Taunusstein
Mit dem Kran ins Wasser
04.08.2011 - TAUNUSSTEIN
Von Susanne Stoppelbein
ZERTIFIKAT Im sanierten Hahner Freibad gibt es alle Einrichtungen auch für Behinderte
Das Freibad in Hahn ist im Winter nicht nur aufwendig saniert, sondern auch behindertengerecht und barrierefrei ausgestattet worden. Dafür gab es ein Zertifikat vom VdK-Kreisverband. Neben einem Kran, mit dem Rollstuhlfahrer und andere körperbehinderte Menschen ins Wasser abgelassen werden können, gibt es geräumige Umkleiden, eine spezielle Dusche und eine Behindertentoilette sowie Schließfächer, an die man mit dem Rollstuhl heranfahren kann. Es gibt vier (bisher zwei) Behindertenparkplätze, jetzt direkt vor dem Freibadeingang. Außerdem sind alle Wege im sanierten Schwimmbad barrierefrei und kommen ohne größere Steigungen aus.
Außer bei der Einweihungsfeier hat Betriebsleiter Andreas Petry bislang noch nicht vom neuen, hydraulisch betriebenen Kran Gebrauch machen können. Zwar habe man zwei Stammgäste, die auch vor der Sanierung schon mit dem Rollstuhl gekommen seien. „Denen haben wir dann halt zu zweit unter die Arme gegriffen und ins Becken geholfen“, erklärt der Schwimmmeister. Nur mit dem Duschen sei es vor dem Umbau „halt ganz schlecht“ gewesen. Die Rollstuhlfahrer mussten zu Hause unter die Dusche. In diesem Jahr sei aber noch keiner von beiden da gewesen, vermutlich wegen des wenig einladenden Wetters, meint Petry.
Am heißen Dienstag wäre der Kran beinahe zum Einsatz gekommen, als ein geistig behinderter Jugendlicher mit seiner Mutter zum Schwimmen gekommen sei. Doch diesmal musste Petry die Besucher enttäuschen: Personen, die sich nicht selbstständig im Wasser halten können, dürfe er nur mit einer speziellen Schwimmweste hineinlassen, bat Petry um Verständnis. Er räumt ein, dass man einen solchen Fall bislang noch nicht bedacht habe. Man lerne dazu.
Vier Spinde sind eigens mit Behindertensymbol gekennzeichnet, die Behinderten-Umkleide, von der auch Familien profitieren sollen, ist viermal so groß wie die normalen. In der Behindertendusche fehlt noch eine Sitzvorrichtung. Der Kran selbst ist in eineinhalb Minuten am Beckenrand montiert, erklärt Petry, das Freibadpersonal sei jederzeit gerne behilflich.
„Wir sind der Stadt sehr dankbar, dass man uns die Möglichkeit gegeben hat, mitzureden“, sagt VdK-Kreisvorsitzender Ewald Jandl.
Wiesbadener Tagblatt - Mit dem Kran ins Wasser