Behinderte - Rohstoff für Wohltätigkeit
09.12.2008 | ZSL Schweiz | Peter Wehrli | Schweiz
Ist es bodenlose ökonomische Naivität oder geheuchelte Scheinblindheit welche WohltäterInnen und PolitikerInnen befällt, sobald es um Dienstleistungen für Behinderte geht?
Auch diese funktionieren nämlich nach den üblichen Grundgesetzen der Wirtschaft. Z.B. dass Kunde ist, wer bezahlt. Bei von Spenden und Freiwilligenarbeit alimentierten Behindertentransportdiensten, sind die freiwilligen Helfer und die Spender die Kunden. Sie bezahlen bzw. arbeiten solange ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Die Notlage der vom öffentlichen Verkehr ausgeschlossenen Behinderten ist der Rohstoff mit dem gewirtschaftet wird. Der wahre Grund für das grosse Malaise im Behindertentransportwesen ist, dass alle – ganz nach den üblichen Regeln der Ökonomie – darauf erpicht sind, „ihre Behinderten“ im Monopol zu bewirtschaften. Ein solches sichert seinem Betreiber höchste Erträge bei kleinstem Leistungsdruck.
Weil Spenden nicht leistungs- sondern mitleids-orientiert verteilt werden, haben diese Fahrdienste kein Interesse an möglichst vielen KlientInnen-Fahrkilometern. Im Gegenteil: je weniger Klientenfahrkilometer, desto länger reichen globale Spenden und Subventionen, desto glücklicher die SpenderInnen. Je kürzer die Fahrdistanzen, desto weniger Aufwand pro milde Gabe für die freiwilligen FahrerInnen, ohne dass dies ihrer Befriedigung als WohltäterInnen abträglich wäre. Und Hand aufs Herz: wer würde schon spenden, wenn kein Leidensdruck da ist, der sich im hart umkämpften Spendenmarkt Mitleid erregend vermarkten lässt?
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