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2014-02-05

Wir wollen nicht nur die Krümel, sondern die ganze Bäckerei | kobinet-nachrichten



Wir wollen nicht nur die Krümel, sondern die ganze Bäckerei
 
Veröffentlicht am


von Christian Mayer


Blick in das Plenum
Blick in das Plenum
© Rolf Barthel

Berlin
(kobinet) "Wir wollen nicht nur die Krümel, sondern die ganze
Bäckerei!" Dieser Ausspruch einer Teilnehmerin bringt den Geist der
Veranstaltung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in
Deutschland (ISL) auf den Punkt, die gestern in Berlin stattfand.

Die Teilnehmenden forderten übereinstimmend ein Ende der
Bescheidenheit und die Besinnung auf den eigenen wertvollen Beitrag in
der Gesellschaft. International ist dieser Anspruch unter dem Begriff
"Disability Pride" bekannt, also dem Stolz behinderter Menschen. Die
Tagung stand unter dem Motto "Die Scham ist vorbei! Verstecken war
gestern - Aufbruch ist heute - Vielfalt ist morgen!" Dazu hat die ISL
auch eine neue 84-seitige Broschüre mit dem Titel "Wir sind bunt und
frech - mutig und laut! Ein Geschichts-Lese-Buch über Scham,
Aussonderung, Stolz und Emanzipation!" vorgestellt.

Wir wollen nicht nur die Krümel, sondern die ganze Bäckerei | kobinet-nachrichten

