2011-10-15

KREIS HÖXTER: Förderschulen sollen geschlossen werden | Neue Westfälische: Zeitung, Tageszeitung für Höxter, Brakel, Beverungen, Nieheim, Steinheim, Bad Driburg, Albaxen, Stahle, Brenkhausen, Ottbergen, Godelheim, Fürstenau, Löwendorf, Ovenhausen - Neue W

KREIS HÖXTER
Förderschulen sollen geschlossen werden
Gemeinschaftsunterricht verändert das Gesicht der Sonderschulpädagogik

VON BURKHARD BATTRAN


Kreis Höxter. Birgit Niggemann (19) ist blind. In diesem Jahr hat die Schülerin aus Manrode am Beverunger Gymnasium ganz normal Abitur gemacht. Behinderte und nicht behinderte Kinder lernen gemeinsam in allen Schulformen. Was bisher die Ausnahme war, soll auch im Kreis Höxter die Regel werden.

"Ich erwarte auch für den Kreis Höxter, dass sich in den nächsten fünf Jahren die Förderschullandschaft im Kreis Höxter radikal verändert haben wird", sagte Gutachter Dr. Ernst Rösner am Donnerstagabend im Schulausschuss des Kreises. Sechs der noch bestehenden elf Förderschulen im Kreis werde es dann vielleicht schon nicht mehr geben.

Das Auslaufen der Hüssenbergschule in Peckelsheim ist bereits beschlossen worden. Dort wurde in diesem Jahr keine Eingangsklasse mehr gebildet. Vom demografischen Schülerverlust stark betroffen sind auch die Weyrather-Schule in Wehrden, die Friedrich-Wilhelm-Weber-Schule in Steinheim, die Eisenhoitschule in Warburg, die Schule am Heiligenberg in Lütmarsen und auch die Anne-Frank-Schule in Alhausen, die aktuell mit 98 Schülern noch am besten dasteht. Auch in zehn Jahren liegt die prognostizierte Schülerzahl von 71 deutlich über dem, was die meisten der vorgenannten Schulen aktuell an Schülern aufweisen.

Hintergrund ist das neue Leitbild der Inklusion. Gemeint ist damit, dass insbesondere Schüler mit Lernschwächen, Sprachstörungen und Verhaltensauffälligkeiten die Regelschulen besuchen sollen. In vier Wochen wird der Dortmunder Experte den Schulentwicklungsplan für die Förderschule im Kreis Höxter fertig gestellt haben und kündigte an, dann weitere Zahlen vorzulegen.

"Im Dezember 2010 hat das Land den Wechsel von der Fürsorgepolitik zur Teilhabe vollzogen, die jedem Kind das Recht zuspricht, an der Regelschule teilzunehmen. Das erfordert den Einsatz von Sonderpädagogen an den allgemeinen Schulen", erläuterte Schulamtsdirektorin Rita Lackmann. Was sich anhört wie eine pädagogische Revolution ist in anderen Ländern ganz normal.
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