2011-08-06

Nicht ins Heim – aber in dieselbe Schule? Osnabrücker Umfrage über Menschen mit Behinderung vorgestellt - Lokale Nachrichten, Videos, Bilder und mehr aus und für Osnabrück | noz.de

Nicht ins Heim – aber in dieselbe Schule? Osnabrücker Umfrage über Menschen mit Behinderung vorgestellt

Osnabrück. Sind Menschen mit Behinderung am besten im Heim untergebracht? Bei einer Umfrage in Osnabrück befürworteten nur drei Prozent der Teilnehmer eine solche Aussonderung. Ein Fortschritt, meint Oberbürgermeister Boris Pistorius. Die Antworten auf eine andere Frage schmecken ihm weniger: Jeder Zweite glaubt weiterhin, behinderte Schüler würden das Lerntempo einer Klasse bremsen.


Thesen, die zum Widerspruch einladen: Das war am 5. Mai. Jetzt liegen die Ergebnisse der Umfrage vor. Foto: Jörn Martens

Beim Protesttag am 5. Mai wurden Passanten auf dem Nikolaiort und vor dem Dom mit Aussagen zur Inklusion konfrontiert. Mit Inklusion ist die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Alltag gemeint. Seit März 2009 ist die Inklusion in Deutschland gesetzlich verankert. Die UN-Behindertenrechtskonvention komme aber nur schleppend voran, wenn es um die Lebensbereiche Arbeit, Bildung, Barrierefreiheit, Wohnen und Freizeit gehe, sagt Susanne Wolff von der Heilpädagogischen Hilfe.
Darauf sollte mit der Aktion im Mai aufmerksam gemacht werden. In Osnabrück beteiligten sich daran auch der Caritasverband, die Lebenshilfe Osnabrück und die Hilfe für Hörgeschädigte Menschen.
In manchen Ergebnissen der Umfrage, die zeitgleich auch bundesweit lief, sehen die Verantwortlichen ein Zeichen für ein verändertes Bewusstsein. So haben 84,2 Prozent der Befragten offenbar erkannt, dass sich Menschen mit Behinderung nicht frei bewegen können, weil es noch immer an barrierefreien Zugängen zu Bussen und Bahnen fehlt. Oder dass vielen Behinderten der Zugang zu Freizeitangeboten verstellt ist (76 Prozent).
Fast drei Viertel aller Deutschen hätten sich in der Umfrage für die selbstverständliche Gleichstellung aller Menschen ausgesprochen und deutlich gemacht, dass weder ein Heim noch Behindertenwerkstätten die besten Lebens- und Arbeitsbedingungen böten, heißt es in der Zusammenfassung, die jetzt Oberbürgermeister Boris Pistorius vorgestellt wurde.

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