2013-07-16

1. Disability und Mad Pride Berlin - Rede von Theresia Degener - YouTube



Theresia Degener, Berlin 13. Juli 2013

Liebe Freunde und Freundinnen, liebe Freaks, liebe Krüppel und Verrückt, liebe Lahme, liebe Eigensinnige, Blinde Kranke und Normalgestörte!
Liebe alle, die ihr hier auf der ersten deutschen DISABILITY & MAD PRIDE am 13. Juli 2013 in Berlin versammelt seid.
Ich bin Theresia Degener, eine der Veteraninnen der deutschen Krüppel- und Behindertenbewegung und heute Professorin für Recht und Disability Studies. Außerdem bin ich auch Mitglied im Ausschuss der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Die meisten von Euch und Ihnen werden mich in dieser Rolle als Expertin in Sachen Menschenrechte und Behinderung kennen.
Es ist für mich eine große Ehre auf der Bühne zu stehen und ein paar Worte sprechen zu dürfen.
Gleich zu Anfang möchte ich dem Parade - Bündnis und den Leuten die dahinter stehen danken für die großartige Idee eine Disability and Mad Pride Parade in Deutschland zu organisieren. Eigentlich ist es unvorstellbar, dass es bislang in Deutschland keine Disability and Mad Pride Parade gegeben hat. Das Vorbild, die Disability Pride Parade in Chicago feiert nächste Woche schon ihren 10ten Geburtstag. Mittlerweile gibt es Disability Pride Parades in vielen Städten nicht nur in den USA sondern auch in so unterschiedlichen Ländern wie Norwegen, Südkorea und Großbritannien.
Aber in Deutschland hat es so eine Parade noch nie gegeben, obwohl die radikale deutsche Behindertenbewegung schon über 30 Jahre alt ist. Als eines der historischen Meilensteine gilt ja das Krüppel-Tribunal von 1981, das wir damals als Protestaktion gegen das UNO-Jahr der Behinderten in Deutschland organisierten. Wir haben damals Menschenrechtsverletzungen an Behinderten durch den Staat und die großen Wohlfahrtsverbände angeklagt. Wir haben an konkreten Fällen aufgezeigt, dass Psychiatriepatienten und –patientinnen misshandelt, zwangssterilisiert und erniedrigend behandelt werden; dass behinderte Frauen innerhalb und außerhalb von Behinderteneinrichtungen vergewaltigt werden, dass Behinderte durch Barrieren im öffentlichen Nah-und Fernverkehr diskriminiert werden und Vieles mehr.
Für mich war das Krüppel-Tribunal 1981 und unsere anderen Proteste in diesem Jahr eine große Offenbarung. Ich hatte gerade mein Jurastudium aufgenommen und als einzige offensichtlich Behinderte unter 300 Studierenden sehr schnell zu spüren bekommen, dass ich dort an der Johann-Wolfgang-Goethe -Universität Frankfurt nicht vorgesehen war. Professoren waren irritiert, Kommilitonen und Kommilitoninnen verunsichert. Das Studium der Rechtswissenschaften war ein Kurs in Diskriminierung aushalten und ich habe diesen Kurs bestanden, weil ich mich bereits in einer Regelschule bewährt hatte. Ich wusste, wie man in der Nichtbehindertenkultur überlebt.
Die Vorbereitungen für das Krüppel-Tribunal 1981 haben mich mit Streitgenossen und –genossinnen der Krüppelszene zusammengebracht. Ich traf Behinderte, die so wütend waren wie ich. Behinderte, die die Nase voll hatten von der ewigen Anpassung an den Terror der Normalität; Behinderte, die sich provokativ Krüppel nannten und die Rolle des Musterkrüppelchens, das dankbar, lieb, doof und leicht zu verwalten ist, ablehnten. Diese Zeit damals war eine wichtige Zeit der Identitätsfindung, als politische Behinderte, als Feministin, als Linke. Sie prägt mich und meine Identität auch heute noch, als über 50jährige Professorin, die nicht mehr gegen die UNO sondern mit der UNO arbeitet und die gewiss nicht mehr ganz so häufig schrille Töne von sich gibt.
Was ich aber schon damals in der Krüppelszene vermisst habe und erst gefunden habe, als ich in der internationalen Behindertenbewegung aktiv wurde, ist dass wir uns und unsere Arbeit zu wenig zelebriert haben. Wir haben viel und auch oft erfolgreich protestiert, ## aber wir haben zu wenig gefeiert. Umso erfreulicher ist es nun hier auf der ersten Disability Mad& Pride Parade in Berlin zu stehen und mit euch und Ihnen zu feiern.
Disability Pride Parades haben drei wunderbare Ziele:
1. Soll Behinderung neu und anders gedacht werden. Vom medizinischen Modell von Behinderung, nachdem wir Behinderte vor allem als medizinische Probleme, therapeutische Herausforderungen, leidende Wesen und Rehabilitationsobjekte gelten, gilt Abschied zu nehmen. Stattdessen wollen wir das Menschenrechtsmodell von Behinderung in den Köpfen der Menschen verankern. Nach dem Menschenrechtsmodell von Behinderung sind wir vor allem und zuerst Menschen, die eine unantastbare Würde und unveräußerliche Menschenrechte haben. Erst die Verweigerung dieser Menschenrechte macht unsere gesundheitlichen Abweichungen zu einem Problem, macht uns zu ANDEREN zu den sogenannten AUCH- Menschen. Erst die Verweigerung von Menschenrechten macht uns Behinderte zu Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Es ist höchste Zeit, die Verschleierung und Legitimierung von Menschenrechtsverletzungen an Behinderten durch das medizinische Modell zu enttarnen. Sondereinrichtungen für Behinderte sind keine Schonräume sondern Apartheid. Mitleid mit Behinderten ist keine Tugend sondern Dominanzverhalten. Zwangsbehandlung ist keine Therapie sondern Traumatisierung.
2. Sollen Disability Pride Parades uns Behinderten helfen, unsere eigenen Minderwertigkeitsgefühle zu verlieren. Indem wir uns auf der Straße in einer Parade zeigen und gemeinsam tanzen, wollen wir unsere verinnerlichte Scham über unser Anderssein, über unsere Beeinträchtigungen, über unsere Schräg- und Verrücktheiten öffentlich ablegen. Aus der Diskriminierungsforschung wissen wir, dass Unterdrückung dort am besten funktioniert, wo die Unterdrückten die Ideologie der Unterdrücker verinnerlicht haben. Diejenigen, die sich selbst als minderwertig sehen, empfinden keine Verletzung, wenn ihre Würde getreten wird. Diejenigen, die sich selbst als Problem sehen, fordern keine Rechte ein, wenn sie verletzt werden. Diejenigen, die ihr Anderssein als Schicksal bedauern, fügen sich in die Ungerechtigkeit.
Disability & Mad Pride brauchen wir Behinderten und Verrückten tagtäglich, um der Wucht der Stigmatisierungen, der Gewalt der Entwürdigung, der Heftigkeit der Diskriminierungen zu widerstehen. Behindertenstolz brauchen wir ganz besonders in unserer deutschen Kultur. Eine deutsche Kultur, die noch vor siebzig Jahren Menschen, denen eine Behinderung zugeschrieben wurde, massenhaft und industrialisiert zwangssterilisiert und ermordet hat. Aus der Euthanasieforschung wissen wir – Götz Aly hat es jüngst erneut publiziert- dass die Mehrheit der Bevölkerung und sogar die Mehrheit der Familienangehörigen die T-4-Morde an Behinderten stillschweigend gebilligt haben. Die Politik des Heilens oder Vernichtens wurde in Deutschland nicht mit dem Nationalsozialismus beendet. Viele der NS-Täter und Täterinnen konnten insbesondere in Westdeutschland in der Medizin und in der Behindertenhilfe munter weitermachen. Eine klare Zäsur hat es nie gegeben. Ich gehöre zu den sogenannten Contergangeschädigten, die Anfang der 60er Jahre geboren wurden, gerade einmal 15 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus. Warum von den über 10.000 contergangeschädigten Neugeborenen nur ein Viertel überlebte, wurde niemals genau erforscht. Die meisten von uns Überlebenden hörten aber von unseren Eltern, dass ihnen damals direkt nach der Geburt unsere Tötung als Lösung angeboten wurde. Wir leben in einer deutschen Kultur, in der die Geburt eines behinderten Kindes immer noch und schon wieder als Schande gilt. Es ist kaum verwunderlich, dass die Mehrheit der Schwangeren in Deutschland sich selbstverständlich für eine Abtreibung aufgrund einer möglichen Schädigung des Embryos entscheidet. Es ist kaum verwunderlich, dass in Deutschland immer wieder über Euthanasie als Rettung für die Menschenwürde von schwerbehinderten Neugeborenen und dementen Alten diskutiert wird. Eine deutsche Kultur, die auf Behinderung immer wieder nur als Antwort „Heilen oder Vernichten“ kennt, hinterlässt Spuren in jedem und jeder einzelnen Behinderten. Aber so wie wir gelernt haben, uns als minderwertig zu fühlen und uns für unsere Andersartigkeit zu schämen, so können wir das Erlernte auch wieder verlernen. Die Disability &Mad Pride Parade ist eine großartige Gelegenheit dazu. Wir sind hier, weil wir stolz sind auf uns und weil wir es wert sind, gesehen zu werden. Wir sind hier, weil wir uns wertschätzen und den Respekt vor unserer Würde einfordern. Wir sind hier, weil wir mutig sind und laut.
3. Das ist dann auch zugleich das dritte Ziel von Disability Pride Parades. Disability Mad and Pride Parades sind dazu da unsere Andersartigkeit zu zelebrieren. So wie es in Artikel 3 der Behindertenrechtskonvention heißt, feiern wir uns heute als Teil der menschlichen Vielfalt. Wir sind heute auch auf der Straße weil wir viel zu bieten haben: wir sind behindert und verrückt, wir sind aber auch lesbisch, bi oder straight, wir sind alt und jung, wir sind weiß oder people of color, wir sind Migrant_innen und Nichteinwander_innen, wir sind Frauen, Männer und Intersexuelle und Transgender, wir sind vor allem hier und heute bunt und frech.
Es ist an der Zeit, dass wir uns feiern, es ist an der Zeit, dass Behinderte auch in Deutschland es wagen frech und stolz zu sein, dass wir unsere Andersartigkeit zelebrieren, Behinderung als Lebensstil wertschätzen, den Respekt vor unserer Würde einfordern. Das sind unsere Bedingungen für Inklusion, denn wir sind nicht mehr bereit, uns dem Terror der Normalität zu beugen. Als Symbol für den Terror der Normalität habe ich heute meinen Sohn Emil mitgebracht….. (Emil winkt, …) der diesen mithilfe von ein wenig Holz und Pappe für uns darstellt. (Emil zeigt Verkleidung & Brett…. Theresia tritt Brett durch.
1. Disability und Mad Pride Berlin - Rede von Theresia Degener - YouTube

