehr ängstlich und unterschwellig aggressiv. Leider ist die Verständigung mit den Pat. erschwert, da dieses Heim überwiegend ausländische Bewohner hat. Die leider kein deutsch sprechen und zumeist die Angehörigen auch nur gebrochen.
Eine der beiden Frauen (die Pat. ist auch stark dement) erzählt zudem immer der Nichte von ein und der selben Geschichte, wie ein Schwester aus dem Heim handgreiflich geworden ist.


Möchte gern mal hören, ob ihr dazu auch schon erfahrungen gemacht habt und evtl. was erreichen konntet. Unsere Pflegedienstleitung und unser Oberarzt sind nach dem gehäuften Auftretten nun aktiv geworden.

Vilen Dank schon mal...


Misshandlung im Altenheim? - www.krankenschwester.de

Nach Misshandlungen in Augsburg: Neues Kontrollsystem für Pflegeheime gefordert | Aktuell | BR

Nach Misshandlungen in Augsburg Neues Kontrollsystem für Pflegeheime gefordert

In einem Seniorenheim in Augsburg ist es zu Übergriffen gegen Bewohner gekommen: Nach Angaben des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), dem Betreiber des Heims, hat ein Mitarbeiter alte Menschen geschlagen. Die Leiterin wusste offenbar von den Vorgängen, unternahm aber nichts. Kritiker fordern ein neues Kontrollsystem.
Stand: 25.01.2011
Wie das BRK mitteilte, soll der Mitarbeiter die Senioren nicht nur geschlagen haben, sondern ihnen auch ohne ärztlichen Rat Psychopharmaka verabreicht haben. Zudem soll es zu Missachtung der Hygienevorschriften und einem Fall von sexueller Belästigung gekommen sein, sagte BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Die Pflegekraft und die Leiterin des Heims wurden wegen der Mitte Januar bekannt gewordenen Vorfälle entlassen. Stärk geht davon aus, dass die Vorgesetzte über die Vorgänge Bescheid wusste, sie aber tolerierte.

Anonyme Briefe decken den Skandal auf

Nach Angaben Stärks wurde die Staatsanwaltschaft in Augsburg bereits informiert. Es sei eines der Prinzipien des BRK, Missstände offen anzusprechen und nichts zu vertuschen. In Augsburg herrsche leider ein Klima vor, bei dem sich Mitarbeiter nicht trauen, mit ihren Hinweisen zum BRK zu gehen. "Offenbar gab es auch Beschwerden von Pflegeschülern, die dann nicht weitergeleitet worden sind. Das halte ich für eine Entwicklung, die wir schnellstens stoppen müssen." Wie das städtische Gesundheitsamt mitteilte, hat das BRK bis zum Antritt der neuen Heimleitung im März einen freiwilligen Aufnahmestopp erlassen.
Claus Fussek | Bild: picture-alliance/dpa
Bildunterschrift: Claus Fussek
Den Skandal ins Rollen gebracht hat der Münchner Pflege-Kritiker Claus Fussek, der anonyme Briefe aus Augsburg erhalten hatte. Er leitete die Schriftstücke an das BRK weiter. "Von den Problemen wussten alle Pflegekräfte, Angehörigen und Seelsorger", sagte er. Und auch Kliniken und Bestatter seien häufig über die Missstände informiert. Schließlich sähen sie die alten Menschen bei der Einlieferung oder vor der Beerdigung aus nächster Nähe. Aus Angst vor wirtschaftlichen Einbußen meldeten sie ihre Beobachtungen aber nur selten: "Das Heim bucht sonst die Konkurrenz."...

Nach Misshandlungen in Augsburg: Neues Kontrollsystem für Pflegeheime gefordert | Aktuell | BR

2011-03-02

Unrecht an behinderten Heimkindern aufklären

Berlin (kobinet) Behinderte Kinder und Jugendliche waren in den 50er und 60er Jahren in Heimen der sogenannten Behindertenhilfe hilflos Misshandlungen ausgesetzt. Dieses Unrecht muss aufgeklärt werden, fordern Betroffene wie Ursula Lehmann in Berlin. Sie kam als Sechsjährige 1949 in das Evangelische Johannesstift.

Unrecht an behinderten Heimkindern aufklären
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