30.10.2008
Im Pflegeheim (Bild: AP) Ungewaschen, ausgetrocknet, ausgemergelt
Brigitte Heinisch: "Satt und sauber? Eine Altenpflegerin kämpft gegen die Pflegenotstand", Rowohlt Verlag 2008, 224 Seiten
In Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen pflegebedürftig. Doch nicht selten müssen die Betroffenen unter menschenunwürdigen Umständen leben. Die Altenpflegerin Brigitte Heinisch deckt in ihrem Buch "Satt und sauber?" die Missstände in Heimen auf und liefert eine fundierte Kritik am deutschen Pflegesystem.
Die alte Frau liegt apathisch in ihrem Bett. Wenn man sie anspricht, reagiert sie kaum. Ernährt werden muss sie über eine Magensonde - ein Mensch in diesem Zustand lebt gewöhnlich nicht mehr lange. Doch das Glück ist an ihrer Seite: Sie findet Aufnahme in einer betreuten Wohngemeinschaft für demenzkranke Menschen. Hier haben Pflegerinnen und Pfleger noch Zeit, sich der alten Frau zu widmen, sie zu fördern, ihr zuzuhören. Nach nur einem Jahr sitzt sie morgens mit am Tisch, isst eigenständig, manchmal lacht sie sogar.
So kann es aussehen, wenn Pflege gelingt - die betreute Wohngemeinschaft ist der neue Arbeitsplatz von Brigitte Heinisch, jener streitbaren Altenpflegerin, die sich vor einigen Jahren entschloss, dem Schweigen über die Missstände in Altersheimen ein Ende zu machen, vor die Gerichte zu ziehen, die Öffentlichkeit zu suchen. Sie saß vor Fernsehkameras und in Talkrunden, erhielt Preise für Zivilcourage. Nun ist im Rowohlt Verlag ihr autobiografischer Report "Satt und sauber?" erschienen.
Ungewaschen ausgetrocknet ausgemergelt - Brigitte Heinisch "Satt und sauber? Eine | Kritik | Deutschlandradio Kultur