Theresia Degener ist Professorin für Recht und Disability Studies an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland Westfalen Lippe in Bochum.
Sie studierte Rechtwissenschaften in Frankfurt am Main an der Johann Wolfgang Goethe Universität, das sie 1986 mit dem Ersten Juristischen Staatsexamen beendete. Ihren Master of Law (LL.M.) erhielt sie 1990 von der University of California, Berkeley, USA. Sie promovierte 1992 im Fachbereich Rechtswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe – Universität. Das Assesorexamen legte sie 1993 im Land Hessen, Landgerichtsbezirk Frankfurt a.M. ab.
Sie lehrt an verschiedenen ausländischen Hochschulen zum Thema internationale Menschenrechte u.a. 1999/2000 an der juristischen Fakultät der University of California, Berkeley, USA und als außerordentliche Professorin 2007 -2010 an der juristischen Fakultät der University of Western Cape, (UWC) Kapstadt, Südafrika. Dort ist sie Kuratoriumsmitglied im Center for Disability Law and Policy. Seit Juni 2008 ist sie Netzwerkmitglied im Harvard Law School Project on Disability - Ihre Forschungsgebiete sind z. Zt. Behindertenrecht, Antidiskriminierungsrecht und Internationale Menschenrechte, sowie gender studies und disability studies.
2000-2001 war sie Mitglied der Enquetekommission des Bundestages “Recht und Ethik der modernen Medizin”. 2002 – 2006 war sie Mitglied der deutschen Delegation beim Ad Hoc Ausschuss der Vereinten Nationen zur Vorbereitung einer Behindertenrechtskonvention.
2005 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Horst Köhler für ihre Verdienste in der Behindertenpolitik.

