2011-08-10

Allgemeine Zeitung - „Streetworker“ für alte Menschen

Ingelheim

„Streetworker“ für alte Menschen

10.08.2011 - INGELHEIM
Von Beate Schwenk
SENIORENBÜRO Einrichtung um eine Stelle aufgestockt / In vorhandene Netzwerke integrieren
Die Problematik ist nicht neu: Ältere Menschen ziehen sich aus dem öffentlichen Leben zurück, gehen kaum noch aus dem Haus und meiden Kontakte. Insbesondere, wenn sie keine Angehörigen haben, die sich um sie kümmern. Zwar gibt es für die Betroffenen spezielle Angebote wie ehrenamtliche Besuchsdienste, diese werden jedoch nur zögerlich in Anspruch genommen. Die Hemmschwelle gerade bei älteren Menschen ist enorm hoch.
„Die Antwort ist aufsuchende Arbeit“
Auch bei der Stadt Ingelheim ist das Problem schon lange bekannt. Nun aber will man die Sache „aktiv angehen“, wie es Bürgermeister Ralf Claus formuliert. „Wir haben uns gefragt, wie wir an die Menschen herankommen, die Hilfe brauchen“, berichtet der Sozialdezernent, wie der Stein ins Rollen kam. Die Antwort sei „aufsuchende Arbeit“. „Das klingt ein bisschen wie Streetwork - und im Grunde ist es das auch“, sagt Claus. Nur hole man die Senioren an anderen Orten ab als die Jugendlichen.
Man müsse ganz genau hinschauen, wo Bedarf bestehe und wie man den Bedürftigen helfen könne, ergänzt Heinz-Peter Kissel, Leiter des Amts für Jugend und Soziales. Hinweise bekomme man immer wieder - etwa von jenen Frauen und Männern, die „Essen auf Rädern“ ausführen. Diese registrierten, dass die wenigen Minuten, in denen das Essen ausgeliefert werde, für viele Senioren die einzige Abwechslung in ihrem Alltag seien. Um hier anzusetzen, hat die Stadt Ingelheim eigens eine neue Stelle geschaffen. Seit dem 1. Juli gibt es im Seniorenbüro neben Klaus Anthes eine zweite Kraft.
Christine Jacobi-Becker, die zuvor im Pflegestützpunkt (der ehemaligen Beko) tätig war, wurde als Seniorenberaterin eingestellt. Neben aufsuchender Arbeit und Einzelfallhilfe wird es in nächster Zeit vor allem ihre Aufgabe sein, bestehende Strukturen in der Seniorenarbeit weiterzuentwickeln. Neue Projekte sollen initiiert und die Vernetzung mit den Diensten, die in der Stadt bereits erfolgreich arbeiten, intensiviert werden.
„Ein großes Thema ist das Ehrenamt“, betont Jacobi-Becker. Für verschiedene Bereiche wolle man verstärkt ehrenamtliche Kräfte werben. Beispielsweise für das Team des Besuchsdienstes oder - ein neues Projekt - als so genannte „Stadtteilkümmerer“.
Allgemeine Zeitung - „Streetworker“ für alte Menschen

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