Ärzte Zeitung, 24.10.2011
GBA erweitert Kompetenz der Pflege
Pflegekräfte könnten bald als Leistungerbringer gelten. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat dafür die Weichen gestellt. Ärzte sehen diesen diese Übertragung allerdings mit gemischen Gefühlen.Schwester allein zu Haus: Die Ärzteschaft sieht die Kompetenzausweitung der Pflege mit Skepsis.
© Christian Thiel / imago
Dieses Szenario soll nach dem Willen der Partner in der Selbstverwaltung in Modellversuchen erprobt werden, zunächst in den Indikationen Bluthochdruck, Demenz, chronische Wunden sowie Diabetes mellitus 1 und 2.
Mit dem einstimmig gefassten Beschluss der Heilkunderichtlinie, dem das Gesundheitsministerium noch zustimmen muss, setzt der GBA einen 2008 erteilten Auftrag des Gesetzgebers um.
"Eigenständige Berechtigung der Pflegeberufe"
Damit hat sich ein vom GKV-Spitzenverband und dem Deutschen Pflegerat entwickelter Vorschlag durchgesetzt."Wir haben es hier nicht nur mit reiner Delegation, sondern durchaus auch mit eigenständigen Berechtigungen der Pflegeberufe zu tun, heilkundliche oder ärztliche Tätigkeiten auszuüben", sagte der unparteiische Vorsitzende des Ausschusses Dr. Rainer Hess.
Die Reaktionen aus der Ärzteschaft sind gespalten. Der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery, hatte den Gesetzgeber bereits im Vorfeld der Entscheidung aufgefordert, diesen Auftrag zurückzunehmen.
"Für Patienten brandgefährliche"
Montgomery erteilte der Substitution ärztlicher Tätigkeiten eine klare Absage. "Wenn wir vom Facharztstandard abweichen, ist das rechtlich problematisch und für die Patienten brandgefährlich", warnte Montgomery.Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, treibt der Beschluss ebenfalls Sorgenfalten auf die Stirn.
Er halte die Modellversuche für einen Versuch, eine für die Kassen preisgünstigere Parallelversorgung aufzubauen, sagte er der "Ärzte Zeitung".
GBA erweitert Kompetenz der Pflege