Am 1.September 2010 wurde sie zum Mitglied des Ausschusses der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen gewählt.
Sie ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Disability Studies in Deutschland.
Seit 1995 ist sie Selbstverteidigungstrainerin nach der Methode „Jede Frau und jedes Mädchen kann sich wehren“ (Sunny Graff / Regina Speulta) )
Sie lebt mit ihrem Mann, Robert Kissel, und ihren beiden Söhnen Emil und Franz in der Nähe von Wuppertal. http://www.efh-bochum.de/homepages/degener/

www.efh-bochum.de

Aktion Mensch: Behindert und verrückt feiern: Blog

Behindert und verrückt feiern

Autorin: Wiebke Schönherr, am 15.07.2013 um 10:13 Uhr
Was ist Inklusion?
Mit Konfetti und Glitzer feierten rund 1.000 Menschen die erste Disability and Mad Pride Parade in Berlin.
Ein Demonstrationszug auf der Straße – Menschen mit und ohne Rollstuhl tragen ein großes Plakat mit der Aufschrift: behindert und verrückt feiern Pride Parade Berlin.
Pride Parade in Berlin: den öffentlichen Raum zurückholen
Fotos: Wiebke Schönherr
 
Berlin-Kreuzberg ist am Samstag reicher geworden. Menschen mit Migrationshintergrund, Künstler, Studenten, Neu-Berliner und Ureingesessene machen den Bezirk ohnehin schon vielfältig, am Wochenende kam nun noch mehr Vielfalt hinzu: Männer und Frauen mit den verschiedensten Behinderungen oder Psychiatrieerfahrungen. Sie kamen zur deutschlandweit ersten "behindert und verrückt feiern Pride Parade" nach Berlin.

weiterlesen:

Aktion Mensch: Behindert und verrückt feiern: Blog

Fotos: Mad + Disability Pride Parade - behindert und verrückt feiern

Redebeiträge:
 
Prof.Dr. Theresia Degener, Mitglied im Ausschuss der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen
AK MoB - Menschen mit und ohne Behinderung   
Gen-ethisches Netzwerk e.V. 
Bündnis Neptunbrunnen 
AK Psychiatriekritik 
Berliner Bündnis "Stop Trans*-Pathologisierung"   
Mad + Disability Pride Parade - behindert und verrückt feiern

2013-07-15

Terror der 'Normalen' brechen | kobinet-nachrichten




Terror der 'Normalen' brechen

Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Theresia Degener bei ihrer Aktion zum Abschluss der Pride Parade
Theresia Degener bei ihrer Aktion zum Abschluss der Pride Parade
© H.-Günter Heiden
Berlin (kobinet) "Wir sind bunt und frech!" In dieser kurzen Formel fasste Prof. Dr. Theresia Degener all das zusammen, was sich gestern bei der ersten Pride Parade in Deutschland zeigte. Als Beweis zertrümmerte sie nach ihrer beeindruckenden Rede auf der Abschlusskundgebung am Kottbusser Tor per Fuß ein Holzbrett mit der Aufschrift "Terror der 'Normalen'". Das betonte heute die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), die auf ihrer Webseite die Rede von Theresia Degener dokumentiert.
"Es ist höchste Zeit", so Degener, "die Verschleierung und Legitimierung von Menschenrechtsverletzungen an Behinderten durch das medizinische Modell zu enttarnen. Sondereinrichtungen für Behinderte sind keine Schonräume sondern Apartheid. Mitleid mit Behinderten ist keine Tugend, sondern Dominanzverhalten. Zwangsbehandlung ist keine Therapie, sondern Traumatisierung!"
weiterlesen:
Terror der 'Normalen' brechen | kobinet-nachrichten

