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2011-08-22

Freiburg: "Herz und Menschlichkeit" - badische-zeitung.de

"Herz und Menschlichkeit"

Das Freiburger Amtsgericht sucht ehrenamtliche Betreuer.
Das Amtsgericht sucht neue ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer. Im Dezember 2010 liefen 54 Prozent der 4132 Betreuungen ehrenamtlich. Für sie sind derzeit laut Thomas Kummerle, dem Präsidenten des Amtsgerichts, rund 1930 Betreuer im Einsatz, die meisten sind Angehörige, die ungeplant in ihre Aufgabe schlitterten. Was braucht ein ehrenamtlicher Betreuer? "Herz und Menschlichkeit", sagt Alois Schnabel, der seit 1981 aktiv ist. Wichtig ist: Die Zeiten der Entmündigung sind vorbei, Betreute und Betreuer stehen sich gleichberechtigt gegenüber.
Es gab eine Zeit, als Hans Nassal fast rund um die Uhr im Einsatz war. Damals, als eine alte Frau, die er betreute, ins Pflegeheim ziehen musste. Er suchte einen Heimplatz, löste die Wohnung auf, fand Nachmieter. Der hohe Zeiteinsatz ist seiner Meinung nach der wichtigste Vorteil von ehrenamtlichen Betreuern: "Die Berufsbetreuer kommen manchmal nur einmal im Vierteljahr vorbei. Ehrenamtliche Betreuer müssen zuhören können und dürfen nicht auf die Uhr schauen." Seit 1992 ist er ehrenamtlicher Betreuer, hat, wie Alois Schnabel nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben angefangen.

Alois Schnabel sieht die Zeitfrage ähnlich: Als Arbeit empfinden darf ein ehrenamtlicher Betreuer nur seine buchhalterischen Pflichten, findet er, nicht die Gespräche und die menschliche Ebene. Allerdings entscheiden ehrenamtliche Betreuer immer selbst, wie viel sie investieren – und auch der Bedarf kann sehr unterschiedlich sein. So verschieden wie die Menschen, die betreut werden: Weil sie psychisch krank, nach einem Unfall hirnverletzt, durch eine Demenz oder eine geistige Behinderung eingeschränkt sind. Die Betreuungsbehörde prüft, in welchen Bereichen jemand Unterstützung braucht, wenn ein Antrag auf Betreuung beim Betreuungsgericht eingegangen ist. Danach steigen die Berufsbetreuer oder Betreuungsvereine ein. "Zeitlich ist bei Betreuungen alles möglich, vom täglichen Besuch bis zum Treffen einmal im Monat", sagt Richard Matern vom Betreuungsverein des Sozialdiensts katholischer Männer (SKM). Auf jeden Fall aber muss der Betreuer genug Zeit mitbringen, um einschätzen zu können, ob sich der betreute Mensch wohl fühlt.

Wie gelingt das? "Es ist eine riesige Verantwortung", findet eine Krankenschwester, die überlegt, ob sie in Betreuungen einsteigen will. Vor allem psychologische Kenntnisse seien gefragt – zum Beispiel beim Umgang mit Demenz. In ihrem Berufsalltag erlebt sie oft, dass betreute Menschen unzufrieden sind und trotzdem kein Wechsel stattfindet.
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