Ärzte Zeitung, 26.04.2011
Hochschule in NRW forscht zur Teilhabe von Behinderten
Die Lebenserwartung von Menschen mit Behinderung steigt immer weiter. Das Problem: Die Gesellschaft ist schlecht darauf vorbereitet. In NRW soll die Teilhabe nun erforscht werden.
KÖLN (gia). Die Katholische Hochschule NRW hat den Forschungsschwerpunkt "Teilhabeforschung" eingerichtet. Die Einrichtung hat gleichermaßen ältere Menschen sowie Menschen mit Behinderung im Blick. Die Etablierung des neuen wissenschaftlichen Schwerpunkts steht in engem Zusammenhang mit Inkrafttreten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung.
Das Übereinkommen trat 2008 in Kraft und hat die unterzeichnenden Länder dazu verpflichtet, Menschen mit Behinderung die gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Lebensbereichen zu eröffnen.
Beispielhaft für die Arbeit im neuen Forschungsschwerpunkt ist das Projekt "Lebensqualität inklusiv(e)". Die beteiligten Wissenschaftler beschäftigen sich mit einem Phänomen, das bisher kaum wahrgenommen wurde: Dem Älterwerden geistig behinderter Menschen.(..)
Dabei arbeiten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zusammen - darunter Mediziner, Soziologen, Psychologen, sowie Rechtswissenschaftler.
Nach Auffassung von Dieckmann ist der Forschungszweig in Deutschland bisher zu wenig berücksichtigt worden. "Es ging in der Forschung oftmals um Inklusion in Schulen, Teilhabe ist aber sehr viel umfassender zu verstehen", sagt Dieckmann.
Hochschule in NRW forscht zur Teilhabe von Behinderten
"Bezüglich des Leistungsgeschehens und der Qualitätssicherung liegen speziell für den Bereich der stationären Behindertenhilfe wenig aussagekräftige Informationen und Daten vor.
Insbesondere die Pflegequalität in Heimen der Behindertenhilfe ist bislang noch weitgehend unerforscht (...)"
Erster Bericht des Bundesministeriums über die Situation der Heime
und die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner 2006
bmfsfj.de
"Immer mehr der derzeit rund 6,7 Millionen schwer behinderten Menschen in Deutschland werden laut einer Studie in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen, ohne dass dafür das Sozialsystem bisher gerüstet ist. Dieses Phänomen sei für Deutschland neu, weil die Nationalsozialisten mit ihrer "Euthanasie"-Politik die vorhergehenden Generationen von Behinderten weitgehend ermordet haben (...)"
Evangelischer Pressedienst 2009