 Pride Parade Berlin--behindert und verrückt feiern--Kein Mensch ist unnormal aber Jeder ist anders - YouTube

Erste Pride Parade in Berlin: Die Rollis bestimmten das Tempo - Berlin - Tagesspiegel


Erste Pride Parade in Berlin  

Die Rollis bestimmten das Tempo

14.07.2013 17:42 Uhrvon
Bei der Pride Parade am Sonnabend in Berlin auf dem Hermannplatz ging es um "behindert und verrückt feiern". Nach Angaben der Polizei trafen sich mehr als 200 Menschen zur ersten bundesweiten Pride Parade. Behinderte Gruppen und am Rande der Gesellschaft stehende Menschen forderten dabei mehr Rechte und Anerkennung. Foto: dpa
Bei der Pride Parade am Sonnabend in Berlin auf dem Hermannplatz ging es um "behindert und verrückt feiern". Nach Angaben der Polizei trafen sich mehr als 200 Menschen zur ersten... - Foto: dpa
Behindert und verrückt feiern – darum ging es am Sonnabend bei Berlins erster Pride Parade. Die Teilnehmer verbinden Spaß mit dem Kampf gegen Diskriminierung.
Erste Pride Parade in Berlin: Die Rollis bestimmten das Tempo - Berlin - Tagesspiegel

 Pride Parade Berlin--behindert und verrückt feiern--Kein Mensch ist unnormal aber Jeder ist anders - YouTube

2013-07-11

»Behindert und verrückt feiern« heißt, die Macht der Scham zu brechen - jungle-world.com - Archiv - 28/2013 - Disko -

Lass zucken!

Die Pride Parade »Behindert und verrückt feiern« stellt die gesellschaftliche Norm in Frage und will die Macht der Scham brechen.
von Rebecca Maskos
Auf der Berliner Urbanstraße wird es am kommenden Sonnabend zu Behinderungen kommen. Mit Blockaden durch glitzernde Rollstühle wird zu rechnen sein. Seltsame Vögel und Verrückte werden Anwohnerinnen und Anwohner irritieren. Ungewohnte Körper werden spastisch zucken zum wummernden Bass des Lautsprecherwagens. Aus Gehhilfen werden Tanzhilfen mit Stil.
Wir wollen mit der Pride Parade »Behindert und verrückt feiern« provozieren und verstören. Körperlich und psychisch behinderte Menschen und solche mit Lernschwierigkeiten zeigen sich laut und selbstbewusst. Das ist immer noch ein Novum in einem Land, das sich seit einigen Jahren das Schlagwort Inklusion auf die Fahnen schreibt, aber noch weit davon entfernt ist, sie auch zu leben.
jungle-world.com - Archiv - 28/2013 - Disko - »Behindert und verrückt feiern« heißt, die Macht der Scham zu brechen


 Pride Parade 13. Juli in Berlin / 15 Uhr Hermannplatz
 Mad + Disability Pride Parade - behindert und verrückt feiern

2013-07-02

Tanzt Barrieren weg! | kobinet-nachrichten




Tanzt Barrieren weg!


Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Route der Pride Parade in Berlin
Route der Pride Parade in Berlin
© ak moB
Berlin (kobinet) Zur ersten Disability + Mad Pride Parade am 13. Juli in Berlin werden auf gut drei Kilometern Barrieren weggetanzt. Zwischen Hermannplatz in Neukölln und Kottbuser Tor in Kreuzberg machen Freaks und Krüppel, Verrückte und Lahme, Eigensinnige und Blinde, Kranke und Normalgestörte Rambazamba. Die Route führt vom Hermannplatz über die Urbanstraße, Baerwaldstraße, Prinzenstraße und Gitschiner Straße zur Admiralstraße am Kottbusser Tor. Hier wird eine Bühne aufgebaut.
Tanzt Barrieren weg! | kobinet-nachrichten

