2011-08-10

„Ich bin hartnäckig“ - Die neue Behindertenbeauftragte in Blankenfelde-Mahlow will mehr als nur Sprachrohr sein - Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg

10.08.2011

    SOZIALES: „Ich bin hartnäckig“

    Die neue Behindertenbeauftragte in Blankenfelde-Mahlow will mehr als nur Sprachrohr sein


    BLANKENFELDE-MAHLOW - Sie sagt: „Man kann auch als Einzelner die Welt verändern. Wenn jeder das denken würde, wäre die Welt ganz anders.“ Davon habe sie sich immer leiten lassen. Als es Patrizia Berkholz – noch in Wien – mit der Rettungshundestaffel bis nach Marokko oder in den Iran verschlug. Als sie Leid lindern half und dann erfahren musste, dass sich Politiker lieber nicht einmischen sollten in die Einsätze der Hilfsorganisationen. Deshalb gründete sie – da war sie bereits in Berlin – ein Therapiehundezentrum. Mit ihren Hunden und zwei Mitarbeitern ging es in Behinderteneinrichtungen, zu Kindern, zu Senioren. „Eben zu jedem, dem man mit Tieren eine Freude machen kann“.
    Dass sie nach Deutschland kam, daran ist die Liebe schuld. „Wir haben uns übers Internet kennengelernt, und es hat sich angefühlt, als ob wir uns schon ewig kennen“, sagt Patrizia, es sei eine romantische Geschichte. Sie war 24, er 26, als beide wussten, dass sie zusammengehören. „Ich hatte nichts zu verlieren in Wien, er seinen Job in Berlin. Also bin ich hergekommen“, erzählt die 28-Jährige.
    „Hier ist unsere Heimat, hier fühlen wir uns angekommen“, sagt sie, Mahlow sei ebenso Liebe auf den ersten Blick gewesen. Als das Paar aus dem Zug stieg, wusste es: „Mahlow, das passt einfach!“ Im Januar 2009 kam das Töchterchen zur Welt. Und irgendwie fehlte der jungen Frau etwas, wo sie außerhalb der kleinen Familie – ihr Mann arbeitet im Schichtdienst – Erfüllung finden konnte.
    So bewarb sie sich auf die ehrenamtliche Stelle als Jugendbeauftragte der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow. Und weil sich zwei Frauen meldeten, wurde Patrizia Berkholz als Behindertenbeauftragte bestätigt, denn diese Stelle war schon seit Jahren unbesetzt.
    Seitdem telefoniert sie viel, ist mit der Gemeinde im Gespräch. „So schnell werden die mich nicht los, ich bin hartnäckig“, lacht sie und lobt die Unterstützung. Bis zur Geburt ihres zweiten Kindes im November will sie durchstarten. Ihr Konzept steht, es haben sich drei Schwerpunkte ergeben. Einer davon: barrierefreie Bahnhöfe. Dass sie ausgelacht wird, weil sie es mit der Bahn aufnehmen will, stört sie nicht. „Ich bin hartnäckig“, sagt sie und hat sich schon mit der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde verbündet. Wichtig ist ihr: „Ich sehe mich nicht nur als Sprachrohr, wer mitmachen will, muss sich melden.“ Es gebe einen ersten Schritt für jeden selbst, egal ob man im Rollstuhl sitzt oder ein Down-Syndrom aufweist. „Sie müssen selbst für sich etwas tun wollen“, sagt die Ehrenamtliche energisch.
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