2011-08-10

Behinderte Frau als Modell für die „Krönung Mariens“ - Schwabach - nordbayern.de

Behinderte Frau als Modell für die „Krönung Mariens“

Andrea Halder leidet unter dem Down-Syndrom — Ihre Mutter kämpft für Integration — Ortung-Werk von Doris Baum - 10.08. 08:31 Uhr

SCHWABACH - Der menschliche Aspekt in den christlichen Marienbildern fehlt ihr. Deshalb hat Doris Baum ihn für „Ortung“ verstärkt und herausgearbeitet. Die „Krönung Mariens“ hat sie ihr Bild in der Synagoge genannt, für das eine junge Frau mit Down-Syndrom Modell gestanden hat. Neben dem menschlichen Inhalt hat Doris Baum mit dieser Wahl zufällig und unabsichtlich auch eine politische Aussage getroffen.


Die Ortung-Station 12 in der Alten Synagoge (von links): Andrea Halder, Doris Baum und Cora Halder.
Die Ortung-Station 12 in der Alten Synagoge (von links): Andrea Halder, Doris Baum und Cora Halder.
Foto: Schmitt
Andrea Halder ist 26 Jahre alt und stammt aus Lauf. Mutter Cora Halder ist seit der Geburt ihrer Tochter hartnäckige Vorkämpferin einer besseren Integration von Menschen mit Behinderung. Insbesondere setzt sie sich seit über 20 Jahren dafür ein, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam in der Regelschule unterrichtet werden.

Bei ihrer eigenen Tochter hat das funktioniert. Andrea Halder absolvierte die Montessori-Schule und arbeitet heute bei einer Werbeagentur in Erlangen.

Integrative Schule

Nach langjährigen Enttäuschungen und vergeblichem Anrennen hat Cora Halder aber auch darüber hinaus kürzlich den Erfolg ihres Einsatzes erlebt: Der Bayerische Landtag hat im Frühjahr 2011 einstimmig ein Gesetz beschlossen, das die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung zum Regelfall macht. Zuvor war die Bundesrepublik Deutschland einer UN-Konvention beigetreten, die eine Änderung der nationalen Politik in diese Richtung vorgegeben hat. Bayern ist hier Schlusslicht unter den Bundesländern. Cora Halder hat zu Beginn der 1990er-Jahre den bayernweiten Verein „Menschen mit Down-Syndrom und ihr Freunde“ gegründet, dem auch Mütter mit Down-Syndrom-Kindern aus Schwabach und dem Landkreis Roth angehören. Er unterstützt Familien, ist Träger eines eigenen Informationszentrums und gibt eine landesweite Fachzeitschrift heraus.

Doris Baum stellt drei Bilder in der Synagoge aus, die eine Botschaft verbindet. Sie stellen Menschen dar, die nicht den ihnen gebührenden Platz in der Gesellschaft einnehmen können.
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