2011-08-28

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Welt am Sonntag Autor: Eva Eusterhus| 06:28

Einander ernst nehmen

Hamburger Firmen beschäftigen zunehmend behinderte Menschen. Diese Mitarbeiter sind hoch motiviert und verbessern das Betriebsklima
Das Datum seines ersten Arbeitstages hat sich ebenso in Horst Reiters Gedächtnis geprägt wie das seines Geburtstages. Seit 19. August 1997 ist er Angestellter der Firma Globetrotter. Was für den heute 41-Jährigen mit einer Praktikumsstelle begann, war für ihn ein wichtiger Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. Vorher fühlte sich der Mann, der aufgrund eines verkürzten Beines als körperbehindert gilt, von der echten Arbeitswelt ausgeschlossen. "Seitdem ich hier bin, tanke ich Selbstwertgefühl, weil ich hier weder benachteiligt noch bevorzugt werde", sagt er. Seit vier Jahren arbeitet er in dem Unternehmen in der Auftragsannahme. Die Tatsache, dass er im alltäglichen Berufsleben Seite an Seite mit Menschen ohne Behinderung arbeitet, schenke ihm Selbstvertrauen. "Ich will arbeiten, und nicht in Watte gepackt werden."
In der Hamburger Zentrale des Outdoor-Unternehmens, das jährlich 200 Millionen Umsatz erwirtschaftet, lässt sich eine deutschlandweite Entwicklung beobachten, die in Hamburg ihren Anfang nahm. Mit der Gründung der Hamburger Arbeitsassistenz (HHA), ein Dienst, der Menschen mit Behinderungen bei der Integration auf dem freien Arbeitsmarkt hilft, öffnete man bereits vor 19 Jahren den Blick für neue Beschäftigungsfelder außerhalb der städtischen Behinderten-Werkstätten. Ein Modell, dem andere Städte folgten: Rund 700 Hamburger Unternehmen beschäftigen heute Menschen mit Defiziten. Seit der Gründung des Fachdienstes beobachtet man eine Öffnung für diese Arbeitnehmergruppe, bislang wurden insgesamt 800 Menschen mit Lern- oder geistiger Behinderung erfolgreich in den freien Arbeitsmarkt vermittelt.
Gerade in den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der Ermittlungserfolge gestiegen, was in sofern bemerkenswert ist, da die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt gestiegen sind. "Trotz einer Verschärfung der Bedingungen sowie konjunktureller Einbrüche finden immer mehr Menschen mit Defiziten langfristig ihren Platz in der Wirtschaft", sagt Rolf Behncke, Geschäftsführer der Hamburger Arbeitsassistenz. Neben finanziellen Vorteilen - bei der Einstellung von schwer behinderten Menschen erhalten Betriebe eine mehrjährige finanzielle Förderung auf die Lohnkosten sowie Einsparungen auf die Ausgleichsabgabe - sind es die gehandicapten, aber hoch motivierten Mitarbeiter, die mit ihren Leistungen überzeugen. Und noch ein ganz anderer Aspekt komme zum Tragen, so Katharina Benson, Personalchefin bei Globetrotter: "Unsere behinderten Kollegen haben einen positiven Einfluss auf das Betriebsklima. Mit ihrer direkten Art fördern sie das Gemeinschaftsgefühl, wecken Fürsorglichkeit und den Mut zum Aufeinanderzugehen." Natürlich gebe es hier und da Probleme, so Benson, "aber nicht mehr oder weniger als mit nicht behinderten Angestellten". Von den rund 1000 Beschäftigten sind aktuell insgesamt 35 behindert. Das Unternehmen, das in den vergangenen Jahren deutlich expandierte, nahm auf diesem Feld früh eine Pionierrolle ein:
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