2011-04-09

„Für den Standort sachlich kämpfen“ | MAIN-POST Nachrichten für Franken, Bayern und die Welt

DITTERSWIND
„Für den Standort sachlich kämpfen“

Abzug der Rummelsberger war bestimmendes Thema auf Ditterswinder Bürgerversammlung – Unterschriftenaktion läuft
Die Menschen in Ditterswind sind sauer: über den geplanten Abzug der Rummelsberger in Richtung Maintal und vor allem über die Argumente dafür, besser gesagt gegen den jetzigen Standort. Dass Integration und Inklusion von geistig behinderten Menschen in Ditterswind nicht möglich sein soll, empfindet nicht nur Bürgermeister Wilhelm Schneider als „Schlag ins Gesicht“. Einige Ditterswinder vermuten, die ebenfalls genannten wirtschaftlichen Gründe seien vielmehr ausschlaggebend. (...)Schloss Ditterswind ist in mehrfacher Hinsicht Mittelpunkt des Ortes, wie es sinnigerweise auch auf der Homepage der Rummelsberger Anstalten heißt. Etwa 50 bis 60 Menschen haben hier ihren Arbeitsplatz, ungefähr die Hälfte von ihnen aus Ditterswind selbst. Und diese Arbeitsplätze „wären auf einmal weg“, sagt Bürgermeister Schneider. Für Ersatz in dieser Größenordnung könne niemand sorgen. Aus Sicht der Mitarbeiter stehen Jobverlust, Pendeln oder dem Arbeitsplatz hinterher ziehen als Möglichkeiten im Raum. (...)
Überhaupt sind sich die Anwesenden einig: in Ebelsbach wären Integration und Inklusion schlechter umzusetzen als in Ditterswind. Hier kümmere man sich um die Heimbewohner. „Hier können sie sich frei bewegen“, sagte Thomas Seits, „in Ebelsbach ist so ein Verkehr“. Auch könne man nicht damit rechnen, dass den behinderten Menschen in einer großen, verhältnismäßig anonymen Gemeinde wie Ebelsbach geholfen werde und sie in den Geschäften akzeptiert würden. In dem kleinen Lebensmittelladen in Ditterswind haben die Heimbewohner quasi Kredit.
Keine Rückmeldungen gibt es laut Bürgermeister Schneider, der dem Heimbeirat angehört, über Erfahrungen in Sachen Integration von der Außenwohngruppe in Hofheim. Schneider und einige andere der Anwesenden hatten aber den Eindruck, dass die Behinderten dort nicht so gut integriert sind, obwohl die Gruppe schon einige Jahre besteht.
Ein anderer Bürger stellt die grundsätzliche Frage, wie viele Heimbewohner integrationsfähig und wie viele stationäre Pflegefälle seien. Letztere seien „in Ditterswind genauso gut aufgehoben“.
Vor diesem Hintergrund mutmaßten einige, die Inklusion sei nur ein Vorwand. Vor allem gehe es um wirtschaftliche Aspekte und Fördergelder. Bürgermeister Schneider wies der Fairness halber darauf hin, dass das Argument der Wirtschaftlichkeit sehr wohl von Seiten der Rummelsberger genannt worden sei. Neu seien für ihn Gerüchte, wonach die Aktion Mensch, die neben dem Bezirk zu den Zuschussgebern gehört, ihre Unterstützung an einen Neubau an anderer Stelle gebunden habe. Er versprach, dem nachzugehen. (...)
Seit Sonntag läuft in Ditterswind eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Heimes

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