Klaus Dörner
«Die Welt wird bunter dank den Dementen»
Der renommierte deutsche Psychiater Klaus Dörner fordert, die Demenz anzunehmen als
menschliche Seinsweise wie Kindheit, Jugend, Erwachsensein oder Alter. Demente müssten
in die Gesellschaft integriert statt ausgeschlossen werden.
- «Demenz wird heute zu einem Massenphänomen»: Psychiater Klaus Dörner
Klaus Dörner: Weil sie niemand mehr will.
Beobachter: Ist das so?
Dörner: Ja. Laut zahlreichen Umfragen lehnen 92 Prozent der Bevölkerung Heime ab.
Beobachter: Aber die Realität sieht ganz anders aus. In der Schweiz beispielsweise leben 40 Prozent der Menschen mit Demenz im Heim.
Dörner: Das tun sie, aber gegen ihren Willen.
Beobachter: Sicher?
Dörner: Ja. Menschen in grossen Mengen in Heimen unterzubringen, sei es wegen Behinderung, psychischer Erkrankung oder auch Alterspflegebedürftigkeit, ist ein lupenreines Produkt der Industriegesellschaft. Davor wäre das undenkbar gewesen, die Leute hätten sich kaputtgelacht. Mit der Industrialisierung wurde es üblich, dass man Menschen aus betriebswirtschaftlichen Gründen zu Hunderten in einem Gebäude zusammenpfercht – das wurde lange Zeit als Fortschritt empfunden. Jetzt geht das dem Ende zu.
Beobachter: Worunter leiden denn Menschen im Heim besonders?
Klaus Dörner: «Die Welt wird bunter dank den Dementen» - Beobachter
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