2013-06-29

Unterwegs für die Pride Parade | kobinet-nachrichten



http://www.pride-parade.de/resources/_wsb_keyvisual.jpg Pride Parade 13. Juli in Berlin / 15 Uhr Hermannplatz

 

Unterwegs für die Pride Parade

Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Antje Barten und Sven Drebes am Journalistentreff Butterstulle in der Marienstraße 25
Antje Barten und Sven Drebes am Journalistentreff Butterstulle in der Marienstraße 25
© kobinet/sch
Berlin (kobinet) Unterwegs für die 1. Berliner Disability+ Mad Pride Parade sind Antje Barten und Sven Drebes. Antje kam mit dem adaptiven Handbike, Sven mit Elektro-Rollstuhl zum Treff mit dem Berliner kobinet-Korrespondenten. Beide sind verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit einer Veranstaltung, die eigentlich keinen Anlass zum Feiern hat und dennoch zur verrückten Fete einlädt. Sie studiert noch Sozialarbeit an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, er ist von Mainz nach Berlin gezogen, um im Büro eines Grünen-Bundestagsabgeordneten zu arbeiten.
Beide freuen sich darüber, wenn am 13. Juli Menschen ihre politischen Botschaften, Forderungen, Gedanken auf Transparente oder Pappen schreiben und diese mitbringen.
Unterwegs für die Pride Parade | kobinet-nachrichten

2013-06-01

Disability & Mad Pride - Mad + Disability Pride Parade - Pride Parade 13. Juli in Berlin / 15 Uhr Hermannplatz



