Heimunterbringung kostet das Doppelte
März 2011. Ein Leben im Heim widerspricht nicht nur den Wünschen der Menschen, es ist auch deutlich teurer als die Alternativen. Das hat jetzt der nordhessische Landkreis Waldeck-Frankenberg schmerzlich erfahren müssen.
Korbach. Zum ersten Mal verglichen jetzt hessische Landkreise mit einander, wie viel sie für Leistungen nach dem zwölften Sozialgesetzbuch - spricht Sozialhilfe - ausgeben. Waldeck-Frankenberg hat besonders hohe Kosten, was daran liegt, dass hier überdurchschnittlich viele Menschen stationär betreut werden. Reichen deren Rente und das Geld der Pflegekasse zusammen nicht aus, um die Heimkosten zu decken, muss das Sozialamt den Rest als sogenannte Hilfe zur Pflege drauflegen.
In Waldeck-Frankenberg werden drei Mal weniger Menschen ambulant betreut als in den Nachbarkreisen. Dafür ist die Anzahl der Heimplätze doppelt so hoch wie der vom Land ermittelte Bedarfswert.
Ähnliche Probleme hat der benachbarte Hochsauerlandkreis in Nordrheim-Westfalen. Dessen erster Kreisbeigeordneter Peter Niederstraßer sieht die Ursache des Problems im Überangebot an stationären Pflegeeinrichtungen: „Wenn Plätze da sind, dann werden sie auch schnell und einfach in Anspruch genommen."
Nach Ansicht von Christoph Lixenfeld von der Bundesinitiative Daheim statt Heim sollte diese Erfahrung aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg eine eindringliche Warnung für alle anderen Kommunen in Deutschland sein. „Wo es viele Heime gibt, da tun deren Betreiber alles, um die Betten zu belegen. Und aus Sicht vieler Sozialbehörden ist ein Umzug ins Heim allzu oft die bequemste Lösung. An die langfristig sehr viel höheren Kosten denken dabei die Wenigsten.“
Daheim statt Heim e. V. - Thema Detailseite
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen