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2011-12-31

20 Minuten Online - «Ich bin irr, aber nicht blöd» - Kreuz und Quer

Kult-Radio Colifata

31. Dezember 2011 18:56; Akt: 31.12.2011 18:56 Print

«Ich bin irr, aber nicht blöd»


«Ich bin irr, aber nicht blöd»

von Camilla Landbø, Buenos Aires - In Buenos Aires geht jede Woche eine ganze besondere Radiosendung über den Äther – gemacht von den Patienten einer psychiatrischen Klinik. Wahnsinnig – das ist für sie die Welt ausserhalb der Anstalt.

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Colifata-Gründer Alfredo Olivera (rechts am Laptop) mit seiner Crew. (Bild: Keystone/AP/Ali Burafi)

«Wir waren Geistesgelähmte, nicht bereit für die irre Welt da draussen, für das internationale Irrenhaus», ruft der bebrillte Hugo López ins Mikrofon. «Jetzt aber müssen wir beginnen, Politik zu machen: Stellt Euch als Abgeordnete und Senatoren auf!»
20 Minuten Online - «Ich bin irr, aber nicht blöd» - Kreuz und Quer

2011-11-22

Im Weltraum gibt es keine Gefühle - film-dienst - Kritiken

Im Weltraum gibt es keine Gefühle
Wenn schon „Krüppel im Film“, dann „Superkrüppel“! Solche wie etwa der blinde Anwalt in der Comic-Adaption „Daredevil“ (fd 35 858): Der tritt trotz seiner Blindheit und dank außergewöhnlicher Kräfte als mutiger Rächer auf. Auch der von Dustin Hoffman gespielte Autist aus „Rain Man“ (fd 27 420) ist zwar in Alltagsdingen vollkommen hilflos, erweist sich aber als verblüffender Gedächtniskünstler. Mit seinem Begriff des „Supercrip“ hat der englische Kulturkritiker Paul Darke darauf hingewiesen, dass Behinderte in den Medien meist mit exorbitanten Fähigkeiten punkten müssen, um der Aufmerksamkeit des Zuschauers würdig zu sein: Steht deine Leinwandtauglichkeit in Frage, brauchst du eine Geheimwaffe, ein Alleinstellungsmerkmal – sonst wirst du aussortiert. Andreas Öhmans Coming-of-Age-Film ist die wohltuende Ausnahme von der weithin immer noch vorherrschenden „Supercrip“-Regel. Sein Protagonist Simon leidet am Asperger-Syndrom, einer leichten Form von Autismus. Ein hübscher Junge, etwas über 20, intelligent, aber kein Überflieger in irgendeiner Kategorie, in der andere Normalwerte erreichen.
film-dienst - Kritiken


Bildhauerin bis zum Wahnsinn: Camille Claudel

Das tragisches Schicksal der französischen Bildhauerin und Schülerin Rodins in szenischer Lesung beim Kunstverein Gundelfingen.
  1. Schauspielerin Lore Seichter-Muráth Foto: Andrea Steinhart 


GUNDELFINGEN. "Klappern der Hufeisen auf Kopfsteinpflaster. Pferde wiehern. Räder quietschen. Der Kutscher spuckt und flucht und lässt die Peitsche knallen"– Mehr Szene als Lesung heißt das Motto von Lore Seichter-Muráth, die bei der szenischen Lesung am Sonntagabend im Gundelfinger Rathausfoyer gekonnt in die Rolle der Camille Claudel schlüpfte.

"Das Ziel des kastenförmigen Einspänners ist die Irrenanstalt in Ville-Evrard. Dort lebte Camille Claudel 30 Jahre in Einsamkeit, bis sie starb und in einem Massengrab verscharrt wurde." Fast glaubte man, das gerade Gehörte real zu erleben. Wie kaum eine andere versteht es die Schauspielerin Seichter-Muráth, geschriebene Szenen lebendig werden zu lassen.

Auf Einladung des Kunstvereins Gundelfingen kam die in Berlin lebende Schauspielerin nun bereits zum zweiten Mal, um dieses Mal von den tragischen Verhältnissen der Bildhauerin Camille Claudel, die von 1864 bis 1943 lebte, zu erzählen. Mit ihren selbstverfassten Texten, ihrer Stimme und Mimik schaffte sie es, das Leben der französischen Bildhauerin derart lebendig werden zu lassen, dass die Zuhörer mitfühlten und mitlitten.

"Erst ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod wurde die Bildhauerin Camille Claudel als das entdeckt, was sie war : eine herausragende Künstlerin."
www.badische-zeitung.de

2011-09-28

Undercover ins Irrenhaus - einestages

Wahnsinn! 1887 ließ sich die 23-jährige Reporterin Nellie Bly in eine berüchtigte New Yorker Psychiatrie einweisen. Ihr Erfahrungsbericht über den menschenverachtenden Umgang mit den Insassinnen sorgte für einen Skandal - und begründete eine neue Art von Journalismus. Von Benjamin Maack

Der Chefredakteur sah die 23-Jährige ernst an. Ein wenig besorgt sei er wegen ihres chronischen Lächelns, sagte er. "Ich werde nicht mehr lächeln", versprach die junge Frau mit den wachen Augen in ihrem hübschen Gesicht. Wie recht sie hatte. Doch in diesem Moment war der Reporterin egal, wie beschwerlich der Auftrag werden würde: Im Jahr 1887 hatte Nellie Bly ihren ersten großen Job für die "New York World", der Tageszeitung des Verlegers Joseph Pulitzer, in der Tasche.
Undercover ins Irrenhaus - einestages

2011-08-28

100 Jahre Psychiatrie: Von der Irrenanstalt zum Krankenhaus - Stadt - Gießener Allgemeine Zeitung

100 Jahre Psychiatrie: Von der Irrenanstalt zum Krankenhaus

Gießen (kw). Die Pfleger hießen »Aufseher«, ihre Patienten galten als unmündig. Sie mussten spezielle Anstaltskleidung tragen, ihr Tagesablauf war einem strengen Reglement unterworfen, etliche lebten über Jahrzehnte hinter den Mauern.

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Die »Anstaltsküche« versorgte Hunderte und bot manchen Patienten auch Arbeitsplätze. (Fotos: Archiv)
Viel hat sich geändert, seit vor 100 Jahren an der Licher Straße die »Großherzogliche Landes-Heil- und Pflegeanstalt gegründet wurde. Nach etlichen Namensänderungen heißt der Jubilar heute Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und ist Teil des größten Fachkrankenhauses in Hessen.

Schon seit den 1830er Jahren war die Einrichtung einer »Irrenanstalt« für Oberhessen diskutiert worden. 1896 wurde die Psychiatrische Klinik an der Frankfurter Straße eröffnet, doch sie reichte nicht aus. Um die Ansiedlung der Landeseinrichtung konkurrierten Gießen und Grünberg. Schließlich setzte sich 1901 im Landtag die Provinzial-Hauptstadt durch. Ein Hauptgrund war, dass die Stadt für den Bau etwa 20 Hektar des Stadtwaldes an der Licher Straße zur Verfügung gestellt hatte, schildert Stadtarchivar Dr. Ludwig Brake in einem Aufsatz für das 2003 erschienene Buch »Psychiatrie in Gießen«.

1906 begannen die Bauarbeiten im »Pavillon-Baustil« mit Jugendstil-Elementen. Für das Ergebnis wurde ein klangvoller Name gesucht. »Waldhof« war im Gespräch, die Stadtverordneten sprachen sich 1907 für »Heilanstalt Waldheim bei Gießen« aus. Doch weniger Jahre später waren solche »Phantasiebezeichnungen« wieder aus der Mode gekommen. Eine schlichte »Hupla«, so die Kurzform für Heil- und Pflegeanstalt, wurde im September 1911 in Betrieb genommen. 300 bis 400 Patienten fanden dort Platz. Männer- und Frauenseite waren getrennt. Es gab Bereiche für »Wachbedürftige«, für »Pflegebedürftige« und für »Unruhige«. Patientinnen und Patienten, die dazu körperlich in der Lage waren, halfen in der Landwirtschaft mit oder arbeiteten in anderen Betrieben – etwa Küche, Wäscherei oder Maschinenhaus. Während des Ersten Weltkrieges diente die Anstalt als Reservelazarett zur Wiederherstellung der Kriegstauglichkeit traumatisierter Soldaten.

»Euthanasie«-Geschichte aufgearbeitet

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden im Rahmen der »Eugenik- und Euthanasie-Programme« Zwangssterilisationen veranlasst und 263 Patienten nach Hadamar gebracht und dort getötet. Auf Erlass des Reichsinnenministers wurden außerdem aus ganz Mitteldeutschland jüdische Patienten »gesammelt«, die später in einer Tötungsanstalt in Brandenburg umgebracht wurden. Diese Phase ihrer Geschichte hat die Klinik umfassend aufgearbeitet. Seit 1998 ist dazu auf dem Gelände die Dauerausstellung »Vom Wert des Menschen« zu sehen.

Anfang der 1950er Jahre übernahm der Landeswohlfahrtsverband die Anstalt. Sie wurde umbenannt in »Psychiatrisches Krankenhaus« – die Abkürzung »PKH« wird im Volksmund auch heute noch häufig verwendet. In den späteren 1950er Jahren wurden erstmals Medikamente zur Behandlung eingesetzt.



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100 Jahre Psychiatrie: Von der Irrenanstalt zum Krankenhaus - Stadt - Gießener Allgemeine Zeitung
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