Pride Parade 13. Juli in Berlin / 15 Uhr Hermannplatz




Freaks und Krüppel, Verrückte und Lahme, Eigensinnige und Blinde, Kranke und Normalgestörte –
kommt mit uns raus auf die Straße und feiert die Disability & Mad Pride Parade 2013!
Tanzt Barrieren weg! Hüpft aus den Schubladen! Scheißt auf Diagnosen!
Wir wollen eine Gesellschaft, die bereit ist, Barrieren abzubauen, statt Menschen als "krank", "gestört" und "nicht normal" auszusortieren! Wir verwahren uns dagegen, Experimentierfeld für problemorientierte Menschenverbesserungen zu sein. So, wie wir sind, sind wir richtig!
Also: Küsst den Wahnsinn wach, liebt Krummbeine und Spasmus, begehrt Krücken und Katheter! Malt Eurer Scham Pink und Glitzer auf die Wange und lasst sie laufen! Rollt, humpelt, tastet Euch vor – zum Hermannplatz, am 13. Juli, um 15 Uhr.
Wir sind viele. Wir verstören und verführen. Unser Leben gehört uns! Unsere Körper gehören uns! Und zur Parade gehört uns auch die Straße!
Wir wurden Randgruppen zugeteilt und sind trotzdem hier, mitten im Zentrum.
Wir zeigen uns – unsere Buckel und schiefen Hüften, unsere Neurosen und Verhaltensauffälligkeiten!
Wir studieren, oder wir studieren nicht. Wir arbeiten, oder sind ohne Lohnarbeit. Wir nutzen die U-Bahn mit dem Rollstuhl, beanspruchen Assistenz, um unseren Alltag zu bewältigen, und verreisen mit dem Pflegebett. Nächtens in den Clubs blinken die Lichter unserer E-Rollis im Takt. Wir räkeln uns am Strand, auch wenn ein Bein fehlt. Wir gehen ins Gourmetrestaurant, auch wenn es andere Gäste befremdet, dass wir in den Champagner prusten. Unsere Körper werden als unerotisch bewertet, unser Verhalten als abseitig. Wir erleben uns lustvoll und zugewandt, verlieben uns, haben Beziehungen und bekommen Kinder.
Wir sind hier, mitten im Zentrum. Niemand hat das für uns geschaffen und großzügig zugestanden. Wir haben es erkämpft und eingefordert. Seit Jahrzehnten verwirklichen wir Barrierefreiheit, Teilhabe, Assistenz, Inklusion und Respekt.
Verrücktheit und Behinderungen haben immer auch gesellschaftliche Ursachen. Wer sich darauf beschränkt, Leute mit Diagnosen zu etikettieren, übersieht das Wesentliche: Beeinträchtigt- oder Verrückt-Sein ist nicht schrecklich. Wir essen, schlafen, lernen, arbeiten, feiern, flanieren... und genießen unser Leben - meistens. Wir tun dieselben Dinge, die alle tun, nur dass wir manches anders machen und einige von uns Unterstützung brauchen. Also: Warum sollen wir bemitleidet, gar verändert werden? Warum sollen wir uns anpassen? Wir können stolz sein auf unser Leben und darauf, dass wir sind, wie wir sind!
Wenn wir Unterstützung brauchen, werden wir selektiert und als „krank“, „unfähig“, „nicht funktionstüchtig“ bewertet. Das geht bis zu den ständig sich weiter entwickelnden und von nahezu allen beanspruchten Möglichkeiten, in der Schwangerschaft festzustellen, ob das Kind behindert sein wird, um es dann abzutreiben. In nahezu allen Lebensbereichen entscheiden „Professionelle“: Ärzt_innen, Heimleiter_innen, Gutachter_innen, Kassen und Ämter – nicht wir.
Doch wir nehmen uns unsere Rechte. Wir hinterfragen den kapitalistischen Zwang, funktionieren zu müssen, um zu (über)leben, Leistungen zu bringen, um anerkannt zu sein. Wir verstecken uns nicht, wir zeigen uns. Auf Stigmatisierungen und Ausgrenzungen haben wir keine Lust.
Medizinische Diagnosen sind wirkmächtig. Doch es hilft uns nichts, wenn die Ursachen für körperliche Behinderung und Verrücktheit ausschließlich biologisch erklärt werden. Wir haben genug davon, wenn Psychopharmaka die Probleme zudecken sollen. Wir brauchen eine barrierefreie Umwelt. Superrollstühle, Exoskelette, Hightech-Orthesen und -Prothesen werden die nicht ausgleichen.
Und es ist uns extrem unbehaglich, wenn wir sehen, wie richtige Forderungen und Werte, die wir entwickelt und erkämpft haben, verdreht werden: Wenn sich in Sonntagsreden zur Inklusion bekannt wird, aber praktisch nichts passiert. Wenn sich selbst Werkstattträger für inklusiv halten und gleichzeitig das Geld für Unterstützung behinderter Schüler_innen gekürzt wird. Wenn mittlerweile auch Prominente offen von ihren „Depressionen“ sprechen und trotzdem immer mehr Leute mit psychiatrischen Diagnosen weggeschlossenen werden. Und wenn in Heimen von Selbstbestimmung und Assistenz gesprochen wird, die noch genauso entmündigend funktionieren wie immer und zugleich die Bewilligungen für Persönliche Assistenz für ein Leben in der eigenen Wohnung immer knapper bemessen werden.

Deshalb: Trau dich zu fordern, was du brauchst! Zeige deine Sehnsüchte, deine Ansprüche, dein Begehren! Zeig dich! Geh auf die Straße und feier mit uns auf der Mad & Disability Pride Parade, am 13. Juli in Berlin!!


Disability & Mad Pride - Mad + Disability Pride Parade

2011-07-24

Demonstration in Chicago für Behindertenrechte -- kobinet

23.07.2011 - 09:29

Demonstration in Chicago für Behindertenrechte.

Oregon (kobinet) Die Verabschiedung des Antidiskriminierungsgesetzes für behinderte Menschen am 26. Juli 1990 ist alljährlich Anlass in den USA für die Rechte behinderter Menschen auf die Straße zu gehen, so heute auch in Chicago. Dort findet die schon traditionelle Disability Pride Parade statt, berichtet heute Urlauber Ottmar Miles-Paul für kobinet:

Disability Pride ist ein Begriff, mit dem man in den deutschsprachigen Ländern noch nicht viel anfangen kann. Zum einen ist er schwer zu übersetzen, zum anderen ist das Konzept der Darstellung des Stolzes behinderter Menschen hierzulande noch vielen fern. Behinderung wird meist noch mit Leid, Schwäche und Defiziten statt mit positiven Elementen gleichgesetzt.

Die US-amerikanische Behindertenbewegung geht hiermit anders um und lehnt sich mit den Disability Pride Paraden an Aktivitäten wie dem Christopher Street Day an und demonstriert heute zum Beispiel in Chicago für die Gleichstellung und Selbstbestimmung behinderter Menschen.

Demonstration in Chicago für Behindertenrechte -- kobinet
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