Der Zivi stirbt aus. Er betreut z.B. geistig Behinderte. Ab 1. Juli kein Wehrersatzdienst mehr
(...)"Die Zivis haben neuen Schwung und neue Ideen in unsere Einrichtung gebracht." Dass sie demnächst komplett ohne die jungen Arbeitskräfte auskommen muss, ist für Dirr nur schwer vorstellbar. "Sie waren bei uns vollwertige Mitarbeiter und aufgrund ihrer Unbeschwertheit beliebt." Vor allem bei Betreuenden, die sich selber noch im Jugendalter befinden, seien die Wehrdienstverweigerer mit ihrer lockeren Art bestens angekommen. Die Aussetzung des Zivildienstes stellt die Lebenshilfe Donau-Iller vor große Herausforderungen. Zwar gibt es auch noch Praktikanten und FSJler, diese könnten aber laut dem neuen Lebenshilfe Geschäftsführer Ralf Schäfer den Zivi nicht ersetzen. "Der Zivildienst war im Prinzip die einzige Möglichkeit, junge Männer für den sozialen Bereich zu gewinnen. 10 Prozent aller Wehrdienstverweigerer haben sich später für einen sozialen Beruf entschieden, diese Arbeitskräfte fallen nun weg."
Auch aus finanzieller Sicht waren Zivildienstleistende äußerst attraktiv für soziale Einrichtungen, da 40 Prozent aller Kosten durch das Bundesamt für Zivildienst übernommen wurden. Den Restbetrag - ungefähr 600 Euro im Monat - trug die Lebenshilfe selbst. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu den Kosten, die normale Betreuungskräfte verursachen, wie Lebenshilfe Geschäftsführer Ralf Schäfer erläutert: "Wenn wir als Ersatz für die Zivildienstleistenden neue Stellen schaffen, werden sich die Kosten mindestens verdreifachen." Für die Lebenshilfe Donau-Iller, die sich mit 70 bis 80 Prozent über Pflegesätze finanziert, aber auch auf Spenden angewiesen ist, stelle der Wegfall des Zivildienstes ein eklatantes Problem dar, betont Ralf Schäfer.
Dem neuen Bundesfreiwilligendienst, der von der Bundesregierung als Reaktion auf die Aussetzung der Wehrpflicht ab Juli eingeführt wird, stehen die Verantwortlichen der Lebenshilfe skeptisch gegenüber.
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