27.08.2011 · 00:05 Uhr
Aus der Nähe ist keiner normal
Die Lange Nacht über Franco Basaglia und die demokratische Psychiatrie
Von Cornelia Braun und Susanne König
Für die einen war er ein charismatischer Vordenker, für die anderen ein übler Nestbeschmutzer - als "Folterer" bezeichnete der Psychiater Franco Basaglia seine Zunft und prangerte in den 60er-Jahren unermüdlich die katastrophalen Missstände in den psychiatrischen Kliniken Italiens an: Tausende Zwangseingewiesene vegetierten, ihrer Bürgerrechte beraubt, in den Anstalten vor sich hin, mit Elektroschocks und Medikamenten ruhiggestellt und ohne Aussicht auf eine Rückkehr ins Leben.Mit der "Legge 180" wurde diese Reform 1978, zwei Jahre vor Franco Basaglias frühem Tod, in Italien zum Gesetz erhoben und 2001 von der WHO zur weltweiten Nachahmung empfohlen.
In der Langen Nacht erzählen Wegbegleiter von Franco Basaglia, Mitarbeiter und Nutzerinnen des "Centro di Salute Mentale Barcola", einem der vier Gemeindezentren für ambulante psychiatrische Assistenz in Triest vom schwierigen Prozess, die gesellschaftliche Ausgrenzung psychisch kranker Menschen zu überwinden.
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