Werden die Falschen eingesperrt? Psychiatrie als politische Ordnungsmacht | ||
am 08.09.2011 in Alzey In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Landesverband der Psychiatrie Erfahrenen RLP e.V. kurz nach der Eintragung ins Vereinsregister beschlossen, dass wir uns historisch und visionär mit den Themen der Psychiatrie landesweit befassen. In diesem Jahr haben wir uns ein historisches Thema ausgewählt. Zusätzlich kam uns dieses Jahr zu gute, dass wir eine Landtagswahl hatten und die UNO-Konvention 2009 in Kraft trat. Außerdem legten wir im Leuchtfeuer Nr. 14 den Fraktionen Wahlprüfsteine vor. Bei dieser Tagung wollen wir unter anderem von der Verwaltung des MASGD (Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Demographie) die Aufgaben der neuen Landesregierung im Psychiatriereferat abfragen. Gleichzeitig wollen wir auch mit Ideen von Alternativen in der Akutpsychiatrie Anregungen präsentieren. Hintergrund dieser Fachtagung Während im Mittelalter Folter von "Besessenen" an der Tagesordnung waren, übersetzte Martin Luther die Bibel ins Deutsche. Langsam setzte ein Umdenken ein. In den letzten 500 Jahren nahm z.B. Hexenverfolgung, nach und nach unauffällig ab, bis sie nach und nach ganz verschwand. Irgendwann nahmen sich Psychiater wie z.B. Griesinger, Kraepelin und Jaspers, des Themas der "Besessenen" an. Nach und nach verschwanden "Kaltwasserbäder" und Drehstuhl bis zum Nasenbluten. Während sich Freud, Pearls und Jung begannen mit der Seele und dem was wir heute darunter verstehen zu befassen, zogen in Deutschland die dunklen Wolken des National-Sozialismus (NS) auf. Ab jetzt galten psychisch Kranke und Behinderte jeder Art nur noch als Ballastexistenzen, welcher es sich zu entledigen galt. Vor 40 Jahren (1970) besann man sich der Menschen in den Psychiatrien und setzte eine Enquete ein, die 1975 ihren Abschlussbericht vorlegte. In dieser Zeit gründeten sich auch die Verbände "Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie" (DGSP) und "Aktion psychisch Kranke" (ApK) als professionelle Interessenverbände für psychisch kranke Menschen. 1992 schlossen sich um die zwangssterilisierte Dorothea Buck psychisch kranke Menschen zusammen und bildeten eine Interessenvertretung, den Bundesverband Psychiatrie Erfahrener (BPE) e.V. Am 3.5.2008 trat die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung in Kraft (seit 26.3.2009 in Deutschland gültig) und wurde in allen professionellen und nicht professionellen Kreisen diskutiert. Heute steht die UN-Konvention im Mittelpunkt aller Behinderten- und auch der Psychiatriepolitik. | ||
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