Die Botschaft der Abweichung
Bremen - Von Henning BleylDie Krücke locker zwischen zwei Zehen geklemmt spaziert Saliou Diène über die Bühne. Zwei traumhafte Oberarme halten seinen Körper in Schwung, sie lassen die Kraftlosigkeit des rechten Beins komplett vergessen.
Zusammen mit seinen KollegInnen der Kompagnie DIN A13 entfaltet Diène vor einem Geflecht aufgehängter Steine und Felle einen fulminanten Bewegungsfluss – die Eröffnungspremiere von „Eigenartig“, Norddeutschlands einzigem Tanzfestival für Behinderte. Es findet zum zweiten Mal in Bremen statt und dauert noch bis morgen.
Der Tanz behinderter Menschen ist so ziemlich die letzte Bastion traditioneller Ästhetik. Malerei, Literatur, selbst Kino und Theater sind längst mit prominenten behinderten Akteuren und Gruppen gesegnet. Tanz hingegen ist immer noch ein Tabubereich. Denn wenn der Körper selbst das Medium ist, gerät dessen gemeinhin als Deformation wahrgenommene Andersartigkeit – sagen wir lieber: Normabweichung – zwangsläufig zur konstituierenden künstlerischen Botschaft. Und ist damit geeignet, überkommene Ästhetikbegriffe durcheinander zu bringen.
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