NRW will Förderschulen möglichst abschaffen
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 25.08.2011 - 02:30
Düsseldorf (RP). In den nächsten zehn Jahren sollen 85 Prozent der rund 105 000 Schüler, die derzeit landesweit an Förderschulen unterrichtet werden, Regelschulen besuchen. "Da, wo es möglich ist, sollen die Förderschulen abgeschafft werden", sagte Heike Gebhard, Vize-Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion. Nach der Sommerpause will NRW-Sozialminister Guntram Schneider (SPD) einen Aktionsplan zur Inklusion vorlegen. Ziel ist ein gemeinsamer Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern. Das Land setzt damit Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention um, die eine volle und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben anstrebt. Deutschland hatte die UN-Konvention 2009 ratifiziert.
Bislang gibt es in NRW 724 Förderschulen mit einem ausdifferenzierten System an Schwerpunkten. So fördern unter anderem 317 Schulen den Schwerpunkt "Lernen", 115 "Geistige Entwicklung", 103 "Emotionale und soziale Entwicklung", 71 "Sprache", 35 "Körperliche und motorische Entwicklung", 14 "Hören und Kommunikation" sowie 12 "Sehen". Experten schätzen, dass rund 100 Einrichtungen erhalten bleiben. Eine Pflicht zum gemeinsamen Lernen ist ausdrücklich nicht vorgesehen.
Ralf Witzel, parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion, sieht die Inklusionspläne der rot-grünen Landesregierung kritisch. "Nicht prozentuale Vorgaben, sondern das Wohl des behinderten Kindes muss im Zentrum stehen", sagte der Liberale. Viele Eltern sähen in den Förderschulen auch einen Schutzraum, an dem die Schüler optimal unterstützt werden. "Ich habe erhebliche fachliche Zweifel, ob es in jedem Fall zum Vorteil eines mehrfach schwerbehinderten Kindes ist, gemeinsam mit anderen Kindern unterrichtet zu werden", so Witzel. Wenn die Ziele umgesetzt würden, werde es künftig kein flächendeckendes Angebot mehr geben. Die Wahlfreiheit der Eltern werde damit faktisch aufgehoben.
Bislang ist unklar, wie die Kosten für zusätzliches Lehrpersonal und notwendige Umbauten bezahlt werden sollen. Josef Neumann, behindertenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, betonte, Inklusion dürfe nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet werden. Einsparungen im bisherigen System (zum Beispiel wegfallende Transportkosten) stünden für Umschichtungen zur Verfügung. Sven Lehmann, Parteichef der Grünen, forderte, auch heilpädagogische Kitas sollten in inklusive Kitas umgewandelt werden. "Klug organisiert muss Inklusion nicht teurer sein als Sonderwege", sagte Lehmann.
Quelle: RP
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